Zeiss wächst und verdient prächtig

+
ZEISS und ASML entwickeln schon seit geraumer Zeit Spiegel der nächsten EUV-Generation High-NA. Die neuen Spiegel steigern das Auflösungsvermögen der Optiken für die EUV-Lithographie noch einmal. Damit ermöglicht diese Technologie den Halbleiterherstellern noch feinere Strukturen auf die Wafer (Basis eines Chips) aufzubringen.
  • schließen

Der Oberkochener Konzern setzt seinen Rekordkurs fort. Allein die Chip-Sparte SMT hat 2022 auf der Ostalb 500 neue Mitarbeitende eingestellt, weitere sollen folgen.

Oberkochen

Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie und die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs gehen am größten Arbeitgeber Ostwürttembergs bislang offenbar spurlos vorbei: Der Zeiss-Konzern hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2021/22 seinen Rekordkurs fortgesetzt: Der Umsatz steigt in diesem Zeitraum verglichen mit dem Vorjahr um 20 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Der operative Gewinn macht einen spürbaren Satz: von 591 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 736 Millionen Euro. Alle vier Zeiss-Bereiche tragen zu dieser positiven Entwicklung – einer sticht wie in den Vorjahren heraus. Die Zahl der Mitarbeitenden legt ebenfalls zu, besonders auf der Ostalb.

„Mit einem Halbjahresumsatz, der nochmal über dem sehr guten Vorjahres‐Niveau liegt, sind wir gut in das Geschäftsjahr gestartet. Alle vier Sparten tragen zu der deutlichen Wachstumsdynamik bei, trotz teilweise herausfordernder Rahmenbedingungen“, erläutert Vorstandsvorsitzender Dr. Karl Lamprecht. „Wir sind global aufgestellt, haben ein breites Portfolio und sogar erhöhte Aufwendungen für Forschung und Entwicklung. Davon profitieren wir in der jetzigen Phase und das spiegelt sich auch in unserem Halbjahresergebnis, unserem Wachstum und unserer Innovationskraft wider.“

Vor allem die Chip-Sparte SMT hat sich in den zurückliegenden sechs Monaten dynamisch entwickelt. Der Umsatz legt um 28 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro zu. Damit ist die SMT inzwischen der umsatzstärkste Geschäftsbereich von Zeiss. Getragen wird diese Entwicklung von der Kooperation mit dem niederländischen ASML-Konzern, der Anlagen zur Herstellung von Computerchips herstellt. Die Nachfrage nach diesen Halbleitern ist ungebrochen groß. Mit den Anlagen von ASML, Zeiss und Trumpf ist es möglich, die kleinsten, leistungsstärksten und energieeffizientesten Chips der Welt herzustellen. Neben der Digitalisierung seien nach wie vor Trends wie die künstliche Intelligenz oder das autonome Fahren die Treiber für das Allzeithoch im Halbleitermarkt, teilt Zeiss mit. Die Oberkochener verdienen sowohl mit der aktuellsten Lithographiegeneration EUV als auch mit der Vorgängertechnologie DUV sehr gut und arbeiten bereits an der nächsten Entwicklungsstufe, der High-NA-EUV.

Besonders in den amerikanischen Märkten ist wiederum die Messtechnik-Sparte IQR gewachsen. Zeiss führt das unter anderem auf die positive Entwicklung des Bereichs Elektronenmikroskopie zurück, speziell in den Anwendungsbereichen Halbleiter und Batterie ist die Zeiss-Technik gefragt. Der Umsatz wächst um rund ein Viertel auf 1,056 Milliarden Euro. Knapp davor bewegt sich mit Erlösen von 1,057 Milliarden die Medizintechnik (+15 Prozent). Die Sparte hatte in den Vorjahren mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie und den dadurch gesunkenen Ausgaben im Medizinbereich zu kämpfen. Inzwischen setzt sich die Erholung fort, trotz anhaltender Engpässe in den Lieferketten und der Materialbeschaffung. Die vierte Zeiss-Sparte – in den „Consumer Markets“ fasst Zeiss etwa das Objektiv-Geschäft sowie die Augenoptik zusammen – legt ebenso im zweistelligen Prozentbereich auf 770 Millionen Euro zu. Die gute Entwicklung wird laut Zeiss von  Innovationen, digitalen Produkte und Services in allen Regionen getragen, auch das Geschäft mit Filmobjektiven, Natur- und Sportoptik hat sich nach der verhaltenen Nachfrage in der Vergangenheit wieder erholt.

Den aktuellen Rückenwind will Zeiss nutzen und weiter kräftig investieren. In Forschung und Entwicklung flossen im ersten Halbjahr mit mehr als einer halben Milliarde Euro mehr als 13 Prozent des Umsatzes. „Zudem planen wir den Wachstumskurs der Zeiss-Gruppe auch mit hohen Investitionen in die Digitalisierung und die Erhöhung der Kapazitäten fortzuführen“, erklärt Finanzchef Dr. Christian Müller. „Hierzu zählen auch der gezielte Ausbau von Infrastruktur und der weitere Personalaufbau. Am Standort Oberkochen wurden allein 2022 für den Halbleitertechnikbereich bereits 500 neue Mitarbeitende eingestellt und weitere werden folgen.“ Die Zahl der Mitarbeitenden wächst ebenso weltweit: um 7 Prozent auf fast 37 000.

„Die weitere Geschäftsentwicklung hängt vor allem von den Herausforderungen durch die geopolitische Lage und mögliche Beeinträchtigungen in den Lieferketten ab – und, wie man gerade in China sieht, ist auch die COVID-19-Pandemie global noch nicht zu Ende“, erklärt Vorstandschef Lamprecht. Dennoch gehe Zeiss derzeit davon aus, in allen Sparten das Wachstum fortsetzen zu können.

Wichtig ist weiterhin stark in die Zukunft zu investieren.“

Dr. Karl Lamprecht, Vorstandschef Zeiss AG

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema