Gründungsvorhaben aus Stuttgart

Masterstudentin aus Stuttgart erfindet nachhaltige Alternative zu Styropor

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An der Hochschule der Medien in Stuttgart entwickelte eine Masterstudentin eine nachhaltige Alternative zu Styropor
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Eine Masterstudentin der Hochschule der Medien in Stuttgart erfindet eine ökologische Verpackung, die Styropor ersetzten könnte - das Patent ist bereits eingereicht.

Stuttgart - Es schützt Bildschirme, Möbel, Gläser oder Teller beim Transport vor Schäden. Wenn es zerbricht, zerfällt es in kleine weiße Kügelchen und nach dem Auspacken stellt sich jedes Mal die Frage: Wie entsorgt man das? Die Rede ist von Styropor. Das Polystyrol ist ein transparenter, geschäumt weißer und kostengünstiger Kunststoff, der wohl jedem bekannt ist. Styropor ist wegen Verschmutzungen und Vermischungen sehr schwer zu recyceln und dadurch nicht gerade nachhaltig. Eine Masterstudentin aus der Landeshauptstadt Stuttgart (BW24* berichtete) hat nun eine ungewöhnliche, aber vielversprechende Alternative zu dem weißen Kunststoff entwickelt, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet.

Neben der Universität Stuttgart* und der Universität Hohenheim weist die baden-württembergische Landeshauptstadt eine große Zahl an Hochschulen auf. An der Hochschule der Medien ist die Entwicklung einer Alternative zum Styropor wohl eher weniger zu erwarten. Eine Studentin des Masterstudiengangs Packaging Development & Management entwickelte nun jedoch eine ökologische Verpackung aus Getreidespelz. Laut der Stuttgarter Zeitung ist das Projekt noch ein Prototyp, das Patent wurde jedoch bereits eingereicht.

Stuttgart: Styropor-Alternative an Hochschule der Medien entwickelt

Die Idee einer Verpackung aus Getreidespelz kam der Masterstudentin Lisa Scherer aus Stuttgart nach eigenen Angaben, als sie und ihre Kommilitonen im Rahmen des Studienganges einen Schaum herstellen sollen, der aus natürlicher Basis besteht. „Da haben wir mit Zellulose experimentiert“, sagte sie der Stuttgarter Zeitung. Getreidespelzen beziehungsweise Spelzen sind feine Hüllen, zwischen denen die Getreidekerne an den Ähren wachsen. „Das ist ja etwas, was eh da ist und nicht extra angebaut werden muss“, so Scherer. Die Getreidehüllen sind nicht für den menschlichen Verzehr geeignet und werden bislang auch nicht anderweitig verwendet.

Die Getreidespelzen können mit rein pflanzlichen Bindemitteln, wie etwa dem aus Algen gewonnenen Geliermittel Agar Agar verklebt und so geformt werden, dass sie denselben Zweck erfüllen wie Styropor. Dabei ist das Material jedoch völlig ökologisch und nachhaltig und somit auch ganz einfach zu recyceln. „Unser ‚Schutzspelz‘ (Arbeitstitel Anm. d. Red) weist aufgrund der natürlichen Hohlräume der Spelzen gute isolierende und stoßdämpfende Eigenschaften auf“, erklärt Lisa Scherer in einer Mitteilung der Hochschule der Medien in Stuttgart. „Mithilfe organischer Klebemittel ist das Produkt beliebig formbar und bleibt dabei ökologisch völlig unbedenklich.“

Stuttgart: Projekt erhält Stipendium - Marktreife bis Februar 2022

Lisa Scherer entwickelte das Material an der Hochschule der Medien in Stuttgart und machte es zu ihrer Abschlussarbeit, heißt es in der Mitteilung der Hochschule. Das Gründerteam, das sich selbst Proservation nennt, erhielt bereits ein Stipendium, um das Projekt zur Marktreife zu führen. Zu dem Team gehört auch Lisa Scherers Schwester Sophia, die sich als Absolventin der Verpackungstechnik um die Bereiche Projektmanagement, Marketing und Prozessentwicklung kümmert. Komplettiert wird Proservation durch Nils Bachmann, sich mit den betriebswirtschaftlichen und marktstrategischen Weichenstellungen, dem Gründungsprozess sowie den IT-Schnittstellen befasst und Henning Tschunt, Absolvent des Masterstudiengangs nachhaltigen Unternehmensführung an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde.

Das Team „Proservation“ setzt auf Nachhaltigkeit. Die Styropor-Alternative ist ökologisch verträglich und formbar.

Für das Projekt erhält das Team Proservation an der Hochschule der Medien in Stuttgart monatlich einen Betrag von 2.500 Euro pro Person, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Bis Februar 2022 haben die vier Zeit, ihr Produkt zu Marktreife zu bringen. Zunächst soll die Produkt- und Fertigungsentwicklung vorangetrieben und anschließend durch Partnerschaften die Entwicklung und Erprobung der industriellen Fertigung unterstützt werden.

Die Förderung habe gerade begonnen und man hoffe nun auf verfügbare Räume der Hochschule. „Denn wir brauchen Produktionsfläche“, sagte Nils Bachmann. Im nächsten Schritt gehe es darum, mit möglichen Lieferanten zu verhandeln. „Wir hoffen, dass auch Interesse aus der Industrie besteht.“ *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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