Alles weiß – im schneereichsten Dorf der Welt

Rekordverdächtig: Eine meterhohe, weiße Pracht – das ist in Damüls fast alltäglich.
  • Urlaub in Damüls im Bregenzer Wald. Foto: Barbara Schaefer

In Damüls im Bregenzer Wald schneit es jedes Jahr rekordverdächtig viel. Der Kathan–Ludwig kann den Schnee hören. „Wenn ich über Kunstschnee fahre, dann rumpelt es. Der ist härter. Naturschnee ist fein, da geht es sanft drüber.“ Ludwig Kathan ist Pistengerätefahrer, Nacht für Nacht präpariert er die Pisten von Damüls. Er kennt sich aus mit Schnee. Denn der Ort in Vorarlberg gilt als das schneereichste Dorf der Welt. 2006 wurde das sogar per Urkunde bestätigt. Im Mittel fielen fünf Jahre lang 9,30 Meter Neuschnee pro Saison. Was nicht bedeutet, dass über neun Meter Schnee lagen, es wurde nur jeden Tag gemessen, wie viel Schnee fiel.

In anderen Jahren war es deutlich mehr, erzählt Kurt Schäfer. Er ist seit über 50 Jahren Skilehrer und erinnert sich an Winter in der 1970er Jahren, „wo wir tageweise abgeschnitten waren“. Auch der aktuelle Winter scheint Rekorde brechen zu wollen, zur Zeit liegen über zwei Meter. Warum schneit es so viel hier? Damüls liegt nicht hoch, aber in Vorarlberg. Wolken kommen von Westen herangesegelt, treffen hier auf ein Hindernis und lassen den Schnee einfach los. Wilfried Madlener war 20 Jahre Bürgermeister von Damüls und genauso lange bei der Lawinenkommission. „Der schwierigste Job im Winter, immer mit einem Fuß im Gefängnis. Zehn vor 7 Uhr musste klar sein, ob der Ort freigegeben wird. Denn dann fuhr der Schulbus. Und wenn gesperrt war, war es auch nicht recht.“ Oft gab es Uneinigkeiten mit den Experten von Lech. „Die hatten immer weniger Schnee als wir.“ Dennoch rattern seit 1990 auch in Damüls Schneekanonen. „Das Problem ist das Timing: In den Ferien sollen die Pisten perfekt sein, aber Petrus hat manchmal einen anderen Zeitplan“, sagt Markus Simma, Geschäftsführer der Damülser Seilbahnen. Seit 47 Jahren räumt Werner Madlener, der Bruder des ehemaligen Bürgermeisters, mit Schneefräse und Schneepflug die Straßen im Ort frei. Hat er manchmal auch genug vom Winter? „Eigentlich nie“, sagt Madlener, „denn mir lebat vom Schnee.“ Barbara Schaefer

© Gmünder Tagespost 26.01.2018 10:29
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