Ostalb-Technik fliegt Richtung Jupiter

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Im Rahmen der ESA-Mission „JUICE“ wird das GALA-Höhenmess-Instrument mit zu drei Jupiter-Monden fliegen.
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Hensoldt hat ein Laser-Höhen-Messgerät entwickelt, das unter anderem den Jupitermond Ganymed vermessen soll. Die Innovation wurde nun in Stuttgart ausgezeichnet.

Oberkochen

Größer als Merkur, knapp 628 Millionen Kilometer von der Erde entfernt – und dank Temperaturen von deutlich unter minus 120 Grad Celsius komplett vereist: der Jupitermond Ganymed ist eines der Ziele der JUICE-Mission der europäischen Weltraumorganisation ESA. JUICE steht dabei für Jupiter Icy Moons Explorer (zu deutsch: Jupiter-Eismond-Erkunder). 2022 soll die Sonde starten, rund sieben Jahre später ihr Ziel tief in unserem Sonnensystem erreichen und komplett neue Erkenntnisse über den Jupiter gewinnen. Weitere Missionsziele sind die Monde Europa und Kallisto. Mit dabei ist Technik von der Ostalb. Denn Hensoldt Optronics aus Oberkochen hat für die Sonde das Laser-Höhenmessgerät „GALA“ (Ganymede Laser Altimeter) entwickelt.

Nun wurde die technische Innovation mit dem renommierten Lothar-Späth-Award 2021 ausgezeichnet. Hensoldt erreichte den dritten Platz. Der Wirtschaftspreis der gleichnamigen Stiftung wird für bahnbrechende Innovationen aus den Bundesländern Baden-Württemberg und Thüringen vergeben. Für Hensoldt nahm Kai Weidlich als GALA-Programm-Manager den Preis in der Zentrale der Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart entgegen. Weiter wurden Henry Wegert (System-Ingenieur), und Boris Trefzger (Struktur-Analyst) ausgezeichnet. Ebenfalls prämiert wurde der Forschungspartner von Hensoldt, das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena.

Bereits seit fünf Jahren arbeiten das Oberkochener Unternehmen, das zur Hensoldt AG gehört, und das Fraunhofer-Institut zusammen. Ausgehend von dieser Expertise wurde für das Ganymed Laser Altimeter (GALA) ein optisches Empfangs-Teleskop entwickelt. GALA hält extremen Umweltanforderungen stand, seien es Temperaturwechsel, hohe Temperaturgradienten, Ultrahochvakuum und extreme kosmische Strahlungsbelastung. „GALA“ ist eines von elf wissenschaftlichen Instrumenten der ESA-Mission.

Besonderes Interesse gilt dem Mond Ganymed, welcher aufgrund Atmosphäre, Magnetfeld und dem Wasservorkommen der Erde ähnelt. Das Laser-Höhenmessgerät soll die Oberflächen-Topografie des Jupiter-Mondes mit einer Auflösung von rund 15 Zentimetern vermessen. Dazu benötigt es eine hochpräzise Laser-Empfangs-Einheit, die vom Fraunhofer IOF gemeinsam mit Hensoldt Optronics entwickelt wurde und die in der Lage ist, Laserpulse aufzufangen, die von der 500 km entfernten Mondoberfläche zum Satelliten zurückgestreut werden.

Diese technische Meisterleistung war der Jury des Lothar-Späth-Awards eine Auszeichnung wert. Mit dem Preis sollen „kooperativ entstandene, herausragende Innovationen bei Produkten, Verfahren und Dienstleistungen in Baden-Württemberg und Thüringen“ prämiert werden.

  • Die JUICE-Mission der ESA
  • Jupiter ist der größte Planet unseres Sonnensystems. Der Gasriese wird von mehr als 60 Monden umkreist. Um diese unbekannten Welten zu erkunden, bereitet die ESA seit 2012 die JUICE-Mission vor. Die Raumsonde soll im Juni 2022 vom ESA-Weltraumbahnhof Kourou starten und 2029 am Jupiter ankommen. Die Robotersonde wird drei Jahre lang den Gasriesen und drei seiner größten Monde erkunden: Ganymed, Kallisto und Europa.
  • Forscher gehen davon aus, dass sich unter den massiven Eisoberflächen der Monde Ozeane aus Wasser verbergen. JUICE soll mehr Informationen über diese mutmaßlichen Ozeane gewinnen, unterirdische Wasservorkommen aufspüren, die Oberflächen der Monde kartieren und bis tief in den Kern hinein untersuchen, woraus die Monde bestehen.
  • Ebenfalls im Fokus sind die die sehr dünnen Atmosphären (genannt Exosphären) der Monde. Darüber hinaus soll JUICE die Magnetfelder von Ganymed und Jupiter erforschen, um herauszufinden, wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Forscher gehen zudem davon aus, dass Ganymed der einzige Mond in unserem Sonnensystem ist, der ein eigenes Magnetfeld hat.
  • Eine besondere Rolle spielen die Instrumente der Sonde, wie das GALA von Hensoldt. Bereits 2013, ein Jahr nachdem die Mission angekündigt worden war, erklärte Alvaro Giménez Cañete, Direktor der ESA für Wissenschaft und robotische Exploration: „Die Auswahl der Instrumente für die JUICE-Sonde ist ein entscheidender Meilenstein für die erste ESA-Mission ins äußere Sonnensystem. Dies ist eine beispiellose Gelegenheit, der Welt Europas führende technologische und wissenschaftliche Kompetenz zu demonstrieren.“
Von links: Laudator Prof. Dr. Walter Rosenthal (Präsident der Universität Jena) übergibt den dritten Preis des Lothar-Späth-Awards an Kai Weidlich, Stefan Risse, Henry Wegert und Henrik von Lukowicz. HENSOLDT Optronics und das Fraunhofer-Institut IOF erh

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