Fördermaßnahme für Arbeitssuchende – Der Vermittlungsgutschein

Viele Menschen wünschen sich, aus einer bestehenden Arbeitslosigkeit herauszukommen. Dies gelingt allerdings nicht jedem ohne Unterstützung. Deswegen gibt es den so genannten Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS). Worum es sich bei diesem Förderinstrument handelt, wer vom AVGS profitieren kann und wie man einen solchen Gutschein erhält, zeigen wir im folgenden Beitrag.

Was ist der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein?

Welche verheerenden Auswirkungen die aktuelle Corona-Pandemie hat, offenbart sich bereits nach wenigen Wochen: viele Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, einige Betriebe mussten schließen, viele Menschen sind von Arbeitslosigkeit bedroht. In den USA soll es mehr als 40 Millionen Arbeitslose geben. Aber auch in Deutschland ist die Lage prekär. Höchste Zeit, zu schauen, was jeder Einzelne tun kann, um eine bestehende oder drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Unterstützung gibt es dabei von der Agentur für Arbeit. 

In diesem Zusammenhang von großer Bedeutung: der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS). Diese staatliche Fördermaßnahme basiert auf 3 Säulen und hilft Antragstellern damit, vielfältige Möglichkeiten auszuschöpfen, um am Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein.

Man unterscheidet beim AVGS in folgende 3 Fördermaßnahmen:

  1. AVGS MPAV (Maßnahme private Arbeitsvermittlung) – Nutzung einer privaten Arbeitsvermittlung
  2. AVGS MAT (Maßnahmen bei einem Träger) – Weiterbildung und Umschulung oder Coaching
  3. AVGS MAG ( Maßnahmen bei einem Arbeitgeber) – Feststellung der betrieblichen Eignung

Wer einen Vermittlungsgutschein beantragen möchte, erhält die Chance, den Arbeitsmarkt (wieder) aktiv mitzugestalten. Deswegen richtet sich der AVGS an einen ganz bestimmten Personenkreis.

Wer kann den AVGS bekommen?

Mit dem Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein stehen einem vielfältige Chancen offen. Zum Beispiel kann man sich mittels einer Umschulung oder Weiterbildung für eine Karriere im Pflegebereich entscheiden. Aber auch Bewerbungscoachings sind möglich. Bei diesen lernen Arbeitssuchende, wie ein optimales Bewerbungsschreiben aussieht und warum dieses so wichtig ist.

Nicht jede Antragsstellung wird erfolgreich verlaufen, bleibt der AVGS doch einem bestimmten Personenkreis vorbehalten. Konzipiert wurde der AVGS für

  • Arbeitslos Gemeldete (Bezieher von Arbeitslosengeld I oder II)
  • Arbeitssuchende und Nichtleistungsbezieher
  • Selbständige & Gründer

Konkret bedeutet dies also, dass nicht nur Menschen, die ALG I oder II beziehen, vom AVGS profitieren können. Der AVGS ist auch für arbeitssuchend gemeldete Nichtleistungsempfänger, Studenten und Auszubildende auf Jobsuche, Beschäftigte in Transfer- und Auffanggesellschaften, Soldaten bei Beendigung des Wehrdienstes als auch für Selbständige und Berufsrückkehrer gedacht. Erfüllen sie die notwendigen Voraussetzungen, können sie einen Antrag stellen und sich gute Chancen auf eine Bewilligung ausrechnen.

Welche Vorteile bietet diese Fördermaßnahme?

Als wichtiges Instrument im Kampf gegen Arbeitslosigkeit, verfolgt der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein einen ganz bestimmten Zweck: drohende Arbeitslosigkeit abwenden und bestehende Arbeitslosigkeit beenden. Dabei setzt man bewusst auf die Aneignung neuer Qualifikationen bzw. die Stärkung bereits vorhandener Fähigkeiten. 

Folgende Ziele verfolgt die Agentur für Arbeit mit dem Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein:

  • Heranführung an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
  • Feststellung, Verringerung oder Beseitigung von Vermittlungshemmnissen
  • Vermittlung in eine versicherungspflichtige Beschäftigung
  • Heranführung an eine selbständige Tätigkeit
  • Stabilisierung und Unterstützung bei Aufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses

Mit einem Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein kann man sich beruflich fortbilden und fit für den Arbeitsmarkt machen. Dafür können verschiedene Kurse von Weiterbildungsträgern in Anspruch genommen werden. Je nach Thema und Inhalt, kann ein solcher Kurs bis zu acht Wochen dauern. Die Themenvielfalt zertifizierter Weiterbildungs- und Umschulungsunternehmen reicht von EDV-Kursen über Fremdsprachen-Workshops bis hin zum Bewerbungscoaching.

Was muss beim AVGS beachtet werden?

Wer das Glück hat, sich mit einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein fit für den Arbeitsmarkt machen zu können, sollte einige Dinge beachten. Welche das sind, zeigen wir in unserer Zusammenfassung:

  • Der AVGS ist nur bei Bildungsträgern einlösbar, die über eine AZAV-Zertifizierung verfügen
  • Weil der Gutschein befristet ist, sollte man darauf achten, ihn innerhalb der Frist einzulösen – andernfalls verfällt er und muss neu beantragt werden
  • Beim AVGS MAT gibt es keine konkrete Gültigkeitsdauer, wobei empfohlen wird, die Gültigkeitsdauer auf maximal 3 Monate zu beschränken
  • Beim AVGS MPAV liegt die Gültigkeitsdauer für die private Arbeitsvermittlung bei 3 bis 6 Monaten
  • Der AVGS MAG, mit dem die berufliche Eignung überprüft wird, kann, muss aber nicht in seiner Gültigkeitsdauer beschränkt werden
  • Wer umzieht und damit den Bezirk der Arbeitsagentur wechselt, muss sich darauf einstellen, dass der AVGS seine Gültigkeit verliert
  • Der AVGS MPAV hat eine europaweite Gültigkeit und kann somit auch für eine private Arbeitsvermittlung außerhalb Deutschlands verwendet werden

Schritt für Schritt zum AVGS

Beantragt werden kann der AVGS direkt bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter. Ansprechpartner ist immer die Arbeitsagentur im eigenen Wohnort. Hierfür ist es notwendig, einen Beratungstermin zu vereinbaren. In jedem Fall sollten die Arbeitslosennummer und der Beginn der Arbeitslosigkeit bereitgehalten werden. Hilfreich ist auch, bereits zu wissen, für welche Leistungen des AVGS man sich interessiert. Gemeinsam mit dem zuständigen Berater kann besprochen werden, inwieweit die Fördervoraussetzungen erfüllt werden und welche Maßnahme sinnvoll ist. Sind die Formalitäten geklärt, wird der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein beantragt. Das geht sowohl persönlich als auch telefonisch oder schriftlich mittels E-Mail, Fax oder Brief. 

Über die Details des Gutscheins entscheidet immer der zuständige Berater. Er legt die Rahmenbedingen wie eine zeitliche Befristung oder mögliche regionale Beschränkungen fest. Außerdem händigt er dem Antragsteller die "Hinweise zum AVGS" aus. Dort können alle wichtigen Details zum AVGS nachgelesen werden.

Sobald der Antrag bewilligt und der AVGS ausgestellt wurde, kann man an einer zertifizierten Maßnahme teilnahmen oder sich von einem privaten Vermittler in Arbeit vermitteln lassen. Weil es sich um eine 100%ige Fördermaßnahme handelt, entstehen dem Antragsteller beim AVGS keinerlei Kosten.

Mögliche Alternativen zum AVGS

Als Arbeitssuchender steht man unter großem Druck. Umso ärgerlicher ist es, wenn der Antrag auf einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein abgelehnt wird. Doch es gibt mögliche Alternativen. Arbeitslos Gemeldete sowie Arbeitssuchende und diejenigen, die eine drohende Arbeitslosigkeit abwenden möchten, können zum Beispiel einen Bildungsgutschein beantragen. Mit diesem können Weiterbildungen und Umschulungen bei zertifizierten Anbietern absolviert werden. Dabei werden nicht nur die kompletten Kosten der Weiterbildung übernommen – auch Fahrtkosten, Kosten für eine auswärtige Unterbringung und Verpflegung sowie für die Betreuung von Kindern werden berücksichtigt. Allerdings steht es der Arbeitsagentur frei, ob ein solcher Antrag bewilligt wird. Einen Rechtsanspruch auf einen Bildungsgutschein gibt es nicht.

Auch Aufstiegsfortbildungen, umschulungsbegleitende Hilfen, Teilqualifizierungen, Umschulungen und berufliche Fortbildungen können die Weichen für eine erfolgreiche Anstellung in einem Betrieb stellen. Welche Fördermaßnahmen infrage kommen, sollte man am besten mit seinem Berater bei der Arbeitsagentur abklären.

© Gmünder Tagespost 05.06.2020 14:29
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