Firmen stehen zum Standort Ostalb

+
Auch die großen Unternehmen im Ostalbkreis haben mit steigenden Energiepreisen zu kämpfen, sehen sich aber gut aufgestellt.
  • schließen

Trotz steigender Energiepreise haben die größten Unternehmen im Ostalbkreis derzeit keine konkreten Pläne, die bestehende Produktion ins Ausland zu verlagern.

Aalen. Die Energiekrise weckt die Sorge vor einer möglichen Deindustrialisierung des Standorts Deutschlands. Der Hintergrund: Die Energiepreise steigen und schaden der Wettbewerbsfähigkeit der Firmen, die sich einer globalen Konkurrenz erwehren müssen. Fünf der größten Unternehmen im Ostalbkreis haben zwar auf die steigenden Energiepreise reagiert – ein Abbau von Arbeitsplätzen oder die Verlagerung der Produktion sind derzeit nicht geplant.

Der größte Arbeitgeber der Region, der Zeiss-Konzern, geht den entgegengesetzten Weg. Aktuell sind hunderte Stellen in der Region ausgeschrieben, vor allem für die Halbleitersparte, die seit Jahren boomt, sucht Zeiss nach neuen Mitarbeitenden. Ebenso unabhängig von den Energiepreisen sind die Investitionsvorhaben von Zeiss. „Für die kommenden Jahre planen wir am Standort Ostwürttemberg Investitionen von mehr als 250 Millionen Euro allein in Infrastruktur. Wir sehen aktuell keinen Grund unsere laufende Planung zu ändern“, sagt eine Sprecherin.  Die Zahl der 9000 Beschäftigten in Oberkochen und Aalen dürfte weiter steigen.

Bei Bosch Automotive Steering stellt sich die Lage anders dar: Vor einigen Jahren hat der Autozulieferer angekündigt, die Zahl der Beschäftigten am Standort Gmünd bis 2026 von zuvor fast 5000 auf 3000 zu senken. Gleichzeitig hat das Unternehmen in den ungarischen Standort Maklár investiert, um die dortigen Produktionskapazitäten für Lenkungen auszubauen. Sorgen, dass Bosch weitere Unternehmensteile wegen der steigenden Energiepreise nach Ungarn verlagert, müssen sich die Beschäftigten laut Aussage der Firma nicht machen. „Verlagerungen von Gmünd nach Maklár sind aufgrund der Entwicklung der Energiepreise nicht geplant“, teilt eine Sprecherin mit. An weiteren Spekulationen wolle sich das Unternehmen nicht beteiligen. Derzeit gebe es wegen der Energiekrise keine Auswirkungen auf die Produktion. „Maßgeblich dafür ist die vorausschauende Beschaffungsstrategie“, erklärt die Sprecherin. Dennoch analysiere man fortlaufend die Situation: „Wir beobachten weiterhin die Marktentwicklung sowie die gesetzgeberischen Entscheidungen.“ Dazu gehöre es, sich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten und Vorsorge zu treffen, um bei einer Regulierung der Gasversorgung die Belieferung der Kunden sicherzustellen oder Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.

„Die derzeitige Entwicklung der Energiekosten stellt uns als produzierendes Unternehmen zweifellos vor große Herausforderungen“, heißt es beim Präzisionswerkzeughersteller Mapal. Man fange jedoch nicht bei Null an, habe vor Jahren ein „professionelles Energiemanagementsystem“ eingeführt, so eine Sprecherin. Neben Energiesparmaßnahmen hat die Firma eine Task Force gebildet, um im Ernstfall rasch reagieren zu können. „Unsere Spezialisten haben Szenarien simuliert, um die Auswirkungen eines Energiemangels zu analysieren und zu bewerten.“  Derzeit gebe es „keine funktionalen Auswirkungen“ auf die Produktion. „Selbst wenn wir unseren Energiebedarf drosseln müssten, wären wir in der Lage unsere Fertigung aufrecht zu erhalten.“ Sorgen um die Jobs müssen sich die Mapal-Mitarbeitenden wegen der Energiepreise nicht machen „Eine Verlagerung von Produktionsbereichen außerhalb Deutschlands haben wir nicht vorgesehen. Dies wäre auch nicht ohne weiteres möglich, zumal die Fertigungskapazitäten unserer Auslandsstandorte bereits ausgelastet sind“, erläutert die Sprecherin.

Ein Bekenntnis zum Standort Ostalb gibt der Varta-Konzern ab. Die hohen Energiekosten seien zwar ein Standortnachteil, aber: „Varta produziert seine Zellen ausschließlich in Deutschland und das wird auch so bleiben“, sagt ein Konzernsprecher. „Das Einzige, was wir im Ausland machen, ist die Assemblierung von Zellen zu Batteriepacks für Kunden, diese Entscheidung haben wir schon vor langer Zeit getroffen und sie hatte nichts mit den Energiekosten zu tun.“ Dennoch seien zuletzt die Produktionskosten gestiegen, dies müsse man an die Kunden weitergeben. Das habe aber weder Auswirkungen auf die Produktion noch auf die Nachfrage nach den Batterien. Auch die energieintensive Produktion in Dischingen, wo Varta klassische Haushaltsbatterien herstellt, steht nicht zur Disposition. Das Label „Made in Germany“ sei ein wichtiger Teil des Erfolgs. Generell, so der Sprecher, bemühe Varta sich bereits seit einiger Zeit, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren, etwa durch Photovoltaik-Anlagen auf den neuen Gebäuden oder durch den Einsatz hoch effizienter Blockheizkraftwerke.

Bei der Weleda AG, die am Standort Gmünd rund 1000 Menschen beschäftigt, rüstet man sich für den Winter, der in der Energieversorgung Unwägbarkeiten mit sich bringt. „Wir haben die Vorproduktion gestartet und senken den Energieverbrauch so weit wie möglich im Winter“, sagt eine Sprecherin. Etwaige Verlagerungen sind bei der Schweizer AG nicht geplant: „Wir haben keine Pläne oder Überlegungen, die den Produktionsstandort Deutschland in Frage stellen.“

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

Kommentare