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Von Nietzsche bis Nixdorf

Nach dem Nikolaus ist nicht nur ein Tag benannt, sondern unzählige Familiennamen lassen sich auf ihn zurückführen.
Kolping, Nietzsche, Colani, Mikesch, Nixdorf, Clausewitz, Klabund, Nicholson – alle diese Familiennamen, so unterschiedlich sie anmuten, lassen sich auf den Rufnamen Nikolaus zurückführen. Das liegt daran, dass zu der Zeit, als die Familiennamen entstanden sind, Nikolaus zu den beliebtesten Rufnamen gehört hat. Das wiederum liegt daran, dass der Heilige, dessen Gedenktag der 6. Dezember ist, im Mittelalter ungemein populär war.

Mehr als 4000 Familiennamen werden mit Nikolaus in Verbindung gebracht. Allerdings gibt es für viele davon auch andere Deutungsmöglichkeiten, etwa für Glas, Klee, Kohlhaas, Lessing. Oder von Nietzsche, der statt vom Nikolaus etwa von Neidhard abstammen kann. Zieht man jedoch diese Zweifelsfälle ab, bleiben immer noch rund 1000 Familiennamen übrig, deren Herkunft vom Rufnamen Nikolaus die Freiburger Namenforscherin Kathrin Dräger in ihrer Doktorarbeit „Familiennamen aus dem Rufnamen Nikolaus in Deutschland“ nachweisen kann.

Wenn man den meisten dieser Namen ihre Abstammung nicht mehr ansieht, dann deswegen, weil sie nicht von seiner vollständigen Form gebildet sind, sondern von diversen Abkürzungen. Der griechische Name Nikoláos besteht aus den Wörtern níkä (Sieg) und laós (Volk). In der lateinischen Form Nicolaus erreichte er Deutschland im 11. Jahrhundert, wo er schon bald verkürzt wurde, etwa zu Niklaus, Klaus, Klos, Nickel, Nitz, Clawi oder gar zum Lauwelin, Laule oder Leile.

Großklaus und Kleinklaus

Aus diesen Kurzformen entstand eine Unzahl weiterer Varianten. Die ließen sich wiederum mit anderen Wörtern koppeln, welche der Unterscheidung dienten, wie Großklaus und Kleinklaus oder Altnickel und Jungnickel. Ging es darum, die Abstammung oder Abhängigkeit von einem solchen Nickel zu dokumentieren, wurde gerne die Genitiv-Endung angehängt, etwa das -s, woraus Nickels entstand, oder das -sen (Sohn), was zum Nickelsen oder anderswo zum Nicholson führte. Die Gebildeten bevorzugten den lateinischen Genitiv der Vollform, der Nicolai lautet.

Das Ausland brachte wiederum eigene Formen hervor, die ebenfalls in den deutschen Sprachraum gelangten. So geht der im Kölner Raum beheimatete Name Kolping auf eine wallonische Koseform von Nicolas zurück. Der aus Graubünden stammende Colani wurzelt im Nicola. Klabund und Klabuhn weisen ins Baltikum, Mikesch auf den Mikolaj, eine slawische Form des Nikolaus.

Einen Sonderfall bildet Nixdorf. In diesem Fall steckt der Nikolaus, zum Nix verkürzt, in einem Ortsnamen, der ursprünglich Niclasdorf hieß. So gehört Nixdorf zu den Namen, die statt der Abstammung ihrer ersten Träger deren Herkunft verraten: also „der Mann aus Nixdorf“.

All die anderen bislang genannten Familiennamen gehen auf die Rufnamen der Ahnen zurück. Daraus lässt sich heute noch erkennen, welche Vornamen vom 12. bis ins 16. Jahrhundert, als die Familiennamen entstanden sind, verbreitet waren.

Just in jener Zeit drangen fremdsprachige Namen aus der Bibel oder von Heiligen nach Deutschland vor, wo bis dahin ausschließlich germanische üblich waren, etwa die besonders beliebten Heinrich und Konrad. Zuerst griffen der Adel und die Oberschichten auf die neuartigen Namen zurück, unter denen Nikolaus schließlich auf Platz zwei in der Beliebtheitsskala aufstieg.

Seine Popularität hatte einen einfachen Grund. Über den historischen Nikolaus, der im 4. Jahrhundert als Bischof in Myra in der heutigen Türkei wirkte, gibt es nur wenige gesicherte Daten. In der Überlieferung verschmolz er mit anderen Heiligen gleichen Namens, so dass deren Wundertaten ebenfalls ihm zugeschrieben wurden. Die zahlreichen Menschen, denen er in diesen Legenden hilft, gehören allen möglichen Berufsgruppen an, und so geriet Nikolaus zum Schutzheiligen einer rekordverdächtigen Anzahl von Klienten-Gruppen.

Dazu gehören die Gefangenen, die Diebe und Verbrecher, Eigentümer und Bettler, Gefängniswärter und Juristen, die Jungfrauen, Heiratswilligen, die Frauen mit Kinderwunsch und die Gebärenden, die Kinder, Schüler, Studenten, Chorknaben, Ministranten, Wirte, Metzger und Salzsieder, die Kaufleute, Pfandleiher, Apotheker, Parfümhersteller und -händler, die Küfer, Feuerwehrleute, Band- und Knopfmacher, Leinenweber, Spitzen- und Tuchhändler, Schneider, Bauern, die Bierbrauer, Schnapshändler, Weinhändler, Wirte, die Müller, Bäcker, Getreidehändler, Drescher, die Kerzenzieher, Steinbrucharbeiter, Steinmetze, Brückenbauer, Kohlenträger, die Pilger und Reisenden, die Sinti und Roma, die Seeleute, Schiffer, Fischer, Flößer, Schiffbauer, Matrosen und Fährleute.
© Südwest Presse 06.12.2018 07:45
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