BGH will das Scholz-Areal beleben

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Von links: Heubachs Bürgermeister Frederick Brütting, BGH-Aufsichtsratchef Sönke Winterhager und BGH-Niederlassungsleiter Lars Niemeier.
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Die BGH-Gruppe siedelt sich in Heubach an. Das Traditionsunternehmen will am Standort rund 50 neue Arbeitsplätze schaffen und hat den nächsten Ausbauschritt bereits im Visier.

Heubach

Die Maler sind noch am Werk, doch das Logo auf dem Dach steht schon und ist weithin sichtbar. Heubachs Wirtschaft vermeldet einen Neuzugang: Das Traditionsunternehmen BGH wird sich auf dem einstigen Areal der Scholz-Gruppe ansiedeln. Noch laufen also die Bauarbeiten, doch schon ab September soll der bestehende Standort in Schorndorf nach Heubach verlagert werden. Der Stahlproduzent will in unmittelbarer Nachbarschaft zum Heubacher Flugplatz 50 neue Arbeitsplätze schaffen. Auch eine Erweiterung der bestehenden, derzeit 11 000 Quadratmeter großen Hallen ist bereits in Planung.

Von Heubach aus will das Unternehmen den süddeutschen Raum (inklusive Saarland), Österreich und die Schweiz beliefern. Zu den Kunden der BGH gehören neben klassischen Handwerkern auch größere Unternehmen, die ihren Bedarf an Edelstahl und weiteren Stahlprodukten bei der Firma decken können: Neben Edelstählen produziert und vertreibt BGH etwa Werkzeug- und Edelbaustähle sowie Sonderlegierungen.

Brütting: „Wichtiger Impuls für Heubach“

„Der Standort wird zudem eine wichtige Logistikfunktion innerhalb unserer Firmengruppe haben“, erklärt Standortleiter Lars Niemeier. „Die neu gegründete BGH Spezialstahl Süd GmbH ist ein Servicecenter der BGH-Gruppe.“ Das freut auch Heubachs Bürgermeister Frederick Brütting: Die Tochterfirma hat ihren Sitz in Heubach, die Stadt gewinnt einen Gewerbesteuerzahler. „Das ist angesichts der Corona-Pandemie, die zu einem Absinken der Steuereinnahmen geführt hat, ein wichtiger Impuls für die Stadt“, so der Bürgermeister. „Nach der Konversion eines Teils des Triumph-Areals sind wir froh, dass auch hier auf dem ehemaligen Gelände von Scholz Neues entsteht.“

BGH zieht von Schorndorf nach Heubach

In der Region ist BGH bereits seit 2018 ansässig, Schorndorf war die erste Niederlassung, die die Gruppe in Süddeutschland eröffnete. Die Geschäfte liefen so gut, dass die Suche nach einem größeren Standort begann. In Heubach ist das Unternehmen, das in diesem Jahr seinen 555. Geburtstag feiert, fündig geworden. „Der Standort mit seiner Lage und Anbindung passt sehr gut zu uns. Uns war wichtig, dass wir ein bestehendes Gebäude beziehen“, erklärt Niemeier. „Wir haben viel Erfahrung mit dem Bauen im Bestand, ziehen es dem Neubau auf der grünen Wiese vor, auch aus Gründen der Nachhaltigkeit.“ Sönke Winterhager, Vorsitzender des Aufsichtsrates der BGH Edelstahlwerke GmbH, ist ebenso froh, in Heubach eine neue Dependance zu eröffnen. „BGH ist ein Familienunternehmen, unser Ziel ist ein synergetisches, stetes Wachstum. Wir bauen keine Luftschlösser.“ Aber vielleicht stattdessen eine weitere Halle am Standort.

Denn auf dem rund 42 000 Quadratmeter großen Areal ist noch ausreichend Platz. „Im ersten Schritt bauen wir die bestehenden Hallen mit einer Fläche von 11 000 Quadratmeter für unsere Bedürfnisse um“, so Niemeier. „Im zweiten Schritt planen wir dann eine weitere rund 2000 Quadratmeter Halle in direkter Nähe zu den bestehenden Gebäuden.“ Zuvor will das Unternehmen aber die weitere Marktentwicklung abwarten.

Die globale Konkurrenz ist groß, um die Rohstoffe Stahl und Schrott ist mit den weiter steigenden Preisen ein intensiver Wettbewerb entstanden. BGH setzt dabei auf seine deutschen Standorte und einen entsprechenden Qualitätsanspruch. Das Unternehmen übernimmt den gesamten Produktionsprozess von der Schmelze bis zu den fertigen Produkten. Die kommen dann vor allem in Branchen wie der Windenergie, der Wasserstoffindustrie und in weiteren Zukunftstechnologien zum Einsatz, wie Winterhager betont. Rund 50 Prozent des Umsatzes erzielt BHG mit dem Export, mehr als die Hälfte hiervon in der EU, der Rest geht nach Übersee: Winterhager nennt hier beispielhaft die USA und Singapur.

Rund eine Million Euro fließt jetzt aber erstmal in den Umbau der bestehenden Gebäude. Die Fassade wird erneuert, für die anliefernden Lkw entsteht eine Hallendurchfahrt zur einfacheren Be- und Entladung, zudem wird das Gebäude energetisch saniert und mit einem modernen Maschinenpark ausgestattet: In einigen Wochen etwa wird ein Zehn-Tonnen-Kran installiert.

Unser Ziel ist ein synergetisches, stetes Wachstum. Wir bauen keine Luftschlösser.“

Sönke Winterhager, Aufsichtsratschef von BGH

Eines der ältesten Familienunternehmen im Land

Im Jahr 1466wird dieBoschgotthardshütte (BGH) in Siegen (NRW) zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Aus ihr ist im Lauf der Jahrhunderte die BGH-Gruppe entstanden. Die ist noch immer in Familienbesitz, wenn auch aktuell erst in dritter Generation, denn der Großvater des heutigen Aufsichtschefs Sönke Winterhager kaufte das Unternehmen 1934. „Wir sind dennoch das älteste Familienunternehmen in Deutschland, das heute noch immer dasselbe Geschäftsfeld hat wie bei der Gründung.“ Neben dem Standort in Siegen betreibt das Unternehmen Niederlassungen und Fabriken in Freital bei Dresden (Sitz der Holding), Lippendorf, Lugau und Katowice in Polen.

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