Künftig mit Abstandsmesser in die Clubs?

Abstand in Stuttgarts Clubs: „Distanztracker“ gegen Corona beschlossen

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Durch die Corona-Pandemie ist die Kultur- und Clubszene stark beeinträchtigt worden. Jetzt könnte es einen Lichtblick geben. (Archivfoto)
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Clubs und Bars könnten in Stuttgart eine ganz neue Zukunft haben - der Gemeinderat hat sogenannte „Distanztracker“ für Discos beschlossen. Wie sie funktionieren.

Endlich wieder tanzen - endlich wieder Cocktails. Die Corona-Inzidenzen in Baden-Württemberg* sinken weiter und die Maßnahmen bröckeln. Mittlerweile wackelt sogar die Maskenpflicht in Schulen* und draußen auf öffentlichen Plätzen. Doch die Clubs und Bars spüren von den Lockerungen aktuell noch recht wenig. Deshalb hat die Stadt Stuttgart gemeinsam mit der Universität des Saarlandes ein Pilotprojekt entwickelt. Ein Konzept, um die Hygienekonzepte bei Kulturveranstaltungen zu verbessern und Kontaktnachverfolgung zu erleichtern. Wie echo24.de* berichtet, hat Gemeinderat dem sogenannten „Distanztracker“ jetzt mit breiter Mehrheit zugestimmt.

„Distanztracker“ für Stuttgarts Clubs - sieht so die Zukunft der Kultur- und Partyszene aus?

Das Motto: „Der Kultur eine Chance, dem Virus keine.“ - Ziel des deutschlandweit einmaligen Projektes ist es laut der Stadt Stuttgart, besonders Popkultur und Jugendveranstaltungen wieder aufleben zu lassen. Die Bürgermeisterin für Soziales und gesellschaftliche Integration, Dr. Alexandra Sußmann, sagte dazu:

Die Zeit der Öffnungen geht einher mit mehr Kontakten. Was für die Bürgerinnen und Bürger mehr Miteinander und mehr persönliche Erlebnisse bedeutet, fordert den Infektionsschutz enorm. Daher haben wir mit dem renommierten Wissenschaftler Prof. Thorsten Lehr ein Projekt entwickelt, das Infektionsrisiken besser erkennt, die Sicherheit erhöht und Öffnungen smart gestaltet.

Dr. Alexandra Sußmann, Bürgermeisterin für Soziales und gesellschaftliche Integration Stuttgart

Laut Sußmann geht es darum, unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen endlich wieder zu ermöglichen - und sie dann wissenschaftlich zu analysieren, damit solche Veranstaltungen möglicherweise auch bei höheren Inzidenzen weiterhin realisierbar sind. Denn in Innenräumen, also auch in Clubs und Bars oder Jugendzentren, ist bisher aufgrund der Aerosolentwicklungen kaum etwas möglich. Da soll das „Distanztracking“ - also „Abstandsmessen“ einhaken.

Stuttgart: „Distanztracker“ für Clubs - so funktioniert das Konzept

Funktionieren soll das Pilotprojekt über sogenannte „Tracker“, also „Verfolger“, die etwa so groß sind wie eine Scheckkarte. Sie sollen Besucher einer Kulturveranstaltung warnen, wenn sie einander zu nahe kommen - und außerdem dabei helfen, später enge Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln.

Dazu erklärt Professor Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes: „Die Besucher erhalten beim Betreten der Location einen Tracker, der zu jedem Zeitpunkt die genaue Position des Besuchers erkennt. Ein Echtzeit‐Warnsystem meldet unverzüglich potenziell gefährliche Begegnungen durch Vibration oder Alarmton. Ermöglicht wird dies durch den Einsatz eines innovativen und hochpräzisen Ultrabreitband‐System, das Abstände bis auf 10 Zentimeter genau erkennen kann.“

„Distanztracker“ für Stuttgarts Clubs - welche Locations machen beim Pilotprojekt mit?

Dieses System soll später weiterhin nachvollziehen können, welche Personen sich in direkter Nähe zueinander aufgehalten haben - und für wie lange. So wird es für die Gesundheitsämter viel einfacher, bei einem möglichen Corona-Ausbruch die Kontaktpersonen nachzuverfolgen - dadurch werden auch die Risiken einer Infektion kalkulierbar.

Ein weiterer Vorteil an den „Distanztrackern“ zeigt sich auch bereits während Veranstaltern, da die Daten in Echtzeit übertragen werden. So kann ein Veranstalter im Zweifel noch eingreifen, wenn sich in der Location „Hot Spots“ bilden - also besonders viele Menschen dicht zusammen stehen - und kritische Kontakte entstehen. So kann laut Stadt Stuttgart „der Betreiber sein Hygienekonzept sogar während der laufenden Veranstaltung verbessern.“

Welche Locations an dem Pilotprojekt teilnehmen, ist übrigens noch nicht klar. Die Stadt Stuttgart will zunächst Teilnehmer aus dem Club- und Kulturbereich nach einer Ausschreibung auswählen. Das Projekt soll dann rund 500.000 Euro kosten und kann laut Stadt unabhängig von den aktuellen Regelungen der Corona-Verordnung* laufen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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