Neustart von JSO in Neresheim

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Werkzeuge von JSO kommen schon längst nicht nur in der Holzbearbeitung zum Einsatz.
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Im kommenden Jahr wird das Unternehmen mit Sitz in Neresheim-Elchingen 140 Jahre alt. Mit neuen Gesellschaftern und zahlreichen Investitionen will JSO sich für die Zukunft aufstellen.

Neresheim

Das vergangene Jahr war ein wechselvolles für das Traditionsunternehmen Jakob Schmid GmbH + Co. KG, besser bekannt als JSO. „Die Corona-Krise hat uns spürbar getroffen“, erklärt Geschäftsführer Karsten Rix. Und doch war 2020 aus einem anderem Grund Zäsur wie Meilenstein zugleich, denn für das Unternehmen, das Fräs- und Bohrwerkzeuge entwickelt und produziert, hat eine neue Zeitrechnung begonnen.

Die bisherigen neun Gesellschafter der Familie machten den Weg frei und verkauften ihre Anteile Unternehmen aus der Branche. Die gaben zusammen mit Rix sofort eine neue Marschrichtung aus. Rund eine Million Euro hat JSO in neue, moderne Maschinen am Stammsitz in Neresheim-Elchingen unter den neuen Inhabern investiert, weitere Maschinenanschaffungen sind in Planung. „Dadurch können wir die Produktion effizienter aufstellen, um den zunehmenden Kostendruck in der Branche standzuhalten“, sagt Frank Hailer, Leiter Produktion und Einkauf. Die Investitionen zeigen Wirkung. „Wir sind schon wieder auf dem Niveau des Jahres 2019“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Martin Hübenthal und gibt eine klare Richtung vor: „Wir wollen weiterwachsen.“

Nicht nur deshalb rollen am Elchinger Standort bald die Bagger. „Wir werden voraussichtlich noch in diesem Jahr mit dem Bau eines neuen Bürogebäudes beginnen“, erklärt Vertriebs- und Marketingleiter Julian Niederer, einer der neuen Köpfe, die für den Neustart zu JSO geholt wurde. Damit realisiert das Unternehmen jene Pläne, die seit Jahren in der Schublade lagen.

2015 hatte das Unternehmen den Stammsitz in Oberkochen geschlossen und war nach Elchingen gezogen, wo bereits die Produktion beheimatet war. Seit der Firmenübernahme ist der Sitz in Elchingen. Indes: Die Neubaupläne wurden bislang nicht realisiert, stattdessen war die Verwaltung „als Übergangslösung“ in Containern untergebracht. Das ist bald Geschichte, der Baugenehmigung steht nichts im Wege, im Herbst ist der Spatenstich geplant, der Bezug im kommenden Jahr. Am neuen Standort sollen nicht nur neue Büros, sondern ein Showroom, ähnlich einem Campus, entstehen, in dem Kunden die Werkzeuge der Elchinger unter die Lupe nehmen können. Hierbei soll bald ein neues CNC-Bearbeitungszentrum zur Verfügung stehen, das unter anderem für die Produktentwicklung und für Schulungszwecke genutzt wird.

JSO entwickelt und produziert CNC- und Schaftwerkzeuge für den Profibereich. Diese kommen weltweit bei Kunden, von klassischen Schreinereien bis zur industriellen Möbelfertigung, zum Einsatz. Unter anderem wurde in der Hamburger Elbphilharmonie die spezielle Deckenverkleidung („weiße Haut“) des großen Saales für die besondere Akustik mit den Fräsern aus Elchingen gefertigt. „Mit unseren Werkzeugen werden auch Kunststoffe sowie Composite, also Verbundwerkstoffe bearbeitet“, erklärt Markus Preininger, technischer Leiter. So setzen auch Automobil- oder Flugzeugzulieferer auf Qualität vom Härtsfeld. „Um sicherzustellen, dass wir zu den Innovationstreibern der Branche gehören, beteiligen wir uns an Forschungsprojekten, etwa in Verbindung mit dem Fraunhofer Institut“, so Hübenthal. Niederer hat vor allem zwei Wachstumsfelder ausgemacht.

Zum einen kommt der Großteil der Kunden aus Deutschland. „Da dieser Markt weitgehend bedient ist, wollen wir international stärker wachsen.“ JSO hat dabei die skandinavischen und osteuropäischen Märkte im Blick, in denen viele Möbelbauer ihre Produkte fertigen. Zum anderen will das Unternehmen außerhalb der traditionellen Holzbranche weitere Branchen erschließen und das Engagement im Flugzeug- sowie Automobilsektor weiter ausbauen. „Auch wenn sich die Flugzeugbranche noch nicht so erholt hat, wie erhofft, sehen wir hier Potenzial“, erläutert Niederer. „In der Automobilbranche ergeben sich durch die Elektrifizierung neue Anwendungsmöglichkeiten.“ Dabei will JSO mit der eigenen Konstruktion und Entwicklung punkten. 40 Prozent der hergestellten Werkzeuge sind Maßanfertigungen, 60 Prozent Serienprodukte. Zuletzt lag der Jahresumsatz bei neun Millionen Euro.

Mit Neubau und Wachstum einhergehen soll auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 75 Menschen, bildet selbst aus und bezahlt seine Mitarbeitenden – nicht selbstverständlich für einen Betrieb dieser Größe – nach dem Tarif der IG Metall. „Das hat Tradition“, sagt Werner Scherer, Produktionsleiter und langjähriger Mitarbeiter. Wie das Unternehmen: Im kommenden Jahr wird die 1882 gegründete Firma 140 Jahre alt. Dank des gelungenen Neustarts geht der Blick aber in Richtung Zukunft.

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