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Winterschlaf für den Oldtimer

Was beim Abstellen von Fahrzeugen über den Winter zu beachten ist.
  • Mehr Puste für die Pause: Den Reifendruck können Oldiebesitzer beim Einmotten etwas erhöhen.Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
  • ARCHIV - Gute Nacht mein kleiner Freund: Für den Winterschlaf eignen sich atmungsaktive und weiche Abdeckungen als automobile Zudecke. Foto: Fabian Hoberg/dpa

Bei Regen, Glatteis und Tausalz aurf den Straßen macht Autofahren selten Spaß. Besonders, wenn das Auto ein Oldtimer ist und mehr gepflegt als gefahren wird. Viele Besitzer schonen ihr lieb gewonnenes Blech und schicken es im Herbst in den Winterschlaf. Damit das Auto im Frühjahr wieder direkt startet, gibt es einiges zu beachten.

Für Marcel Mühlich gehört vor dem Abstellen eine gründliche Reinigung des Außen- und Innenraums mit anschließender Trocknung dazu. „Dazu zählen auch Räder, Radkästen und der Unterboden“, so der Technikexperte des Auto Club Europa (ACE). Eine gründliche Lackversiegelung mit Wachs schützt zusätzlich.

Im Innenraum ist an Teppiche, Lenkrad, Schalthebel, Sitze und etwaige Anschnallgurte zu denken. In einer feuchten Umgebung fangen diese an zu schimmeln. Bei Leder eignet sich eine spezielle Lederpflege oder eine sehr verdünnte Essigessenz. Nutzer probieren neue Mittel besser an einer nicht sichtbaren Stelle aus.

Wohin mit dem Schätzchen?

Trocken und gut durchlüftet – so sieht für Mühlich der ideale Platz für den Winterschlaf aus. Das können Orte wie Carports, Hallen oder Scheunen sein. In größeren Städten bieten auch diverse Unternehmen Unterstellplätze an. Wer sein Auto im Freien parken muss, sollte keine Folie zum Abdecken benutzen. Sammeln sich Schmutzpartikel darunter, könne das in Verbindung mit Wind wie Schleifpapier wirken. Auch sich sammelnde Feuchtigkeit kann zu Rost auf Metallteilen führen und die Schimmelbildung fördern.

Besser eignen sich atmungsaktive, aber wasserabweisende und weiche Abdeckungen, wenn das Fahrzeug sauber ist und kein Schmutz zwischen diese und Fahrzeug gelangen kann. Auf jeden Fall lohnt es sich, den Innenraum mit Tüchern vor UV-Licht zu schützen. Das bleicht Kunststoffe aus oder macht sie spröde. Hinterschäumte Armaturenbretter und Lenkräder können Risse bekommen. Stoffe bleichen aus und werden brüchig, Leder härtet aus und schrumpft.

Dieter Lauffs empfiehlt, am Ende der Saison die vorgeschriebenen Wartungsarbeiten inklusive dem Wechsel der Schmierstoffe. „Altes Öl mit Ablagerungen aus Verbrennungsrückständen und Kondenswasser können im Motor Rost verursachen, daher sollten es Besitzer vor dem Einlagern wechseln“, sagt der Experte vom TÜV Rheinland. Auch andere Flüssigkeiten wie für die Bremsen, das Getriebe oder einer eventuell vorhandenen Servolenkung sollte man nach Herstellerangaben wechseln.

Nur eine geladene Batterie ist eine glückliche Batterie.

Dieter Lauffs
TÜV Rheinland

Die Kraft über den Winter erhalten

Vor dem Winterschlaf bauen Oldiefreunde möglichst die Batterie aus und lagern sie warm und trocken. Am besten hängt man sie an einen Batterie-Erhaltungslader für eine permanent schonende Ladung. Blei-Batterien verlieren im Monat etwa zehn Prozent ihrer Ladung. Nach ein paar Monaten können sie sich tiefentladen und sind anschließend häufig defekt, sagt Lauffs. „Nur eine geladene Batterie ist eine glückliche Batterie“, so der Experte.

Auch Hans Gerd Brauneiser von der Rheinlandgarage in Köln rät Besitzer von Oldtimern dazu, ihre Fahrzeuge vor dem Winterschlaf besonders zu pflegen. „Bevor das Auto abgestellt wird, sollte der Tank ganz voll sein und der Luftdruck um bis zu 0,3 bar leicht erhöht werden. So kann sich im Tank keine Korrosion bilden und die Reifen bekommen keine Ermüdungsrisse oder Standplatten“, erklärt Brauneiser.

Er empfiehlt das Fahrzeug entweder leicht anzuheben, auf Böcke zu stellen oder unter die Reifen sogenannten Reifenwiegen zu legen. Damit werden Standplatten in der Regel ausgeschlossen. Alternativ sollte man das Auto alle paar Wochen schieben, auch, damit Lager und Bremsen nicht festrosten.

Um den Motor zu schützen, ist geraten, die Zündkerzen zu entfernen, ein paar Spritzer Motor- oder Multifunktionsöl in die Brennkammer zu sprühen und den Motor durchzudrehen – einen hohen Gang einlegen und das Auto schieben. Das schützt Zylinder und Kolben vor Flugrost. Im Gegensatz zu TÜV-Mann Lauffs empfiehlt er Oldtimer-Besitzern, die wenige Kilometer im Jahr fahren, das Motoröl direkt vor der neuen Saison zu tauschen. „Dann startet der Motor gleich mit frischem Öl“, meint er. dpa

© Gmünder Tagespost 09.10.2020 15:40
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