Bella Italia zwischen Berg und See

Geheimtipp Urlauber zieht es Jahr für Jahr an den berühmten Gardasee. Dabei gibt es gar nicht weit weg eine Region mit allem, was man im Urlaub so braucht. Und überlaufen ist es im Trentino auch nicht.
  • Foto: Claudia Bell

Ein heißer Sommertag: Träge summen die Bienen, während sich die Vögel lieber in fauler Stille üben. Doch das ändert sich schlagartig, nachdem man vom Parkplatz im Örtchen Borgo Valsugana im Sellatal im Trentino bis zum Eingang des Künstlerparks Arte Sella gelangt ist. Denn plötzlich ist es angenehm kühl, eine leichte Brise weht durch das Gelände, und hier zwitschern auch die Vögel wieder. Hier, auf einer riesigen und teils bewaldeten Fläche, haben internationale Künstler seit 1986 eine ganz eigene, fast schon mystische Welt geschaffen.

Holzskulpturen

Spektakuläre Kunstwerke aus bearbeiteten Hölzern, aus gebogenen Ästen und Zweigen oder aus Flechten sind hier zu bewundern, während man dem etwa einen Kilometer langen Rundweg auf Trampelpfaden folgt. Die meisten der Kunstwerke sind begehbar, wie etwa die aus bunten Hölzern gefertigte Installation „Trabucco di Montagna“ des niederländischen Künstlers Arne Quinze, der hierzulande vor allem als Ex-Mann von Barbara Becker bekannt wurde. Und wie alle anderen Werke in Arte Sella lebt auch Quinzes Kreation davon, dass sie sich im Laufe der Jahre durch den Einfluss der Natur immer weiter verändert.

Zurück auf dem Campingplatz am nur wenige Kilometer entfernten Caldonazzosee umfängt einen wieder das pulsierende Leben. Er ist der größte in Valsugana im Trentino und bekommt direkte Konkurrenz in Sachen Charme und Freizeitwert nur von seinem kleinen Bruder und Nachbarn, dem Levicosee. Elf Campingplätze gibt es an den beiden, von Berggipfeln umgebenen Seen – allein zehn davon am Caldonazzosee. Hierher kommen viele italienische Gäste, während der Hochsaison auch welche aus den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz.

Mitte September beginnt für Campingplatzbetreiber wie Emanuele Chiesa die ruhige Zeit, wenn fast nur noch Einheimische ihre Runden im See drehen. Im Jahr 2004 hat der heute 37-Jährige die Leitung des Campingplatzes „Camping Mario“ in Caldonazzo von seinem Onkel übernommen. „Mein Onkel hat 1975 mit 40 Stellplätzen angefangen und alles selbst gemacht – von der Reinigung bis hin zur Büroarbeit“, erzählt der Campingplatz-Chef. Heute verfügt das Areal über 220 Plätze inklusive 56 Mobilheimen. Wenn er Reisemessen besuche, höre er alle immer nur über den Gardasee reden, erzählt Chiesa. „Aber wenn ich ihnen dann unseren See und die Umgebung auf Bildern zeige und davon erzähle, sind alle begeistert“, lacht er.

Gute Gründe für Urlaub am See

Anfang September herrschen hier noch optimale Temperaturen, um sich in den etwa 23 Grad warmen See zu stürzen, aufs Surfbrett zu steigen, eine Radtour zu machen oder die Bergstiefel für eine Gipfeltour zu schnüren. Doch auch wenn sich das nach ganz großem Tourismus anhören mag: Trotz etwa einer Million Übernachtungen pro Saison gibt es hier keine Staus entlang der Straße rund um die Seen, die Preise in den Restaurants sind für italienische Verhältnisse noch immer moderat, und das Seeufer ist nie überfüllt.

Einen ganz anderen Charakter hat das Val di Sole, etwa eineinhalb Autostunden in nordwestlicher Richtung gelegen und von vielen Bergen umgeben. Die Fahrt vom Campingplatz in Dimaro bis ganz hoch zum letzten Dorf des Seitentals Val di Rabbi nach Coler auf 1.381 Meter Höhe ist überaus abenteuerlich und nichts für breite Autos: Eng schlängelt sich die Straße durch winzige Weiler, an deren uralten Stein- und Holzhäusern die Geranien um die Wette blühen und in denen man Bauern mit der Sense über der Schulter staunend hinterherblickt.

Am Ende der Welt

Auf dem Parkplatz hinter Coler ist die Welt dann buchstäblich zu Ende: Autos dürfen hier nicht weiterfahren. Vorbei an einem rauschenden Bach geht es in etwa 45 Minuten auf einem Wanderpfad sanft bergauf zur 1.539 Meter hoch gelegenen Alm Stablasol. Hüttenwirt Loris Bonsani steht hinter dem Tresen und schenkt Getränke aus, die Terrasse ist gut besetzt.

Eine Gruppe kommt vom Berg, von dessen Höhe sich die fünf berühmten Saent-Wasserfälle stürzen. Wanderstiefel werden ausgezogen, verschwitzte Hemden gewechselt und tellerweise selbst gemachte Pasta und Knödel vertilgt – ehe es nach unten geht, zurück in die Zivilisation und in den kühlen Pool.

© Gmünder Tagespost 12.01.2018 17:56
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