Standort Waldstetten: Neues Rathaus soll Ortsmitte weiter aufwerten

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Ortskern Waldstetten. Foto: Jan-Philipp Strobel
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Waldstetten ist seit Jahrzehnten eine der beliebtesten Wohngemeinden der Region. Die Ortsmitte bekommt in den kommenden Jahren ein neues Gesicht. Die Firmen am Standort haben sich zuletzt gut entwickelt.

Waldstetten

Zweimal wurde der Bau des neuen Rathauses in Waldstetten bereits verschoben, in diesem Januar sollen nun endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden: Das Baugesuch liegt bereits dem Landratsamt vor, Ende Januar soll der Gemeinderat den Baubeschluss fassen und im September könnten dann die Bauarbeiten losgehen. „Das neue Rathaus soll nicht nur der neue, moderne Sitz der Verwaltung werden, sondern ein echtes Bürgerhaus“, unterstreicht Waldstettens Bürgermeister Michael Rembold im Gespräch mit Wirtschaft Regional. Der Sitzungssaal soll nicht nur dem Gemeinderat vorbehalten sein, sondern sei auf offen für die Bürger, etwa für die Vereine oder für private Feiern.

Der Grund für die zweimalige Verschiebung des Neubaus: Waldstetten setzt Prioritäten und Schwerpunkte. „Beim ersten Mal haben wir zugunsten des Ausbaus der Schulinfrastruktur die Investition ins Rathaus verschoben“, erklärt Rembold. Beim zweiten Anlauf 2020 kamen Corona und die ungewissen Folgen der Pandemie dazwischen. Nun dürfte also der Weg frei sein: Rund 11,8 Millionen Euro soll das Gebäude selbst kosten, rund 1,6 Millionen Euro kommen durch neue Außenanlagen hinzu. „Die Aufenthaltsqualität in der Ortsmitte wird durch den Neubau deutlich steigen“, sagt Rembold. Dazu beitragen soll auch eine Tiefgarage und neue Haltestellen für den ÖPNV. „Mit der Investition stärken und kräftigen wir unsere Ortsmitte.“ Auf die Innenentwicklung legen die Waldstetter seit jeher besonderen Wert. Da trifft es sich gut, dass direkt gegenüber dem neuen Rathaus derzeit die Essinger Wohnbau an einem besonderen Projekt mit Namen „Neue Mitte“ arbeitet.

27 Einheiten, von der Ein-Zimmer-Wohnung bis zum Penthouse sollen entstehen, im Erdgeschoss wird dann die KSK Ostalb ihre neue, alte Geschäftsstelle wiedereröffnen. „Zentraler geht es nicht. Ein hochinteressanter Standort“, sagte Horst Enßlin, Geschäftsführer des Bauträgers beim Spatenstich vor einigen Monaten. 2024 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein. „Uns freut besonders, dass die KSK Ostalb zum Standort Waldstetten steht und mit einer neuen, modernen Geschäftsstelle unsere Ortsmitte ebenfalls weiter aufwerten wird“, erklärt Rembold.

Um die dynamische Entwicklung des Kernorts wird Waldstetten vielerorts beneidet, allerdings steckt auch harte Arbeit dahinter. „Bereits seit 30 Jahren legen wir Wert darauf, bestehende Gebäude, oft älteren Baujahres zu revitalisieren und Wohnraum zu schaffen“, so Rembold. So seien allein in den vergangenen zehn Jahren nahe der Ortsmitte in Zusammenarbeit mit verschiedenen Bauträgern rund 150 Geschosswohnungen geschaffen worden. Dabei handele es sich um Wohnanlagen, die von mehreren Generationen genutzt werden könnten. „Diese Mischung von Jung und Alt wollen wir fortschreiben.“

Ein weiterer Schwerpunkt in den vergangenen zehn Jahren lag auf dem Ausbau der Schulinfrastruktur und der Kinderbetreuung. Alleine in die Sanierung und den Ausbau der Gemeinschaftsschule Unterm Hohenrechberg wurden 12,5 Millionen Euro investiert, etwa in neue Klassenzimmer und Fachräume sowie die Digitalisierung. Die Schule bietet zudem eine Inklusivbetreuung an. Im Frühjahr sollen die Bauarbeiten fertig sein, die offizielle Einweihung soll dann am 21. Juli folgen.

Parallel dazu wurden die Bauarbeiten für einen neuen zweigruppigen Kindergarten abgeschlossen. In einer Rekordzeit von gerade mal zehn Monaten ist der Bau fertiggestellt worden, rund 2,2 Millionen Euro wurden investiert. „In Waldstetten sind alle Kinder gut untergebacht. Wir können alle Wünsche erfüllen.“ Eine durchgängige Ganztagsbetreuung sei angesichts des Fachkräftemangels derzeit allerdings nicht möglich. Investiert hat die Gemeinde auch kräftig in die Sicherheit und den Katastrophenschutz. Rund 1,1 Millionen Euro flossen in den Neubau des Feuerwehrhauses in Wißgoldingen, das 2022 eröffnet wurde. Auch die Wehr in Waldstetten erhält wie ihr Pendant in Wißgoldingen in den kommenden Jahren neue Fahrzeuge. Zudem werde in die Digitalisierung investiert, betont Rembold.

Traditionell engagiert sich Waldstetten stark im Breitbandausbau. Bereits im Jahr 2011 wurden die Gewerbegebiete ans schnelle Glasfasernetz angeschlossen. „Wir gehörten damals zu den ersten Antragstellern auf eine Förderung“, erinnert sich der Bürgermeister. „Und der Breitbandausbau blieb und bleibt ein wichtiger Schwerpunkt.“ Ebenfalls früh wurden die Schulen per Glasfaser angebunden. In Sichtweite ist das schnelle Internet auch in Wißgoldingen.

Die Gemeinde merzt hier die sogenannten „weißen Flecken“ aus, also jene Gebiete, in denen eine Internetgeschwindigkeit von weniger als 30 Mbit/s im Download zur Verfügung steht. In mehreren Bauabschnitten geht es zunächst um die Hauptachsen im Ort. Dafür wird die mit dem Backbone-Ausbau des Landkreises 2018 bis nach Tannweiler verlegte Glasfaserleitung genutzt. Das kostet rund vier Millionen Euro, dank der engagierten Förderstrategie der Waldstetter übernehmen Bund und Land rund 90 Prozent der Kosten. Vom Breitband-Förderstopp des Bundes ist die Kommune nicht betroffen. „Wir haben unsere Anträge rechtzeitig eingereicht.“

Zwei davon wurden von Bund bzw. Land auch im Rahmen des „Graue-Flecken-Programms“, mit dem Gebiete mit weniger als 100 Mbit/s im Download per Glasfaser erschlossen werden, positiv beschieden. Mit rund sechs Millionen Euro fördern Land und Bund den rund 6,7 Millionen Euro teuren Ausbau von unterversorgten Gebieten in Waldstetten und in nahezu sämtlichen Ortsstraßen in Wißgoldingen. Derzeit steht die Suche nach einem Ingenieurbüro an, in spätestens zwei Jahren soll dann in den betroffenen Gebieten glasfaserschnell im Netz gesurft werden können.

Voran geht es auch auf dem Löwen-Areal in Wißgoldingen. Auf dem Gelände gegenüber der Kirche St. Johannes Baptist ist auf 1600 Quadratmetern ein Wohnprojekt mit Quartiersangeboten geplant. Bis zum Bewerbungsschluss am 15. November haben sich bereits zwölf Kaufinteressierte für eine der geplanten Wohnungen gemeldet. Ob am Ende ein Bauträger oder eine privaten Bauherrengemeinschaft den Zuschlag bekommt, steht noch nicht fest, auch wenn Rembold die Vorzüge einer privaten Baugruppe zu schätzen weiß.

Dass Waldstetten so viel Wert auf die Entwicklung der Ortsmitte(n) legt, hat auch einen pragmatischen Grund: Die Nachfrage nach Wohnraum ist groß, das Potenzial an neuen Flächen für Wohngebiete allerdings eher überschaubar. Zwar bemühe man sich, regelmäßig entsprechende Areale auszuweisen, zuletzt in Wißgoldingen und Weilerstoffel und mittelfristig auch in Waldstetten, allerdings verweist Rembold auf die derzeit laufende Regionalplanung und die Fortschreibung des Flächennutzungsplans. „Landespolitisch lautet die klare Prämisse, weniger Flächen zu bebauen. Die Prozesse laufen derzeit, allerdings ist es für Bürgermeister schwer, an neue Flächen zu kommen“, sagt er. Eine Konsequenz: Gewerbeflächen hat man in Waldstetten derzeit überhaupt keine im Angebot.

Die bestehenden werden von den einheimischen Firmen derzeit erfolgreich genutzt. Größter Arbeitgeber ist der Küchenhersteller Leicht, der seinen Stammsitz in Waldstetten hat. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die PTS-Gruppe, die erst im Jahr 2021 den Standort in Waldstetten um eine neue Lagerhalle erweitert hat. Investiert hat PTS auch kräftig in neue Photovoltaikanlagen an den Standorten. „Wir steigern an allen Standorten, an denen wir PV-Strom erzeugen, die Kapazität um 70 Prozent. PTS-Prüftechnik versteht unter „Green Testing“ zum einen verantwortungsvoll und umweltbewusst zu denken und zu handeln und andererseits smarte und flexible Konzepte sowie hochinnovative Technologien in der Entwicklung und Erprobung konventioneller und alternativer Antriebskonzepte einzusetzen“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Walter Schwelberger. Ebenfalls vertreten unterm Stuifen ist der Kärcher-Konzern, dessen Tochterfirma Ringler in Waldstetten einen Standort betreibt.

Michael Rembold, Bürgermeister von Waldstetten.

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