Zwei Minuten für die besten Ideen

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Beim Elevator Pitch tickt die Uhr gnadenlos herunter. Lars Reckermann im Gepräch mit Gründerin Kirsten Petra Seydelmann.
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Bei der MAKE feiert ein besonderes Format auf der Ostalb Premiere: Gründer stellen ihre Geschäftsidee vor und haben dabei nur wenige Minuten Zeit.

Aalen

Das Konzept ist einfach und kurzweilig: Beim Elevator Pitch stellen junge Firmen ihre Geschäftsidee vor (Pitch) – und haben dafür so lange Zeit, wie die Fahrt in einem Aufzug (Elevator) dauert. Bei der Messe MAKE hatten Start-ups vier Minuten Zeit, ihre Firma im „Aufzug“ der Schwäbischen Post und Gmünder Tagespost zu präsentiere. Die Premiere bestritten die Carbonauten aus Giengen, die mit ihrer Technologie massiv CO2 einsparen will. Moderiert wurde das Format von Lars Reckermann, Chefredakteur beider Zeitungen.

„Wir machen aus Biomassereste Kohle“, erklärt Anestis Becker vom Start-up Carbonauten. Der Clou: Diese „Kohle“ verstoffwechselt nicht und gibt kein CO2 ab, wie es die Biomasse tut. Beim Herstellungsprozess entsteht viel Energie, die genutzt werden könne. Das Material selbst kann nicht nur als Bodendünger oder Futtermittel genutzt, sondern auch gemahlen und mit Stoffen wie Kunststoffen oder Mineralien vermischt werden. Eine solche Kunststoffmischung ist spritzgussfertig, kann Kunststoff ersetzen und ist somit umweltfreundlicher. Produktionsstätten sind weltweit möglich. „Bio ist für die Firmen gut, wenn die Kosten niedrig und die Volumina hoch sind“, erklärt Becker. Beides könnten die Carbonauten sicherstellen.

JifrajJamaldeen und sein Team haben die faire Bestellplattform Mikan entwickelt, mit der Restaurants in einer Stadt zu einer öffentlichen Betriebskantine werden. Bei Mikan sind nicht nur Restaurants, sondern auch Firmen und ihre Mitarbeitenden vertreten. „Unternehmen kaufen bei uns digitale Essensmarken und verteilen diese über die Mikan-App an ihre Beschäftigten.“ Die Firmen zahlen pro Monat eine niedrige Gebühr von 20 Euro und pro Essensmarke 50 Cent. Die ist für die Firmen steuer- und abgabefrei, die Beschäftigten wiederum haben mehr Netto vom Brutto. Zwar soll, wenn es der Gastronom wünsche, bald eine Lieferung möglich sein, eine Lieferando-Kopie sei Mikan aber nicht, so Jamaldeen.

Den Service der Zukunft anbieten will Marvin Scharle mit seinem Start-up Conclurer. Die Software ordnet und bündelt für Unternehmen alle relevanten Servicedaten von Maschinen, Anlagen oder Systemen. Die App fasst die Daten zusammen und stellt sie Nutzern, etwa Servicetechnikern, zur Verfügung. „So können Firmen ihren Kunden besten Service bieten, aber auch die Daten nutzen, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln“, erläutert Scharle. Conclurer hat ein Verfahren entwickelt, mit dem die Daten komplett anonymisiert werden. „So schützt man sie vor unbefugtem Zugriff.“ Das Unternehmen hat zahlreiche mittelständische Firmen als Kunden, sogar ein Konzern mit 40 000 Mitarbeitern ist dabei.

Ebenfalls mit Reckermann im Aufzug steckten Lukas Niklas und Simon Wesselky von Regional & Fair. „Das Ziel ist, regionale Produkte für den Verbraucher besser zugänglich zu machen“, erklärt Niklas. Das Start-up bündelt regionale Erzeuger wie Hofläden auf einer Plattform. Ab November gibt es einen stationären Laden im Aalener Kubus – dank eines gewonnenen Wettbewerbs auf der MAKE. Derzeit kommt das Unternehmen auf 35 Lieferanten und vertreibt die 100 Produkte bundesweit. Wesselky: „Ziel ist, sowohl online wie offline vertreten zu sein.“ Am Anfang mussten die Gründer noch Hofladen für Hofladen abklappern, um an Lieferanten zu kommen. „Inzwischen hat sich das gedreht, wir bekommen immer mehr Anfragen“, so Niklas. Transparenz und Nachhaltigkeit lägen im Trend, davon will Regional & Fair profitieren.

Patrick Meloni hat die erste Kältesauna nach Aalen gebracht. Sein Unternehmen M3 Cryo bietet Intensivkälte-Anwendungen bei -160°C, die etwa chronische Gelenk- oder Hautkrankheiten lindern, das Immunsystem stärken und bei der Regeneration nach dem Sport helfen soll. „Minus 160 Grad ist kalt“, gibt Meloni zu. „Aber wer sich überwinden kann, kommt gerne wieder.“ Er musste sich einst selbst zwingen, doch war Meloni hernach so überzeugt, dass er ein Start-up gründete. „Die nächste Kryosaunen sind in Stuttgart und Ulm, in der Region haben wir ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Meloni.

Kirsten Petra Seydelmann will die Nachhaltigkeit in den Fokus der Gesellschaften bringen. Ihre digitale Plattform V4V ist ein gemeinnütziges und kostenloses Angebot, um Wissen zu bündeln und Informationen zum Thema Nachhaltigkeit zu liefern. V4V vermittelt Experten aus verschiedenen Bereichen. „Ab Oktober soll die Plattform online gehen“, so Seydelmann, die das Portal als „ Kreativraum zur Zukunftsgestaltung“ bezeichnet.

Etwas weniger ernst geht es bei Rainbowmods zu. Alexander Roß nennt sich selbst Rainbow (Regenbogen) und bringt entsprechend gestylt Farbe in den grauen Aufzug. Roß verbessert, verschönert, vergrößert die handelsüblichen, Schaumstoff schießenden Dartblaster aus dem Spielzeughandel. „Es geht hauptsächlich um das kreative Basteln dahinter“, sagt er. Zu den Kunden gehören Rollenspieler und Sammler. Einen ähnlichen Kundenkreis bedient Ronja Wiedemann von ann.thisha.create. „Ich mache Klamotten für alle Menschen, die auf der Bühne oder beim Live-Rollenspiel gut aussehen wollen“, sagt sie. Genres wie Mittelalter- und Fantasyspiele sind die Schwerpunkte, aber auch Bands hat sie schon eingekleidet. „Man muss in die Rolle richtig reinkommen, dafür sorge ich mit meinen Kostümen.“

Die Fahrstuhl-Fahrten gibt es auf dem YouTube-Kanal dieser Zeitung oder unten auf dieser Seite zu sehen. Wer selbst einmal mit seinem Start-up pitchen möchten, wendet sich sich an l.reckermann@sdz-medien.de.

Minus 160 Grad ist kalt“

Patrick Meloni, Gründer M3, Cryo

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