Dr. Dieter Kress wird 80

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Dr. Dieter Kress wird am 18. Mai 80 Jahre alt.
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Er formte aus dem regionalen Betrieb Mapal eine internationale Firmengruppe mit mehr als 5000 Mitarbeitenden: An diesem Mittwoch feiert Dr. Dieter Kress runden Geburtstag.

Aalen

Als Dr. Dieter Kress vor knapp 53 Jahren in den Betrieb seines Vaters Dr. Georg Kress eintrat, war das Unternehmen ein respektabler, aber doch kleiner und regionaler Hersteller von Gewindebohrern. Kress formte das Unternehmen in den folgenden Jahrzehnten zu einer internationalen Gruppe mit mehr als 5000 Mitarbeitenden – und zu einem der weltweit führenden Hersteller von Präzisionswerkzeugen mit einem Umsatz von einer halben Milliarde Euro. An diesem Mittwoch wird der vielfältig regional und überregional engagierte und ausgezeichnete Unternehmer 80 Jahre alt.

Kress, geboren 1942 in Stuttgart, trat im Jahr 1969 nach Diplom-Abschlüssen in den Studiengängen Maschinenbau (TU Stuttgart) und BWL (Uni München) in das von seinem Vater Dr. Georg Kress 1950 gegründete Unternehmen ein. Während der Arbeit promovierte der Jubilar an der TU Stuttgart zum Thema Reiben. Auf das „Reiben“ ist übrigens der Erfolg von Mapal begründet. So kaufte Dr. Georg Kress 1954 das Patent für eine einstellbare Reibahle von einem italienischen Erfinder. Zwar waren einige Optimierungen nötig, bald erreichte die Reibahle überragende Ergebnisse. Als Dr. Dieter Kress 1969 in die Firma kam, entwickelte er aus diesem Standardprodukt leistungsfähige Sonderwerkzeuge. „Wir haben das Werkzeug immer speziell auf die Situation beim Kunden abgestimmt“, erinnert sich Kress. Damit habe sich der Geist von Mapal herauskristallisiert –  immer nah am Kunden die beste Lösung zu finden –, der heute noch den Erfolg der Firma definiert.

Neben der Reibahle macht Dr. Dieter Kress verschiedene Aspekte für das starke Wachstum verantwortlich: „Deshalb haben wir seit den 1990er-Jahren unser Produktangebot kontinuierlich ausgebaut.“ Heute ist das Unternehmen, das am Aalener Stammsitz rund 1700 Menschen beschäftigt, Komplettanbieter für die Bearbeitung kubischer Bauteile. Das Unternehmen bietet neben Geräten zum Einstellen, Messen und Ausgeben von Werkzeugen Dienstleistungen rund um die Werkzeuge an.

Der Erfolg Mapals fußt indes nicht nur auf organischem Wachstum. Kress erkannte früh, wie wichtig Neugründungen und Zukäufe weltweit für die Entwicklung der Firma waren und trieb die Internationalisierung stetig voran. Heute ist Mapal in 44 Ländern vertreten. Kress verfolgte dabei immer eine klare Philosophie: „Wir sind mehr von innen heraus als durch Zukäufe gewachsen. Es hat nie der Kultur von Mapal entsprochen, große Firmen zu kaufen. Wir haben entweder selbst gegründet oder kleinere Firmen gekauft.“ Bei Zukäufen folgte er seiner eigenen Strategie: „Für mich war es immer wichtig, die jeweilige Kultur des Unternehmens zu respektieren. Die Unternehmensgründer, beispielsweise bei WWS in Pforzheim oder Miller in Altenstadt, sind auch immer als Geschäftsführer im Unternehmen geblieben.“ So stellte sich Mapal nach und nach immer breiter auf.

„Natürlich gehört auch jede Menge Glück dazu, damit ein Unternehmen so wächst“, bekennt Kress. Und die Freiheit, eigene - auch kurzfristige - Entscheidungen treffen zu können. So ist es beispielsweise auf seine Begeisterung zurückzuführen, dass Mapal bereits im Jahr 2013 in einen 3D-Drucker investierte. „Ob der 3D-Druck für den Werkzeugbereich nützlich und praktikabel sein würde, davon hatten wir beim Kauf der ersten Maschine nur ungenaue Vorstellungen“, sagt Kress. Heute fertigt Mapal auf vier Maschinen in Serie.

Bereits früh stellte er die Weichen für seine Nachfolge, 2008 holte er seinen Sohn Dr. Jochen Kress zunächst in die Geschäftsführung, übertrug ihm nach und nach mehr Verantwortung und zog sich langsam aus dem operativen Geschäft zurück. 2018 übernahm Jochen Kress schließlich auch als geschäftsführender Gesellschafter.

Dr. Dieter Kress engagiert sich seit Jahrzehnten intensiv für die Region Ostwürttemberg, war lange Mitglied des Hochschulrats der Hochschule Aalen (deren Ehrensenator er seit 2010 ist), ist Gründungsmitglied des Vereins P.E.G.A.S.U.S., der Gründer und junge Unternehmen in der Region unterstützt und war 25 Jahre in der Vollversammlung der IHK Ostwürttemberg. Kress setzte sich für die Qualifikation von Langzeitarbeitslosen bei dem Projekt „Chance100“ ein. Überregional hat sich der Unternehmer in verschiedenen Gremien und Initiativen ehrenamtlich engagiert. Im Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) war er viele Jahre Mitglied des Vorstands und leitete von 2003 bis 2009 den Fachverband Präzisionswerkzeuge. Kress war ebenfalls Vorsitzender der nationalen und internationalen Normenkommission HSK und einer der ersten Preisträger des Deutschen Maschinenbaupreises. Für seine Verdienste und sein Engagement erhielt Dr. Dieter Kress 1996 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 2000 folgte die Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg, 2002 die Große Ehrenplakette in Silber der Stadt Aalen und 2018 Staufermedaille in Gold – eine persönliche und nur sehr selten verliehene Auszeichnung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten.

Seinen 80. Geburtstag feiert Dr. Dieter Kress mit seiner Familie. Die Beschäftigten gratulieren mit selbstgedrehten Videoclips und werden auf ihren ehemaligen Chef gemeinsam anstoßen. Jeder Mitarbeitende bekommt dazu einen Pikkolo, spendiert vom Jubilar. „Mir ist es auch wichtig, dass die Belegschaft mitfeiert“, sagt Kress.

Mir ist es wichtig, dass die Belegschaft mitfeiert.“

Dr. Dieter Kress, Mapal

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