Unsicherheiten belasten das Handwerk

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Im Ostalbkreis beurteilen 67 Prozent der Handwerks-Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut.

Positive Geschäftslage im zweiten Quartal – Geschäftserwartungen im Gebiet der Handwerkskammer für weiteren Jahresverlauf gedämpft

Ulm.

Trotz zunehmender konjunktureller Risiken ist die Wirtschaftslage der Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee im zweiten Quartal 2022 positiv gewesen. Das zeigen die aktuellen Daten der regelmäßigen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Ulm. Knapp drei von vier Handwerksbetrieben (73 Prozent) beschreiben ihre Geschäftslage als gut. Von einem schlechten Geschäftsverlauf für die Monate April bis Juni sprechen nur 7 Prozent. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren 63 Prozent mit ihrer Geschäftslage zufrieden und rund 15 Prozent unzufrieden.

„Auch wenn die Lage gut ist: Die Stimmung im regionalen Handwerk hat sich dennoch eingetrübt. Massive Preissteigerungen, Materialknappheit und Lieferengpässe bremsen die Geschäftsentwicklung vieler Betriebe und verbreiten Unsicherheit“, so Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und die steigenden Energiekosten verschärfen die Situation in vielen Handwerksbetrieben zusätzlich. Diese Belastungen schwächen auch die Geschäftserwartungen ab: Von einer Verbesserung der Geschäftslage gehen aktuell 14 Prozent (Vorjahr: 33 Prozent) der Befragten aus. 74 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung. Rund 12 Prozent der befragten Betriebe befürchten hingegen, dass sich die Lage verschlechtern wird (Vorjahr: 6 Prozent).

Die Auftragslage in den regionalen Handwerksbetrieben konnte nicht mehr an die guten Zahlen aus dem Vorjahresquartal anknüpfen. Rund 38 Prozent berichten von einem gestiegenen Auftragsvolumen in den Monaten April bis Juni (Vorjahr: 46 Prozent), gut jeder fünfte der Befragten (Vorjahr: 11 Prozent) musste Auftragsrückgänge verkraften. Die Betriebe blicken weitgehend zurückhaltend in das dritte Quartal 2022: Demnach befürchten 21 Prozent der Handwerkerinnen und Handwerker demnächst Auftragseinbußen (Vorjahr: 16 Prozent). Ein Auftragsplus für die Monate Juli, August und September erwarten hingegen knapp 23 Prozent (Vorjahr: 36 Prozent).

Im zweiten Quartal hatten die Handwerksbetriebe in der Region eine gute Auslastung: Fast jeder vierte Betrieb (24 Prozent) ist über seine Kapazitätsgrenzen hinaus ausgelastet (Vorjahr: 17 Prozent). Knapp 39 Prozent der Betriebe sind nahezu voll ausgelastet (Vorjahr: 38 Prozent). Lediglich knapp 12 Prozent haben noch Kapazitätsfreiräume, im Vorjahresquartal waren es noch knapp 25 Prozent. Die Beschäftigungszahl ist im regionalen Handwerk leicht angestiegen. So haben gut 12 Prozent der Befragten in den vergangenen drei Monaten zusätzliches Personal eingestellt, während rund 10 Prozent von einem Personalrückgang berichten. Auch in den kommenden Monaten möchten die Betriebe weiterhin qualifizierte Fachkräfte einstellen. „Trotz aller derzeitigen Herausforderungen ist in unseren Betrieben der Bedarf an qualifizierten Fachkräften hoch“, sagt Mehlich. Rund 15 Prozent planen ihr Personal aufzustocken, während etwa 8 Prozent damit rechnen, dass sich ihre Belegschaft verkleinern wird. 

Konjunktursituation im Ostalbkreis

Im Ostalbkreis beurteilen 67 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut, eine schlechte Geschäftslage geben 9 Prozent an. 15 Prozent der Befragten rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage in den nächsten Wochen, 22 Prozent mit einer Verschlechterung. 58 Prozent der Betriebe haben eine aktuelle Auslastung von 80 Prozent oder höher. 74 Prozent wollen ihre Beschäftigtenanzahl halten, weitere 20 Prozent planen zusätzliches Personal einzustellen – ein gutes Zeichen für junge Menschen, die eine Ausbildung starten möchten. „Jugendliche, die sich für ein Handwerk interessieren, finden in den Betrieben unserer Region einen Ausbildungsplatz – es ist für jeden etwas Passendes dabei. Ein Praktikum in den Sommerferien ist ein guter Einstieg, um die verschiedenen Berufe besser kennenzulernen und herauszufinden, ob eine Ausbildung passt“, sagt Katja Maier, Vizepräsidentin der Handwerkskammer Ulm und Kreishandwerksmeisterin im Ostalbkreis.

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