Corona macht erfinderisch: Bruno Weisser entwickelt Geschäftsmodell weiter

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Frédéric Reure (links) und sein Bruder Christophe Reure führen den Neresheimer Kunststoffverarbeiter Bruno Weisser.
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Nicht nur Corona hat die Firma belastet. Doch die Neresheimer zeigten sich kämpferisch und erfindungsreich. Die Brüder Reure wollen Bruno Weisser nun mit Kraft in die Zukunft führen.

Neresheim

Die Kundenliste von Bruno Weisser ist prominent: Seit vielen Jahren setzen EvoBus, Porsche, Liebherr, auch Mahle oder Zeiss auf das Know-how des kunststoffverarbeitenden Betriebs, der seit der Gründung vor 75 Jahre Formteile aus Kunststoffen, Textilien und Folien entwickelt und fertigt. Die Folge: Ein steiler Umsatzanstieg von 2015 bis 2019. „Corona, da muss man ehrlich sein, war dann auch ein Ereignis, mit dem wir wirklich nicht gerechnet haben“, sagt Geschäftsführer Frédéric Reure, der zusammen mit seinem Bruder Christophe seit Januar 2019 die Geschäfte führt. „Und wenn Sie dann erfahren, dass ihr Hauptkunde seine Produktion in Deutschland in 2021 drastisch reduzieren wird, dann ist klar, dass nichts mehr so sein wird, wie gedacht und geplant“, fügt der Geschäftsführer hinzu.

Das Unternehmen vom Härtsfeld ließ sich nicht unterkriegen. „Nicht zum ersten Mal in der Firmengeschichte haben wir uns anpassungsfähig gezeigt“, erklärt Reure, der mit seinem Bruder in der vierten Familiengeneration den Betrieb führt. Corona habe nicht nur eine schnelle Reaktion erfordert, sondern eine Weiterentwicklung des Geschäftsmodells. „Durch das Know-how und die Flexibilität unserer engagierten Mitarbeiter haben wir aus der Not eine Tugend gemacht“, sagt Reure. Bruno Weisser begann mit der Entwicklung von Schutzscheiben, die in vielen Lebensbereichen zum Einsatz kommen. „Wir sind mit Kommunen, Hochschulen, vielen Firmen und Einrichtungen in Kontakt. Unsere Kunststoffscheiben waren in zahlreichen Wahllokalen in Baden-Württemberg für die Hygienesicherstellung im Einsatz“, so Frederic Reure. Hinzu kommen Hygienelösungen aus Kunststoff für Fahrzeug-, Bus- und Reisebusunternehmen, aber auch für Tankstellen, Supermärkte, Kantinen und viele Anwendungsbereiche. Für das neue Geschäftsfeld haben die Brüder einen eigenen Internetauftritt entwickelt.

Doch das Kerngebiet, das macht Geschäftsführer Frederic Reure deutlich, bleiben Produkte und Dienstleistungen für die Fahrzeug- sowie Busindustrie. Bruno Weisser produziert Kunststoffteile, etwa Innenraumverkleidungen, Dach- und Mittelkonsolen, Notfallausstieglucken, Luftschleusen, Kabelkanäle, fertigt im Vakuum-Tiefziehverfahren für Busse, Löschfahrzeuge, Pistenbullies oder Porsche-Oldtimer in Serienfertigung oder Prototypenbau. „Mit unseren Vakuumtiefzieh-, Fräs- und Brückenstanzmaschinen sowie unseren Pressen – das hören wir immer wieder von unseren Kunden – können wir manchmal fast schon zaubern“, stellt Christophe Reure selbstbewusst schmunzelnd fest. Und ergänzt: „Wir stehen für passgenaue Lösungen und können Kleinserien schnell und optimiert anbieten. Es gibt nur wenige Anforderungen im Kunststoffbereich, die unser Team nicht erfüllen kann.“

Dennoch bleiben die Herausforderungen auch wegen des Strukturwandels in der Automobilindustrie groß. „Die weitere Entwicklung ist mit Sicherheit eine Herausforderung“, führt Frederic Reure aus. „Wir müssen daran arbeiten, neue Geschäftsfelder und Vertriebsstrukturen aufzubauen, auch weil wir dies in der Vergangenheit aufgrund unserer Kundenstruktur und der großen Kundenbindung schlichtweg nicht mussten“.

Seit knapp zwei Jahren führt Reure gemeinsam mit seinem Bruder die Geschäfte des Unternehmens, bereits Anfang 2019 wurde auch der Generationswechsel offiziell besiegelt. Francois Reure, der das Unternehmen seit 1982 als Geschäftsführer geleitet hatte, übergab die Führung an seine beiden Söhne: „Frederic und Christophe sind genau die Richtigen, sie haben viel Erfahrung in der Industrie gesammelt, die wir heute hervorragend gebrauchen können.“ Damit gelang der Traditionsfirma der geräuschlose und vor allem von langer Hand geplante, familieninterne Wechsel der Generation. „Eine familieninterne, gut umgesetzte Übergabe bedeutet für das Unternehmen Planungssicherheit und Kontinuität“, so der Senior.

Seine Nachfolger wollen nicht nur neue Geschäftsfelder und Vertriebsstrukturen auf-, sondern das eigene Produkt-Portfolio ausbauen: Innovation, Digitalisierung, Zukunftsorientierung lauten da die Schlagworte. „Wir wollen die Firma konsequent auf die Zukunft ausrichten“, sagt Frederic Reure und nennt hier etwa das Megathema Industrie 4.0 oder den 3-D-Druck. „Mit beiden Feldern setzen wir uns intensiv auseinander, arbeiten etwa an einer digitalen Produktionsrückmeldung und testen intensiv die Anwendungsmöglichkeiten des 3-D-Drucks.“ Deshalb will die neue Generation in neue Produktionstechnologien am Standort investieren.

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