Firmen leiden unter Rohstoffmangel

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Sitz der IHK Ostwürttemberg in Heidenheim.

Bei der jüngsten Sitzung der IHK ist der Rohstoffmangel ein wichtiges Thema. Der verschärft die aktuelle Situation der Firmen, die weiter mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen haben.

Heidenheim.

Die Vollversammlung der Industrie und Handelskammer Ostwürttemberg (IHK) hat sich in ihrer digitalen Sitzung intensiv mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation auseinandergesetzt. Während die Corona bedingten Einschränkungen weniger werden, leidet auch die hiesige Wirtschaft zunehmend unter der derzeitigen Rohstoffknappheit und den damit verbundenen Lieferengpässen.

„Noch immer ist die aktuelle Situation von der Pandemie überlagert. Hier befinden wir uns weiter in einem dynamischen Prozess, die Zeichen auf eine deutliche Besserung der Situation mehren sich jedoch. Bleibt zu hoffen, dass hier bald in der gesamten Region Inzidenzwerte erreicht werden, die weitere Öffnungsschritte ermöglichen“, erklärte IHK-Präsident Markus Maier. Doch auch jenseits von Corona würden sich die politischen Uhren weiterdrehen. Die neue Landesregierung habe mit ihrem Koalitionsvertrag ein umfassendes Arbeitspaket vorgelegt. Über allem stehe der Klimaschutz als die Dominante für die Arbeit der nächsten fünf Jahre. Maier: „Dies zeigt sich nicht nur an der angestrebten klimaneutralen Produktion, sondern auch daran, dass sich sämtliche Förderprogramme einem Klimacheck unterziehen müssen.“ Zudem stünden viele Maßnahmen und Projekte mit Rücksicht auf die Schuldenbremse unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit.

Auf Bundesebene deute sich ebenfalls eine Verschärfung der Vorgaben des Klimaschutzgesetzes an, um bis 2045 die Treibhausgasneutralität zu erreichen. Und auch auf europäischer Ebene stehe die Klimapolitik im Fokus. So seien im Rahmen des „Green Deals“ gesetzliche Regelungen getroffen, denen sehr viele weitere folgen sollen. „Man kann von einem wahren Regelungstsunami sprechen“, so Maier.

Zahl- und umfangreiche Regelungen zur Pandemie prägten auch die Arbeit der IHK im bislang in diesem Jahr. Die telefonischen Beratungen summieren sich auf mittlerweile über 10 000, und die Corona-Sonderseiten auf der IHK-Homepage verzeichnen zwischenzeitlich über 66 000 Besucher, erklärt heuer der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Thorsten Drescher. Für die Soforthilfe hatte die IHK über 12 300 Anträge von Firmen auf Plausibilität geprüft; die Auszahlungsquote liege bei annähernd 100 Prozent.

Rohstoffengpässe treiben Preise

In der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage wurden als Top-Risiken neben der Corona-Pandemie eine schwächelnde Inlandsnachfrage sowie steigende Energie- und Rohstoffpreise genannt. Maier: „Einige Waren sind derzeit kaum verfügbar. Die Gründe hierfür sind vielschichtig.“ Stimmen aus der Vollversammlung sprechen von teils katastrophalen Engpässen in der Versorgung mit Rohstoffen, vor allem bei Holz, Stahl und auch Kunststoffen. Dies würde bereits jetzt trotz voller Auftragsbücher teilweise zu einer Drosselung der Produktion führen. Zudem würden langfristige Lieferverträge gekündigt. Frachtpreise seien erheblich gestiegen; bei Containern, teils um den Faktor zehn. Container könnten auf nicht absehbare Zeit Mangelware bleiben.

Diese Situation zeige, an welchem Nadelöhr sich die Ströme der Lieferketten befinden und welche negativen Auswirkungen für die Exportnation damit verbunden sein können. Letztlich würden sich Rohstoffverknappung und gestiegene Beschaffungskosten nur durch Preissteigerungen gegenüber den Kunden refinanzieren lassen.

Zudem bestehe die Gefahr, dass auch Transportpreise im Güterkraftverkehr weiter steigen könnten. Denn neben dem Mangel an LKW-Fahrern könnten osteuropäische Speditionen die Anzahl ihrer Fahrzeuge in Mitteleuropa weiter einschränken. Ob und wie sich all dies auf eine mögliche Inflation auswirkt, lasse sich kaum prognostizieren.

Einige Waren sind derzeit kaum verfügbar.“

Markus Maier, IHK-Präsident

Start-up-Szene: Schub durch Corona-Krise

Markus Schmid, Leiter Gründung & Unternehmensservice bei der IHK, berichtete über die Start-up Szene Ostwürttemberg, die trotz Pandemie weiter sehr aktiv sei. „Insgesamt 120 Gründungsvorhaben wurden vorangebracht, 70 Start-ups sind unternehmerisch erfolgreich oder entwickeln ihre Geschäftsmodelle weiter“, so Schmid. Viele Start-ups, vor allem im Bereich Digitalisierung oder Nachhaltigkeit, hätten durch Corona sogar einen Schub bekommen.

In der Start-up Region Ostwürttemberg seien 30 Partner, die Gründer fördern, beraten und betreuen. Zudem mache die Start-up Region überregional auf sich aufmerksam, zuletzt als Landessieger beim Wettbewerb „Start-up BW local“. Schmid: „Wir haben ehrgeizige Ziele und wollen die Verzahnung der Start-up-Szene mit den Unternehmen oder dem Netzwerk der Wirtschaftsjunioren weiter vorantreiben.“

Der Verein Start-up Region sucht weitere Verstärkung: Gesucht sind Mentoren für die jungen Gründerinnen und Gründer, Mitglieder bei den Business Angels der Start-up Region Ostwürttemberg oder Unternehmen, die Interesse an einer Kooperation mit Start-ups haben.

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