„Der Mensch lernt durch Scheitern“

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Marc Friedrich.
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Seine Bücher sind Bestseller, auch weil seine Thesen umstritten sind Autor Marc Friedrich über Notenbanken, Inflation, Kryptowährungen und der Deutschen liebstes Kind: Immobilien.

Lorch

Die Thesen Marc Friedrichs polarisieren. Die einen nennen den Autoren einen Crash-Propheten, die anderen schätzen seine provokanten und zuspitzenden Werke. Wir sprachen mit ihm über sein jüngstes Buch „Die größte Chance aller Zeiten“, die Coronakrise, die Politik der Notenbanken, die drohende Inflation und natürlich den Bitcoin.

Herr Friedrich, nach Büchern, in denen Sie den Finanzcrash prophezeiten, schreiben Sie von der „größten Chance aller Zeiten“ – trotz globaler Pandemie. Wie haben Sie Ihren Optimismus wiedergefunden?

Marc Friedrich: Ich habe ihn nie verloren. Ich bin Grundoptimist, aber auch Realist und weiß, dass die größten Chancen immer in Krisen liegen. Die Menschheit lernt seit jeher am meisten durch Krisensituationen und historische Einschnitte, wie die Coronakrise. Krisen sind fester und essenzieller Bestandteil der menschlichen Evolution. Der Mensch lernt durch Scheitern. Aus dem Grund sollten wir Krisen akzeptieren und sogar umarmen. Daraus entsteht Fortschritt, Innovation und Altes, Ausgedientes wird ad acta gelegt.

Ein Crash der Finanzsysteme bleibt ihr Leitmotiv, Sie gehören zu den scharfen Kritikern der Politik der Notenbanken, die seit der Finanzkrise Billionen in den Markt pumpen, um eine Krise abzuwenden. Bis jetzt könnte man doch festhalten: Es ist immer gut gegangen, selbst im seit Jahrzehnten hoch verschuldeten Japan lebt es sich nicht schlecht…

Ist das das angestrebte Ziel? Hoffen, dass die Überschuldung und Insolvenzverschleppung gut geht? Bei meiner Recherche habe ich festgestellt, dass alle Länder, die die magische Todeszone von 130 Prozent Verschuldung zur Wirtschaftskraft, also dem BIP, überschreiten, immer im Desaster enden. Von 53 Ländern sind 52 im Staatsbankrott, Währungsreform und Hyperinflation geendet. Japan steht noch aus und ist meiner Ansicht nur eine Frage der Zeit. Die USA haben dieses Jahr die 130-Prozent-Marke überschritten… Wir versuchen ein Naturgesetz, die Mathematik, zu überlisten. Ein Jeder kann sich fragen, ob dies gelingen wird.

Die Wirtschaft kommt wieder ins Rollen, die Industrie kämpft eher mit dem Mangel an Rohstoffen und Halbleitern als mit fehlenden Aufträgen. Nach Crash lesen sich die Konjunkturdaten nicht…

Dies war das Szenario, das ich mit größter Wahrscheinlichkeit im Buch prognostiziert habe, mit 60 Prozent: Öffnung, Lockerungen, Nachhol- und Basiseffekt. Dies führt zum Melt-up, Inflation, Börsen steigen, Geld wird ausgegeben, als ob es kein Morgen gibt.

Viele Ökonomen halten eine steigende Inflation für möglich, aber nicht besorgniserregend. Was denken Sie?

Die Inflation kommt! So heißt ein ganzes Kapitel im Buch. 2020 war die offizielle Inflationsrate in der Eurozone 0,4 Prozent. Die wahre Inflation lag bei 13,73 Prozent. Das entspricht eher dem Gefühl der Menschen. Da liegen wir näher an der Wahrheit. Neben den Basiseffekten, Öffnungen und Billionen, die auf der hohen Kante liegen und jetzt ausgegeben werden wollen, haben wir gestörte Produktions- und Lieferketten. Wir haben starke Nachfrage, die auf ein sinkendes Angebot trifft. Hinzu kommen historische fiskalische Konjunkturpakete und Notenbankaufkaufprogramme in Billionenhöhe. All das wird seit Jahrzehnten wieder zu steigenden Geldumlaufgeschwindigkeiten führen und zu einer saftigen Inflation. Die Bundesbank geht von 4 Prozent aus. Ich von wesentlich mehr.

Im Buch geben Sie Tipps für den Aufbau von Vermögen und haben sich mit dem Bitcoin auseinander gesetzt, der jüngst massive Verluste erlitten hat. Kann man einen Teil seiner Altersvorsorge einer Digitalwährung anvertrauen, die wegen eines Tweets von Elon Musk 30 Prozent ihres Werts verliert?

Mehr denn je! Sie dürfen nicht vergessen, dass Bitcoin davor sich innerhalb eines Jahres verzwanzigfacht hat und wir aktuell immer noch eine Verzehnfachung haben. Diese Korrektur war gesund und notwendig. Bitcoin hat viele Vorteile und ist unserem ungedeckten und unlimitierten Papiergeld massiv überlegen. Bitcoin ist grenzenlos, demokratisch, limitiert durch die Mathematik, deflationär und nicht in der Hand einer nicht demokratisch legitimierten Notenbank und der Politik.

Des Deutschen liebstes Kind ist die eigene Immobilie, die Preise stiegen selbst in der Pandemie weiter an. Wie ist Ihre Prognose?

Erstmal weiter steigend. Allerdings würde ich die Preise nutzen, um antizyklisch zu verkaufen. Andere Anlagen werden aber Immobilien übertreffen. Zudem werden Immobilien in Zukunft besteuert werden. Wie alle Blasen wird dann auch die Immobilienblase am Ende platzen.

Auch die Zahl der Aktienbesitzer ist in Deutschland 2020 sprunghaft angestiegen. „Endlich“, sagen viele Experten. Sie auch?

Klar. Aktien sind ein wichtiger Bestandteil eines breit diversifizierten Portfolios. Allerdings kommt es auf die richtige Auswahl an. Ich sehe die Branchen Rohstoffe (unter anderem Uran), Minen, Wasser, Recycling als am interessantesten an.

Die größten Chancen liegen in Krisen.“

Marc Friedrich, Buchautor

Stammgast in der Spiegel-Bestsellerliste

Marc Friedrich, 1975 geboren, studierte an der Hochschule Aalen internationale Betriebswirtschaftslehre, arbeitete für Firmen in Argentinien, den USA und Großbritannien. 2009 gründete er eine Vermögensverwaltung mit Sitz in Lorch. Zudem machte er mit Sachbüchern von sich reden. Sechsmal in Folge landeten die Werke, darunter etwa das Buch „Der größte Crash aller Zeiten“ in der Spiegel-Bestsellerliste.
Im Herbst gab Friedrich die Gründung einer neuen Firma bekannt: die Friedrich Vermögenssicherung GmbH mit Sitz ebenfalls in Lorch.

Sein neues Buch „Die größte Chance aller Zeiten“ ist im Finanzbuch Verlag erschienen.

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