Jause mit süßem Kaiserschmarrn

Kärnten Das Skigebiet Nassfeld hat viel zu bieten. Auch die Nachbarn aus Italien kommen zum Einkehrschwung vorbei.
  • Foto: Gerald Penzl

Ein kräftiger Wind fegt den Neuschnee von den Gipfeln der Karnischen Alpen. Die Sonne schiebt sich über die puderzuckerverschneiten Hänge des Nassfelds und taucht die Außenterrasse von Plattner’s Einkehr in sanftes Winterlicht. In der Küche der Jausenstation herrscht Hochbetrieb. Absoluter Spitzenreiter der Essensbestellungen ist die einstige Lieblingsspeise von Kaiser Franz Josef I., der Kaiserschmarrn. „Dafür“, Hans Plattner deutet auf den Monte Cavallo im Süden, „kommen sogar die Italiener auf einen Einkehrschwung vorbei.“

Hans Plattner ist ein Urgestein des Nassfelder Gastrogeschäfts. 1979 eröffnet er hier im Dreiländereck zu Italien und Slowenien ein kleines 15-Zimmer-Hotel. „Das war ein Sprung ins kalte Wasser.“ Im Sommer floriert der Bettenbetrieb, im Winter dagegen bleibt so manches Gästezimmer leer. Während die Skifans in Ischgl, Kitzbühel, Lech und Zürs längst in Kabinengondeln dem Gipfelglück entgegenschweben, rattert hier im Irgendwo des Kärntner Nirgendwo ein 150 Meter langer Tellerlift ein paar Unentwegte einen besseren Anfängerhügel hinauf. Da der Stromanschluss ins Tal fehlt, treibt ein betagtes VW-Käfer-Motörchen die Aufstiegshilfe an.

Parallelslalomparcours

Heute zählt der vormalige Herrgotts(ski)winkel zu den Topadressen der österreichischen Wintersportorte. „Was nicht nur am Kaiserschmarrn liegt“, sagt Sepp Szöke schmunzelnd und deutet auf das Starthäuschen eines Parallelslaloms. „Von diesen Parcours“, sagt er, „haben wir hier drei. Alle mit automatischer Zeiterfassung und Foto- oder Videoaufzeichnung. Das finden vor allem die Kids toll. „Die fegen wie die Profis durch den Stangenwald.“ Und laden ihre Videos dann auf Youtube hoch. Eine gute PR-Idee, mag man meinen, allerdings füllen auch die besten Filme keine 6000 Gästebetten. Das weiß der gestandene Skilehrer und erfahrene Ausbilder der Kärntner Bergrettung auch: „Auf die Mischung kommt es an.“ Und die ist der eigentliche Schlüssel des Erfolgs.

Wenn die Waden schwächeln

Hand in Hand mit seinen Nachbartälern wartet das Nassfeld mit 110 Kilometer Piste auf. Die meisten davon sind rot. 30 Lifte, der längste sechs Kilometer, surren die Brettlfans bis auf 2200 Meter Höhe. 350 Beschneiungsanlagen sorgen für perfekten Carving-Spaß. Die Talabfahrt misst stolze 7,6 Kilometer. Wenn die Waden schwächeln, stellen 25 Hütten, Jausenstationen und – italienische! – Ristoranti den Wintersportler wieder auf die Beine. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Skiregion ist familienfreundlich-moderat. Frau Holle und der Lorenz zählen zum Stammpersonal – sprich die nahe Adria taucht die bilderbuchschöne Zauberlandschaft öfter als anderswo in sonnendurchflutetes Weiß. In Sachen Après-Ski hält sich das Gebiet indes bedeckt. Wer die große Sause sucht, Champagnerkorken knallen lassen oder auf den Tischen tanzen will, ist hier falsch.

Auf die Mischung kommt es an.

Sepp Szöke
Skilehrer

Am James-Bond-See

Lage, Lage, Lage – mit diesem ehernen Gesetz der Immobilienwirtschaft hat auch das Gailtal mit seinem Nassfeld kein Problem. Ein wahres Naturjuwel ist der einen Schneeballwurf entfernte, auf 940 Metern gelegene und 6,5 Quadratkilometer große Weissensee. James Bond alias Timothy Dalton steuert im Film „Der Hauch des Todes“ seinen Aston Martin in heißer Verfolgungsjagd über das Eis. Die Kinopremiere katapultiert den beschaulich gelegenen, fjordartigen Alpensee dann in die Pole-Position der Kärntner Schlittschuhparadiese.

In einer Stunde in Venedig

Wer bei all dem Schnee und Eis mal einen winterfreien Tag nehmen und lieber shoppen gehen möchte, ist in der historischen Altstadt von Klagenfurt am Wörthersee oder in der italienischen Schöngeistmetropole Udine gut aufgehoben. 60 Autominuten südlich der schicken Udine- Palazzi kann der Pistenflüchtling seinen Espresso bereits in den Arkadencafés am Markusplatz in Venedig genießen.

Apropos Genuss: Kärntens Küche ist eine Art kulinarische Schnittmenge aus österreichischen Klassikern, der Cucina Italiana und den Töpfen und Pfannen Sloweniens. Die Zutaten sind frisch, saisonal und stammen aus der Region. Damit stehen die Tafelgenüsse im südlichsten Bundesland Österreichs im Einklang mit den Idealen der Slow-Food-Bewegung. Diese 1986 als Gegenpol zur Fast-Food-Welle im italienischen Piemont aus der Taufe gehobene Organisation hat sich die Herstellung und Verarbeitung von gesundheitlich einwandfreien, wohlschmeckenden, ressourcenschonenden und sozial verträglichen Lebensmitteln auf die Fahnen geschrieben. Natürlich lässt sich die Umsetzung der Slow-Food-Philosophie auch im Gailtal erschmecken. „Wenn das kein Grund ist“, sagt Hans Plattner schmunzelnd, „bei uns auch mal Sommerurlaub zu machen.“ Recht hat er.

© Gmünder Tagespost 16.02.2018 10:26
663 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.