Der neue Kulturpalast in Potsdam

Kunstfreude Potsdam ist nicht nur wegen der bekannten Schlösser eine Reise wert. Kürzlich hat dort das bemerkenswerte Museum Barberini eröffnet.
  • Foto: Mundt/Museum Barberini

Sanft fällt die Sonne auf die Elbsandsteinfassade des Museums Barberini, erhellt Säulen, Bögen und Balustraden und lässt die Kuppel der Nikolaikirche von gegenüber in den hohen Fenstern widerspiegeln. Rund 550 000 Besucher kamen seit der Eröffnung im letzten Jahr in den neuen Kulturpalast am Alten Markt in Potsdam. „Was für ein überwältigendes Ergebnis“, sagte Museumsdirektorin Ortrud Westheider, als sie den einjährigen Geburtstag am vergangenen Sonntag, 21. Januar, feierte.

Das Museum Barberini ist wie ein Magnet. Es zieht die Besucher in die lichtdurchflutete Empfangshalle und weiter über breite Treppen in die drei Geschosse mit 17 Sälen und einer 2200 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche. Es gibt keinen festen Rundgang. Man lässt sich treiben durch luftige Räume, staunt über ihre schlichte Eleganz, über die edlen Materialien, die hier verbaut wurden: Eiche für das Parkett, Stuckmarmor an den Wänden, Terrazzo im Treppenhaus.

Bis der Blick wieder an einem der Kunstwerke festhält: zum Beispiel an Rodins „Der Denker“ oder an Monets „Mohnfeld bei Argenteuil“. Und immer wieder nach draußen, in den Innenhof, wo eine riesige Bronzefigur mit erhobenem Arm und geballter Faust in Richtung Havel schreitet. Ein Kunstwerk und Mahnmal zugleich. „Der Jahrhundertschritt“ heißt es. Wolfgang Mattheuer (1927-2004), ein Vertreter der Leipziger Schule, wollte damit an die beiden deutschen Diktaturen erinnern.

Auch Werke aus Zeiten der DDR

„Das Original erleben, die Begeisterung teilen“, das ist ein Leitgedanke des Mäzens Hasso Plattner, der das Museum Barberini gestiftet hat. Dort zeigt der SAP-Mitbegründer seine umfangreiche Kunstsammlung, die von den Alten Meistern bis zur zeitgenössischen Kunst reicht. Über Jahrzehnte hat der 74-jährige Unternehmer gesammelt, darunter bedeutsame Werke der Impressionisten Claude Monet, Alfred Sisley und Auguste Renoir. Ein wichtiger Teil umfasst aber auch deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts, vor allem Werke aus Zeiten der DDR und danach. Gerhard Richter, Bernhard Heisig, Werner Tübke und Martin Kippenberger gehören zu den bekannten Vertretern. Neben Plattners Sammlung werden jährlich drei Ausstellungen gezeigt, um das Haus lebendig zu halten.

Charmantes Städtebild

Das Museum Barberini begeistert nicht nur Freunde der bildenden Kunst, sondern auch Architekturfans. Denn das Gebäude ist eine Rekonstruktion des Palais Barberini, das Friedrich der Große in den Jahren 1771/72 nach dem Vorbild des gleichnamigen Palazzos in Rom errichten ließ. Der Preußenkönig wollte seine nüchterne Residenzstadt verschönern, diesem Soldatenstandort mit den schmucklosen Kasernenstraßen ein charmanteres Gesicht geben. Und Preußen zu einem kulturellen Zentrum machen. „Nach Potsdam, nach Potsdam! Zu meines Vaters Zeiten war es ein elendes Nest; wenn er jetzt wiederkäme, würde er seine Stadt nicht wiedererkennen, so habe ich sie verschönert. Alle meine Bauwerke gefallen den Leuten. Ich gestehe, dass ich gerne baue“, so Friedrich II., der allerdings nie in Italien war, über seine Leidenschaft. Er ließ sich allein von Architekturstichen inspirieren.

Nach Potsdam, nach Potsdam!

Friedrich der Zweite
König von Preußen

Hier spielte die Musik

Seit 1750 gestaltete er den Alten Markt im Zentrum von Potsdam zu einem Prachtplatz um. Da stand aber noch ein schlichtes Doppelwohnhaus, das nun vom Monarchen eine italienische Prunkfassade mit Säulen und Statuen verpasst bekam. Das klassizistisch-barocke Palais Barberini wurde im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und umgestaltet. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zwei Säle geschaffen, in denen Lesungen und Konzerte stattfanden. Hier spielten Musiker wie Clara Schumann und Anton Rubinstein, dirigierte Wilhelm Furtwängler. Anfang des 20. Jahrhundert zog ein Kino ein, ebenso städtische Einrichtungen wie das Standesamt und der Verkehrsverein sowie eine Jugendherberge. Im April 1945 zerstörten britische Bomben das Gebäude fast vollständig. Danach ödes Brachland. Nach der Wende fand auf dem Gelände eine Zeit lang nur das Hans-Otto-Theater seine Interimsspielstätte. Man nannte das Gebäude die „Blechbüchse“.

Das Museum Barberini schließt eine wichtige Baulücke im Herzen von Potsdam. So schlendert man als Besucher über den Alten Markt, schaut auf historische Fassaden und kann sich wunderbar vorstellen, wie vor 250 Jahren der Platz ausgesehen haben muss. Die Türen des ehemaligen Stadtschlosses sind schon geschlossen. Hier tagen die Abgeordneten des Landtags. Auf der Kuppel von dem Alten Rathaus trägt ein vergoldeter Atlas immer noch schwer der Welten Last.

DDR-Bau wird abgerissen

Derweil unten, in der Mitte des Platzes, umkreisen Kinder lachend den Obelisken. Nur eine DDR-Fachhochschule aus den 1970er Jahren stört das herrliche Ensemble. Aber nicht mehr lange: Sie soll bis zum Herbst 2018 abgerissen werden. Der Bauzaun steht schon. Die Verschönerung Potsdams geht weiter. Dem Preußenkönig würde das ganz sicher gefallen.

© Gmünder Tagespost 26.01.2018 11:03
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