„Wir sollten zu mehr Niveau finden“

Sänger Howard Carpendale wird 75 – und ärgert sich nicht nur über Corona. Doch manches gibt ihm Hoffnung.
  • Schlagersänger Howard Carpendale wird 75. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Howard Carpendale trieben vor seinem 75. Geburtstag an diesem Donnerstag andere Dinge als sein Ehrentag um. Natürlich Corona – aber auch das Miteinander und die sich zuspitzende Klimakatastrophe. Im Interview sprach der in Südafrika geborene und heute in München lebende Sänger Klartext.

Wie fällt Ihr Rückblick auf das Jahr 2020 aus?

Howard Carpendale: Ehrlich gesagt: Das vergangene Jahr war – mit Verlaub – das beschissenste seit dem Zweiten Weltkrieg. Das liegt zu einem guten Teil an diesem verfluchten Virus, aber nicht nur.

Was hat Ihnen sonst noch nicht gefallen?

So manches. Beispielsweise diese Fake-News-Mentalität. Viele Medien gehen heute viel salopper mit der Wahrheit um. Sie spitzen lieber zu, übertreiben und schreiben Blödsinn. Wir sollten wieder zu mehr Niveau finden und wieder mehr bei der Wahrheit bleiben. Der unsägliche amerikanische Noch-Präsident hat bei dieser Entwicklung natürlich seinen Beitrag geleistet. Aber die neue Rücksichtslosigkeit betrifft jeden einzelnen von uns. Man muss ja nur mal eine längere Autobahnfahrt machen, da merkt man schnell: Wir sind einfach nicht mehr nett zueinander. Das müssen wir wieder lernen.

Was stimmt Sie trotzdem zuversichtlich?

Die jungen Menschen, die für eine vernünftigere Klimapolitik auf die Straße gehen. Ich hoffe, dass sie die Energie haben, über einen längeren Zeitraum durchzuhalten. Corona hat das Problem der Klimakrise momentan in den Hintergrund gedrängt – doch letzten Endes ist es die viel größere Katastrophe für die Menschheit. Dass wir bald einen amerikanischen Präsidenten haben, der diesem Thema wieder Gehör schenken will, stimmt mich optimistisch.

Sie werden 75 Jahre alt. Hat Sie dieses reife Alter zugänglicher, vielleicht auch weicher gemacht?

Ja, unbedingt. Ich kann heute viel eher in das Leben hineinleben. Ich weiß, wo ich herkomme, wer ich bin, was ich kann und was ich nicht kann. Das macht schon viel gelassener. Allerdings muss ich sagen, dass ich mich keinesfalls wie 75 fühle. Schon eher wie 60 . . . oder auch mal wie 45. Ich habe jedenfalls noch eine ganze Menge vor. Gunther Matejka
© Südwest Presse 14.01.2021 07:45
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