Widmann baut zwei neue Autohäuser

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So soll das neue Autohaus von Widmann in Künzelsau nach Fertigstellung aussehen.
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Mitten in die Krise des Autohandels sorgt die Aalener Firmengruppe mit zwei großen Investitionen für Aufbruchstimmung. Wie Geschäftsführer Bernd Widmann die Zukunft seiner Branche sieht.

Aalen

Das Jahr 2021 ist für Deutschlands Autohandel kein gutes: Laut VDA sind in den ersten neun Monaten des Jahres zwei Millionen Autos zugelassen worden, das ist ein Prozent weniger als im Corona-Jahr 2020 und rund ein Viertel weniger als 2019. Der Chip-Mangel beutelt nicht nur Hersteller und Zulieferer, auch die Händler leiden immens. Mitten in diese Krisenstimmung sorgt die Aalener Widmann-Gruppe für zwei deutliche Aufbruchsignale.

Das Unternehmen hat vor kurzem Spatenstiche für zwei neue Autohäuser in Künzelsau und in Ebermannsdorf bei Amberg (Oberpfalz) gefeiert. Noch im Oktober soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. Widmann ist bereits an beiden Standorten mit Niederlassungen vertreten, diese böten jedoch zu wenig Platz und entsprächen auch nicht mehr den modernen Vorgaben des Herstellers, so die Firma in einer Mitteilung.

„An unseren Standorten in Künzelsau und in Amberg arbeiten wir noch in den von unseren Vorgängern übernommenen Standorten“, erklärt Firmenchef Bernd Widmann. Die Neubauten sollen hochmoderne und digitalisierte Autohäuser der Zukunft sein und der neuen Markenarchitektur von Mercedes-Benz gerecht werden, so Widmann.

„Es stimmt, in unserer Branche gibt es jetzt, aber auch in der Zukunft, einige herausfordernde Themen“, sagt Widmann. Allerdings müsse man zwischen zeitlich begrenzten Krisenszenarien, wie zum Beispiel den langen Lieferzeiten aufgrund des Chipmangels, und langfristigen Entwicklungen, die zukünftige Strategien bestimmen, unterscheiden. „Die Wende zur E-Mobilität sowie anderen alternativen Antrieben gehört sicherlich zu den grundsätzlichen und langfristigen Entwicklungen, ebenso wie ein teilweise geändertes Verhalten bei der individuellen Mobilität“, erläutert Widmann weiter. Trotzdem geht er davon aus, dass es auch zukünftig das Bedürfnis nach individueller Mobilität geben werde. Zudem erwarten die Aalener, dass im Nutzfahrzeugbereich das Transportaufkommen weiter steigen wird.

Die Digitalisierung begreift Widmann eher als Chance denn als Bedrohung. „Durch sie haben wir die Möglichkeit einer intensiveren, direkteren und schnelleren Kundenbetreuung.“ Durch die Vernetzung von und mit Fahrzeugen könne Widmann an allen Standorten mit völlig neuen Abläufen arbeiten. Zudem, ist der Firmenchef überzeugt, werde das klassische Autohaus als „physische Schnittstelle zum Kunden nach wie vor eine große Rolle spielen“. So würden auch Fahrzeughersteller, die bisher mit direktem Online-Vertrieb gearbeitet haben, neue Häuser aufbauen und bestehende übernehmen.

Mit einem schnellen Ende der Chip-Krise rechnet der Unternehmer jedoch nicht. „Die heftigsten Auswirkungen der Rohstoffknappheit werden erst noch kommen“, erläutert Widmann. „Die Fahrzeugauslieferungen werden in den nächsten drei Quartalen sicher noch spürbar zurückgehen.“ Dies könne durch ein stabiles Servicegeschäft und ein gutes Gebrauchtwagengeschäft etwas abgemildert, aber nicht ganz ausgeglichen werden. Zudem setzt er auf eine Erholung im kommenden Jahr. „In vielen Fällen handelt es sich bis jetzt um Lieferverzögerungen und nicht um komplette Ausfälle, so dass wir im nächsten Jahr auch von einem Nachholeffekt ausgehen können.“

Die Corona-Krise hat die Widmann-Gruppe mit ihren 14 Standorten gebeutelt. „Nach anfänglich heftigen Unsicherheiten und Einbrüchen zu Beginn der Krise hat sich unser Geschäft relativ schnell wieder stabilisiert“, führt Widmann aus.

Die Firmengruppe Widmann beschäftigt derzeit rund 1050 Mitarbeiter an 14 Standorten und 4 Vertriebsstützpunkten in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Brandenburg. Mit der Entwicklung der Standorte in der Region, nämlich in Aalen, Ellwangen und Schwäbisch Gmünd, ist Widmann „sehr zufrieden“. „Wir sehen uns auch in der Lage, uns auf zukünftige Herausforderungen einzustellen“, so der Geschäftsführer.

Dies betreffe die Ausbildung und den Einsatz von Mitarbeitern, die eigene technische Ausstattung und Entwicklung, bis hin zu Spezialisierungen und weiteren Entwicklungen von Standorten. Das Familienunternehmen hat 2020 einen Umsatz von rund 622 Millionen Euro erzielt, der Absatz von Neu- und Gebrauchtwagen lag an allen Standorten bei rund 15 000 Einheiten.

Die heftigsten Auswirkungen der Rohstoffknappheit werden erst noch kommen.“

Bernd Widmann, Geschäftsführer Widmann-Gruppe

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