Gardena setzt auf Gerstetten

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Der Gardena-Standort in Gerstetten wurde bereits vor kurzem erweitert. Der nächste Ausbau ist nun in Planung.
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Das Ulmer Unternehmen hat für 15 Millionen Euro die Fabrik auf der Alb erweitert. Nun könnte der nächste Ausbauschritt folgen. Die Gründe für den Erfolg eines ungewöhnlichen Standorts.

Gerstetten

Eigentlich ist die Rechnung vieler Firmen simpel: Einfache Teile, vor allem aus Kunststoff, werden meist nur noch im Ausland gefertigt. Dort sind Arbeitskräfte billiger, die Stromkosten niedriger. Der Gartengerätehersteller Gardena geht den umgekehrten Weg und stellt seine Gartenspritzen, Schlauchtrommeln oder Brausen in Deutschland her. Vier Standorte betreibt er im Großraum Ulm, darunter auch jenen in der Region, in Gerstetten auf der Schwäbischen Alb.

Am Standort werden Spritzgießteile aus Kunststoff hergestellt, wie sie in fast allen Produkten von Gardena in den charakteristischen Farben Türkis, Orange und Grau vorkommen. Die kleinsten Komponenten wiegen gerade mal zwei Gramm, es werden zudem größere Teile gefertigt, wie zum Beispiel die Trommeln von Schlauchwagen - entsprechend komplex und modern ist der Maschinenpark.

Das ist ein Grund, warum der Standort auch im globalen Vergleich wettbewerbsfähig ist. „Wir haben in Gerstetten-Heuchlingen eine hoch automatisierte Fertigung“, erklärt Werkleiter Michael Kieser. Die Automation konzentriere sich vor allem auf nicht wertschöpfende Tätigkeiten, wie den Materialfluss. „Dadurch fallen nicht etwa Arbeitsplätze weg, sondern Tätigkeiten, die dem Produkt keinen Mehrwert bringen“, sagt er. Die höheren Lohnkosten gleicht der Standort durch geringere Transportkosten aus. Das Resultat: „Wir sind schneller als der Wettbewerb und in Summe nicht teurer.“

Rund 15 Millionen Euro hat Gardena, das zur schwedischen Husqvarna-Gruppe gehört, am Standort investiert und seine Kapazität erhöht. Innerhalb von zwei Jahren Bauzeit sind 5000 Quadratmeter zusätzliche Produktionsfläche, neue Maschinen und Automatisierung sowie eine neue Kantine entstanden. „Für mich ist dies ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland und natürlich zum Standort Heuchlingen“, erklärt Kieser. „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir die aufgrund des Wachstums erforderlichen neuen Kapazitäten hier bei uns abbilden dürfen.“ Die neue Halle biete dem Standort viele Möglichkeiten, die Materialflüsse und damit die Effizienz noch weiter zu steigern. Mit der Vergrößerung soll die Zahl der Mitarbeiter steigen, derzeit beschäftigt das Unternehmen hier rund 300 Menschen – noch, denn die Zeichen stehen auf weiteres Wachstum.

Wie das Unternehmen nun mitteilt, prüfe man „unter anderem einen erheblichen Ausbau“ des Standorts. Die Ulmer planen einen „integrierten Produktions- und Logistikstandort vor allem für Produkte zur Gartenbewässerung“. Noch laufen die Planungen, sie seien in einem sehr frühen Stadium. Details könne man noch nicht nennen. „Wir stehen noch ganz am Anfang eines langen Prozesses“, sagt Kieser. „Dennoch freuen wir uns, dass wir bereits heute einen konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten beginnen und diese in unsere Planungen frühzeitig einbeziehen können. Letztlich könnte das Vorhaben zur Stärkung der Ostalb, aus der ich selber stamme, als Wirtschaftsstandort beitragen.“

Derzeit werden in dem modernen Fertigungsbetrieb jährlich rund 13 500 Tonnen Kunststoff im Spritzgießverfahren verarbeitet und die Produkte teilweise zu fertigen Baugruppen montiert, zum Beispiel für die bekannten Schlauchkupplungen oder Gartenbrausen. Mit der Erweiterung soll die Kapazität um zehn Prozent erhöht werden und für die Zukunft weiteres Wachstumspotenzial bieten, so Gardena. „Ohne die Erweiterung könnten wir die weiterhin steigende Nachfrage nicht mehr bedienen“, sagt Kieser.

Neben der Fabrik in Heuchlingen betreibt Gardena in Ulm und Niederstotzingen Produktionsstandorte, in Laichingen zusätzlich ein großes Logistikzentrum. Heuchlingen kommt dabei eine wichtige Rolle zu: „Wir sind der größte Lieferant für Komponenten für die eigenen Werke in Niederstotzingen und Ulm“, betont Kieser. Insgesamt beschäftigen Gardena und Husqvarna an diesen Niederlassungen sowie im Außendienst mehr als 2100 Mitarbeiter. Nicht nur in Heuchlingen hat Gardena investiert: So hat die Firma gemeinsam mit dem Logistikpartner Honold in Neu-Ulm zusätzliche Kapazitäten in Form eines neuen Lagers für Produktions- und Distributionslogistik mit einer Fläche von 20 000 Quadratmetern in Betrieb genommen, in Niederstotzingen wurde das eigene Ausbildungszentrum modernisiert.

Wir sind schneller als der Wettbewerb.“

Michael Kieser, Werkleiter Gardena

Der Gardena-Standort in Gerstetten-Heuchlingen

Seit 1968 hatte die Firma Wara-Plast mit 20 Mitarbeitern im Turbinenhaus des ehemaligen Dieselkraftwerks in im Gerstettener Ortsteil Heuchlingen Kunststoffteile für Gardena produziert. Ab 1970 hatte sich Gardena an dem Zulieferer beteiligt und diesen später übernommen. „Der Standort war das erste produzierende Werk. Infolge wurde das Werk ausgebaut und in die neuesten Technologien investiert. Heute gehört es zu den modernsten kunststoffverarbeitenden Betrieben Deutschlands. Mit der aktuellen Investition bleibt dieser Standort weiterhin international wettbewerbsfähig“, sagt Wolfgang Engelhardt, verantwortlich für die Produktionsstätten von Gardena.

Michael Kieser leitet das Gardena-Werk in Gerstetten.

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