Energie: Die IHK schlägt Alarm

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Die IHK fordert, alle verfügbaren Kraftwerke in Deutschland in Betrieb zu nehmen oder, im Falle der Atommeiler, weiter zu betreiben.
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Nicht nur Haushalten droht der Preisschock: Die IHKn fürchten um Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand und fordern, alle bestehenden Kraftwerke weiter zu betreiben.

Heidenheim.

Die Preise für Strom, Gas und Treibstoff bleiben auf Rekordniveau – in gleichem Maße spitzt sich die Lage in vielen Betrieben zu. „Einige Unternehmen haben noch laufende Verträge zu niedrigeren Preisen, andere sehen sich bereits mit geforderten Preisen konfrontiert, die um den Faktor 10 bis 15 höher sind als bislang“, sagt Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg. Der Dachverband der IHKn, der DIHK, fürchtet daher um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und um den Wohlstand – und hat deshalb eine Resolution beschlossen, die zehn Sofort-Maßnahmen beinhaltet. Dazu gehören der Weiterbetrieb bestehender Kraftwerke, Preisbremsen für Energie sowie Steuersenkungen.

Auch in der Region steigt die Zahl der Betriebe, die nur noch Lieferverträge zu Extrempreisen angeboten bekommen. „Mit bis zu 15-fach höheren Kosten für Energie kann kein Betrieb kalkulieren“, so Rentschler. „Die Unternehmen befinden sich in einem europaweiten und globalen Wettbewerb. Firmen aus dem benachbarten Ausland zahlen deutlich weniger für Energie als die deutschen.“ Die Folge: „Unsere Wirtschaftsstruktur und unser Wohlstand in Deutschland geraten zunehmend in Gefahr – Produktionsstopps, Wertschöpfungsverluste und die Verlagerung von Produktion ins Ausland sind die Folgen“, heißt es in der Resolution der DIHK, dem alle IHKn in Deutschland angehören.

Markus Maier, Präsident der IHK Ostwürttemberg, erklärt: „Jeder Tag, an dem die Energiepreise in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern hoch bleiben, ist eine enorme Belastung für unsere Unternehmen im Wettbewerb.“ Laut Berechnungen der IHK sind die deutschen Strompreise aktuell für die Industrie zehn Mal höher als im benachbarten Frankreich und die Gaspreise mehr als zehn Mal so hoch wie in den USA. DIHK-Präsident Peter Adrian fordert deshalb, die Tragweite der Krise müsse endlich in der Politik ankommen: „Jeden Tag, den die Energiepreise hoch bleiben, müssen mehr Betriebe ihre Tätigkeit zurückfahren, unterbrechen oder sogar ganz einstellen. Damit drohen uns Wohlstandsverluste in bislang unvorstellbarem Ausmaß.“

Rentschler sieht vor allem zwei Hebel, um die Situation zu entschärfen; zum einen müssten sowohl Haushalte als auch Unternehmen so viel Energie sparen wie möglich. Zum anderen müsse die Regierung dafür sorgen, dass wieder mehr Energie produziert wird. „Nur so nehmen wir den Druck von den Märkten“, so der Hauptgeschäftsführer. „Alle verfügbaren Kraftwerke müssen wieder ans Netz, damit sich die irrsinnige Preisbildung auf dem Strommarkt wieder beruhigt.“ Das gelte nicht nur für die Atomkraftwerke, auch Kohle- und Ölkraftwerke müssten weiterbetrieben werden, um die Versorgung mit Strom zu erhöhen und die teuren Gaskraftwerke zu ersetzen. Allein mit Kohle- und Ölkraftwerken könnten in kurzer Zeit 5,5 Gigawatt aus der Netzreserve und 1,9 Gigawatt aus der Versorgungsreserve in den Markt zurückgeholt werden, rechnet der DIHK vor. „Nur wer Energie hat, kann sie nutzen“, erklärt IHK-Präsident Maier. "Energie ist die zentrale Frage für den Industriestandort Deutschland geworden. Wir werden uns gemeinsam und mit aller Kraft gegen negative konjunkturelle wie strukturelle Einwirkungen auf die Region stemmen“

Die zusätzlichen Kapazitäten seien auch notwendig, um die Energiewende voranzutreiben, argumentiert Rentschler. „Ohne Energie können wir weder Windräder noch Solarparks bauen oder das Stromnetz umbauen. Es steht aktuell viel auf dem Spiel“, so der Hauptgeschäftsführer. Die Energiewende sei ein Marathon, jetzt gehe es im Sprint darum, die Energiekrise zu bewältigen.

Dabei helfen sollen laut DIHK-Resolution neben der Nutzung aller Kraftwerkkapazitäten unter anderem eine Preisbremse für die Wirtschaft, die Überführung der Strom- und Gaspreisumlagen in den Bundeshaushalt, die Einführung eines Zuschusses zu Netzentgelten, die Senkung von Strom- und Energiesteuer auf die europäischen Mindestsätze sowie Entlastung bei den CO2-Handelssystemen. 

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