Automobil: Nach Übernahme von BBS baut KW Automotive nun den Stammsitz aus

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So soll die Erweiterung am Stammsitz von KW einmal aussehen.
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2021 war das Jahr der Übernahmen für KW: So gehört der Felgenhersteller BBS nun zur wachsenden Gruppe. 2022 investiert das Unternehmen 15 Millionen Euro in den Stammsitz in Fichtenberg.

Fichtenberg. Die Automobilbranche ist in diesen Tagen ein hartes Pflaster: Während die Hersteller trotz Chipkrise und stockender Produktion Milliardengewinne einfahren, haben viele mittelständische Zulieferer zu kämpfen. Doch es gibt Firmen, die in ihrer Nische so erfolgreich sind wie nie zuvor: ein Beispiel ist KW Automotive aus Fichtenberg. Die familiengeführte Firma beliefert zwar auch Hersteller wie Mercedes-Maybach mit Fahrwerkskomponenten, hat aber schon, damals als einer der ersten Hersteller, vor mehr als zehn Jahren adaptive Gewindefahrwerke zum Nachrüsten auf den Markt gebracht. Zu den Kunden gehören nicht nur Autobauer, sondern ebenso Automobilenthusiasten sowie Kleinserienhersteller. Vom Erfolg profitiert der Stammsitz in Fichtenberg: Dort wird das Unternehmen in den kommenden Monaten rund 15 Millionen Euro investieren – nachdem KW bereits 2021 kräftig expandiert hat: mit drei Übernahmen innerhalb nur weniger Monate.

Im Juni haben die ersten Bau- und Erdarbeiten mit dem Aushub von 16 000 Kubikmetern an Erdreich begonnen. Im September will KW mit dem Rohbau starten. Voraussichtlich Ende 2023 plant die Firma, mit dem Neubau einer Produktionshalle fertig sein. Fast die Hälfte des Invests entfällt auf den Maschinenpark. Der soll laut KW zur „auftragsbezogenen Produktion erweitert werden, um noch flexibler als bisher agieren zu können“. Während viele Firmen bei der Fertigung der Komponenten auf ausländische, und deshalb billiger produzierende Partner setzen, stellt KW fast alle nötigen Teile selbst her: Laut Unternehmen liegt die sogenannte Fertigungstiefe bei 95 Prozent. Der Grund für die Investition: Man sei, so KW, „stark auf Wachstumskurs“. Um die hohe Nachfrage nach Fahrwerklösungen bedienen zu können, baue man den Heimatstandort aus. Zwar kommuniziert die Firma keine Umsatzzahlen, laut Bundesanzeiger hatte KW seinen Umsatz im Jahr 2019 um 20 Prozent gesteigert, selbst im Corona-Jahr 2020 lag das Plus bei rund 5 Prozent. 

Durch den Neubau will KW weitere Arbeitsplätze am Stammsitz schaffen. Bereits heute arbeiten hier 360 Menschen für das Unternehmen, weltweit sind 1200 Mitarbeitende beschäftigt. Bereits in den Jahren 2018 bis 2020 hatte KW rund 40 Millionen Euro in den Standort im Fichtenberger Gewerbegebiet Hirschäcker investiert. In der neuen Produktion will die Firma elektromagnetische Proportionalventile für semiaktive und aktive Gewindefahrwerke und Schwingungsdämpfer fertigen.

Im neuen Firmengebäude entstehen laut KW überdies Flächen für die Fertigungssteuerung und Entwicklung sowie ein Schulungszentrum für die nationalen und internationalen Fachhandelspartner. Auf rund 1800 Quadratmetern gibt es 60 neue Büroarbeitsplätze. Parallel soll der Maschinenpark um Laserschweiß- und Laserschneidanlagen erweitert werden. Mit der neuen Fertigung plant KW, sich noch unabhängiger von externen Zulieferern zu machen und Synergieeffekte zwischen den Unternehmen in der Gruppe zu erschließen. Denn das Firmengeflecht war im zurückliegenden Jahr um drei Unternehmen erweitert worden.

Der prominenteste Neuzugang war 2021 der Leichtmetallräderhersteller BBS, der seit rund einem Jahr zur KW-Gruppe gehört. Das 1970 gegründete Traditionsunternehmen hatte im Sommer 2020 zum dritten Mal Insolvenz angemeldet, die Rettung für die badische Firma kam aus dem Schwäbischen Wald. Die Marke BBS, die bei vielen passionierten Autofahrern längst Kultstatus besitzt, will KW beibehalten. Ebenfalls festhalten will der neue Eigentümer aus Fichtenberg an den Standorten in Herbolzheim und Schiltach sowie den Mitarbeitenden. BBS beliefert unter anderem Hersteller von hochpreisigen Automobilen. „Ich bin stolz, dass eine solche Traditionsmarke zukünftig zur KW Automotive Group gehört“, hatte KW-Gesellschafter Klaus Wohlfahrt anlässlich der Übernahme erklärt. Man wolle die Marke BBS „zu alter Stärke zurückführen“.

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Nur wenige Wochen nach der Übernahme hatte KW im Sommer dann einen weiteren Zukauf bekanntgegeben. KW übernahm den Geschäftsbereich Dämpfungstechnik vom deutschen Technologiekonzern AL-KO Vehicle Technology Group. Die Geschäftseinheit  mit rund 250 Mitarbeitenden stellt an zwei Standorten in Spanien und China Stoßdämpfer für schwere Nutzfahrzeuge und den Pkw-Nachrüstmarkt her. Bereits im Januar 2021 hatte KW  den Offroad-Renndämpferhersteller Reiger Suspension übernommen. Weiteres Mitglied der Firmengruppe ist der Fahrwerkhersteller Belltech. 

Das Unternehmen KW Automotive

KW betreibt  aktuell neben dem Stammsitz in Fichtenberg Niederlassungen in den wichtigsten Märkten wie Belgien, Großbritannien, China, Japan, Schweiz, Spanien, Taiwan und USA. Weitere Geschäftssparten sind Software- und Hardwarelösungen sowie Events für den virtuellen Motorsport unter dem Dach der Marke RaceRoom.

Die Erdarbeiten für die Erweiterung haben im Juni begonnen.

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