Büker, Laß und Schreiber schauen in die Röhre

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Andre Laß, Johannes Büker und Myriam Schreiber.
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Von Abtsgmünd nach Rostock: Team erhält Gründerstipendium für Bauteil, das Druckschwankungen in Rohren reduziert.

Abtsgmünd

Qydro heißt das Produkt, mit dem Johannes Büker und Myriam Schreiber – beide aus Abtsgmünd – und ihr Rostocker Mitstreiter Dr. Andre Laß durchstarten möchten: ein Bauteil, das Druckschwankungen in Rohren und damit den Lärm durch Pumpen reduziert. Für die Verwirklichung ihrer Idee haben sie nun vom Bundeswirtschaftsministerium ein Exist-Gründerstipendium in Höhe von 150 000 Euro erhalten.

Seinen Sitz hat das Dreierteam an der Uni Rostock, wo Johannes Büker bereits studiert und an seiner Promotion gearbeitet hat. Neben der Unternehmensgründung und dem Markteintritt geht es in der einjährigen Laufzeit des Stipendiums darum, das Produkt vom Funktionsmuster zum Prototyp weiterzuentwickeln.

Qydro steht für "Quiet Hydro" – also „ruhiges Wasser“, erklärt der 35-jährige Büker: „Es ist ein Zusatzbauteil, das als Plug- and-Play-Produkt hinter der Pumpe in der Rohrleitung eingebaut wird. Dort soll es dafür sorgen, dass Druckschwankungen sich nicht weiter im Rohrleitungssystem ausbreiten.“ Dass es überhaupt zu diesen Druckschwankungen kommt, liege in der Natur von Pumpen, meint der Ingenieur.

Die Idee zu Qydro hatten Andre Laß und Johannes Büker. Letzterer arbeitete diese Idee während seiner Promotion im Rahmen des Projektes der Landes-Exzellenz-Initiative „Netz-Stabil“ aus Ziel des Projektes war es laut Büker, "vorhandene Schwankungen im elektrischen Versorgungsnetz durch eine intelligente Regelung von Pumpen auszugleichen. Hierbei entstehen jedoch zusätzliche Druckschwankungen, welche zu Lärm und Vibrationen in Rohrleitungssystemen führen. Mit Qydro können diese negativen Auswirkungen vermieden werden."

„Wenn Du eine gute Idee hast, dann bringen wir sie gemeinsam auf den Markt“ – das hatte ihm die gleichaltrige Myriam Schreiber schon oft gesagt – und Wort gehalten. Wie Johannes Büker stammt sie aus Abtsgmünd, ging mit ihm in die Grundschulklasse. Man blieb befreundet und hielt Kontakt. Während Myriam Schreiber nach dem Abitur Wirtschaftswissenschaften und International Business Administration studierte und nach mehreren beruflichen Stationen im In- und Ausland schließlich nach Berlin zog, ging die Reise für Johannes Büker an die Ostseeküste. Nach einem Studium in Aalen entschied er sich für Rostock, um dort den Master zu absolvieren: „Auch, weil ich begeisterter Kitesurfer, Windsurfer und Taucher bin“, sagt er. 2017 begann Büker, der zwischenzeitlich Konstrukteur in Hüttlingen und Konstruktionsleiter in Westhausen war, seine Promotion am Lehrstuhl für Strömungsmaschinen in Rostock. An diesem Institut arbeitete auch der Dritte im Stipendiaten-Team, Andre Laß: „Ich bin das einzige Nordlicht“, lacht er.

Alle drei haben große Pläne mit Qydro. Als Kunden kommen insbesondere Anlagenbetreiber, die große Pumpensysteme in Einsatz haben, also kommunale Ver- und Entsorger, aber auch Betreiber von Chemieanlagen, Raffinerien und Abfüllanlagen, bis hin zu Pumpspeicherkraftwerken in Frage – so hoffen sie. Gleichzeitig trommeln sie bei möglichen Investoren und erklären ihre Idee in Zeitungsinterviews. „Das ist gar nicht so leicht“, sagt Johannes Büker: „Pumpen sind in unserer Wahrnehmung nicht so präsent, aber sie sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken.“

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