Start-up: Josefine Grath zeigt Haltung

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Josefine Grath
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Die Social-Media-Beauftragte der IHK Ostwürttemberg hat Heidenheims größtes Yogastudio gegründet.

Heidenheim

Was ist Yoga? Ist es vielleicht ein Weg, ein Prozess? Wenn ja, dann hat sich Josefine Grath auf diesen Weg gemacht. Die hauptberufliche Social Media-Beauftragte in der Kommunikationsabteilung der IHK Ostwürttemberg hat 2018 mit „Happy Place Yoga“ Heidenheims größtes Yogastudio gegründet. „Dabei wollte ich eigentlich nie Gründerin werden“, erzählt die 30-Jährige. Jetzt unterrichten sie und eine Mitstreiterin nahezu täglich Schülerinnen und Schüler - nach einer pandemiebedingten Durststrecke auch wieder in Präsenz.

So ganz fremd ist Josefine Grath das Thema Gründen nicht. Als Kind spielte sie in der Bäckerei ihres Großvaters - heute als "Körnlesbeck" bekannt - ihr Vater betreibt in Heidenheim ein Immobilienbüro. Im Marketing der IHK hat sie ständig mit jungen Unternehmen und Start-ups zu tun.

Zum Yoga hat Josefine Grath vor knapp zehn Jahren gefunden, als sie zeitweise in Australien lebte. Sie wollte etwas für ihre Gesundheit tun, für andere Sportarten war es zu heiß. Also Yoga. Aber was heißt schon Sport. Sie entdeckte, dass Yoga viel mehr ist, setzte sich spirituell mit der zugehörigen Philosophie auseinander, lernte und übte. „Es heißt, dass die Asanas, also die Körperstellungen, ursprünglich nur Sitzhaltungen für die Meditation waren“, sagt die Lehrerin. Also: Zuerst der Geist, dann der Körper. Der westliche Zugang zur Yoga-Praxis aber verläuft oft umgekehrt - und das ist auch der Weg von Josefine Grath und ihren Kursen: „Bewegung ist die Einstiegsdroge“. Wer die anatomisch korrekte und gesunde körperliche Praxis erlernt hat, entdeckt die spirituelle Dimension. "Wie bei einem Eisberg sieht man, dass da noch einiges unter der Oberfläche schlummert", sagt Josefine Grath, die nach dem Abitur Literaturwissenschaft studierte, ehe sie ins Marketing ging.

Zur freiberuflichen Yogalehrerin wurde sie im Frühjahr 2018 durch ihre Freundin Judith Meinert, die damals das Café Walden auf dem Heidenheimer Talhof betrieb. Ob sie im Café nicht privat Kurse für das Team vom Talhof anbieten könnte? Josefine Grath sagte ja und machte den Freitagskurs auch in ihrem Facebook-Freundeskreis publik. 35 Interessierte meldeten sich, aus einem Kurs wurden zwei.

Mit einem 200-stündigen Seminar in Südfrankreich holte sich Josefine Grath im Herbst 2018 dann auch das offizielle Zertifikat als Yogalehrerin. "Seither bilde ich mich ständig weiter, besuche fast monatlich neue Kurse, vor allem in den Bereichen Gesundheit, Bewegung und anatomische Prinzipien", verrät sie.

Das Thema Gesundheitsprävention ist ihr wichtig. Wer Yoga jedoch auf Fitness reduziere, liege genauso falsch wie diejenigen, die "Angst vor Räucherstäbchen und Mantrasingen" hätten. Pfunde loswerden, den Spagat erlernen: "Das sind alles Ziele, die im Ego verankert sind", meint Josefine Grath. Die widersprechen ihrem Verständnis der Yoga-Philosophie: "Wir wollen das Ego beiseitelegen, in uns reinschauen, freundlich mit uns umgehen. Wer das nicht möchte, sollte zur Bauch-Beine-Po-Gymnastik gehen.“

Nach der Ausbildung weitete Josefine Grath die Kurse aus und verlegte sie im Mai 2019 ins geräumige Tanzwerk Heidenheim. Weil zusätzlich Vorbereitung, Buchhaltung und Marketing eine Menge Zeit kosteten, reduzierte sie ihre Arbeitszeit bei der IHK erst auf 75, später auf 50 Prozent.

Dann kam Corona: "ein Riesendämpfer". Josefine Grath machte trotz Lockdown weiter, arbeitete Youtube-Videos aus, bot Onlinekurse per Videokonferenz an, steckte noch mehr Energie ins Marketing. Die Online-Kurse wurden angenommen, aber immer wieder stellten sich "Wellen der Onlinemüdigkeit" ein. Bei den Kursteilnehmerinnen - 95 Prozent sind Frauen - aber auch bei Grath selbst: "Wir geben soviel Energie in den Bildschirm rein, aber spüren nicht wie bei einem Präsenzkurs, wie sich die Energie im Raum verändert." Diese Energie hängt auch davon ab, wie der Kurs angelegt ist: dynamisch fließend, langsam entschleunigend oder mit Fokus auf der Atmung.

Nun sind mit 3G- und Hygienekonzept immer mehr Kurse in Präsenz möglich: Es geht voran und Josefine Grath hat Pläne für die Zukunft. Vielleicht, so schwebt ihr vor, unterrichtet sie künftig als Teil eines Yogalehrer-Kollektivs. Gemeinschaftliches Wirtschaften – so wie in der Familienbäckerei ihres Opas kennengelernt hat.

In unserer Serie Up geht's stellen wir Gründerinnen und Gründer aus der Region vor.

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