Der kleine Hut aus dem Nähkästchen kommt groß raus

Museum Über 4000 Exponaten sind im Fingerhutmuseum in Creglingen ausgestellt.
  • Fingerhüte aus allen Epochen Foto:Pixabay

Der Untergang der „Titanic“, Stationen im Leben Luthers oder das Rembrandt- Gemälde „Die Nachtwache“– all das passt auf einen Fingerhut. Immer wieder fertigt Goldschmied Thorvald Greif Unikate. Vor allem aber sammelt er Stücke aus der ganzen Welt.

4000 Exponate, darunter Empire-Necessaires mit kunstvoll ziselierten Scheren aus Silber und Riechfläschchen, Fingerhüte vom Altertum bis zur Neuzeit und Liebesbriefe, sind zu sehen. „Innigstgeliebte Caroline! Könnt ich den Weg zu Ihrem lieben Herzen finden, dann wäre ich der Glücklichste unter den Glücklichen.“ Im roten Nähkästchen mit Metallfüßen verwahrte die Empfängerin den Brief vom 3. Juni 1834 auf. Ob der Verehrer erhört wurde, ist nicht bekannt.

Geheime Schätze im Nähzeug

Was Greif weiß: Die geheimsten Schätze wurden früher oft unter dem Nähzeug versteckt, daher der Ausdruck „Aus dem Nähkästchen plaudern“. Ein Näh-Etui aus Elfenbein hat der 78-Jährige von Experten in der TV-Reihe „Kunst und Krempel“ auf sein Alter schätzen lassen. Es soll um 1880 einer Dame des Hochadels gehört haben. Kurios ist ein mit Nähutensilien gefülltes Entenei aus England um 1852.

Ein Knochen, wie ihn Mammutjäger vor 30 000 Jahren benutzten, um Perlstickerei auf Leder aufzunähen, oder ein Fingerhut aus Zinn, um den sich das Ungeheuer von Loch Ness schlängelt, lassen sich in zwei Dutzend Vitrinen entdecken. Auch erfährt man, dass Fingerhüte 200 Jahre lang Nürnberg nicht verlassen durften, weil das Geheimnis der Messingherstellung innerhalb der Stadtmauern bleiben sollte. Erst nachdem Kaiserin Maria Theresia einige Meister abgeworben und in Strohwagen aus der Stadt geschmuggelt hatte, gelangte das Wissen in die ganze Welt.

Claudia Linz

© Gmünder Tagespost 23.03.2018 10:43
371 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.