Neuer Top-Termin auf dem Grün

Sport Golf ist eine der sechs Sportarten, die im August 2018 erstmals bei den European Championships dabei sein werden. Glasgow darf das neue Sportformat ausrichten.
  • Bild: Schwaibold

Chris ist Sportreporter mit Leib und Seele. Fast täglich berichtet er über den Fußball-Bundesligisten Hannover 96. Doch Chris hat noch eine weitere Leidenschaft. Wenn er selbst Sport macht, geht er auf den Golfplatz. Und deshalb hat er schon mal den August 2018 mit einem fetten Rotstift in seinem Kalender markiert. Da finden erstmals die European Championships in Glasgow statt. Es ist ein neues Sportformat, das einige schon bestehende Europameisterschaften an einem Ort zusammenbringt. Dass Glasgow den Zuschlag bekam, hat Gründe: „Die Stadt hat 2014 erfolgreich die Commenwealth-Spiele ausgerichtet“, sagt David Connor, der Golf-Manager von Visit Scotland, im Gespräch mit Chris.

Auf einer legendären Anlage

Der 51-Jährige aus Hannover hat sich nämlich mit vier Kollegen nach Glasgow aufgemacht, um sich selbst ein Bild von der 600 000 Einwohner starken schottischen Metropole und ihren Sportstätten zu machen. Wo ginge das beim Thema Golfen besser als auf der legendären Anlage in Gleneagles, dem Tal der Adler. Im Golfen wird 2018 erstmals überhaupt eine EM ausgerichtet. Die Pressevertreter treffen den Golf-Manager Conner auf dem PGA Centenary Course, jenem 18-Loch-Platz also, auf dem schon viele bekannte Turnier stattfanden, unter anderem im Jahr 2014 der Ryder Cup. Die europäische Mannschaft gewann damals gegen die US-Auswahl. Keine Frage: Chris stellt schnell fest, dass der PGA Centenary Course mehr als geeignet ist für die EM. Spätestens an Loch 6 trennt sich bei den Journalisten die Spreu vom Weizen.

Der Ball verschwindet für immer

Das Fairway, also die Spielbahn zwischen dem Abschlag und dem Loch, wird durch ein mehr als 100 Meter langes Gebüsch geteilt. Nur wer mit seinem Eisen den Ball so schlagen kann, dass er geradeaus und in hohem Bogen von der einen Seite auf die andere fliegt, bleibt im Spiel. Das gelingt nicht jedem. So mancher Golfer versenkt hier seinen Ball unauffindbar im Gebüsch.

Golfen ist in Schottland Nationalsport. Studenten der Uni Glasgow beispielsweise dürfen umsonst auf einem Golfplatz spielen. Viele Plätze sind in einzigartige Landschaften eingebettet. Dazu zählt etwa der Haggs Castle Golf Club. Cameron House wiederum liegt am idyllischen Loch Lomond mit Blick auf die Highlands. Die traumhafte Lage fordert allerdings von Amateurspielern ihren Tribut. Da der anspruchsvolle Platz direkt am Ufer von Seen vorbeiführt, landen hier schlecht geschlagene Bälle schnell mal im Wasser.

Und wer auf einem Platz wie in Gleneagles spielen will, muss tief in die Tasche greifen. Das Greenfee, also die Gebühr für einen Golfpartie, kostet 195 britische Pfund (220 Euro). Wer sein Golfgepäck nicht mit in den Schottland-Urlaub schleppen will, muss zudem 42,50 Pfund (48 Euro) hinblättern, um ein Schlägerset auszuleihen. Doch David Connor gibt Entwarnung: Im Durchschnitt liegen die Greenfee-Preise für schottische Golfplätze bei 40 Pfund (45 Euro). Es muss ja nicht gleich Gleneagles sein.

Im Sommer trinken sie viel Bier bei mir.

Barbesitzer Dunkin,
neuntes Loch

Die schönsten Plätze der Welt

Für viele ambitionierte Amateur-Golfer aus aller Welt ist Schottland längst ein lohnendes Ziel geworden. Denn unter den 550 Plätzen sind einige der schönsten rund um den Globus. Asiaten und Amerikaner fliegen ebenso auf die Insel wie Deutsche, um auf einem der berühmten Plätze zu spielen. „Im Sommer trinken sie viel Bier bei mir“, erzählt Dunkin. Der 57-Jährige verkauft in einem zur Bar umgebauten Boot nach dem neunten Loch in Cameron House die Flasche für 3,50 Pfund (4 Euro). Danach nehmen die Spieler beschwingt den zweiten Teil des Parcours in Angriff.

Nicht nur golfen

Im August 2018 können die Golf-Fans dann die besten Spieler Europas bewundern. Wer sich auch für andere Sportarten interessiert, kommt ebenfalls auf seine Kosten. Denn bei den European Championships ermitteln in Glasgow dann auch rund 3000 Athleten im Schwimmen, Radsport, Turnen, Rudern und im Triathlon ihre Besten.

Glasgow jedenfalls ist mit modernen Sportanlagen gut gerüstet für das große Sportevent in diesem Sommer. Schottlands Sportministerin Aileen Campbell freut sich besonders, dass Glasgow mit der Ausrichtung der ersten European Championships „eine Vorreiterrolle übernimmt und Weltklasseathleten begrüßen kann“. Und nicht zuletzt soll die Golf-EM dem schottischen Nationalsport wieder zu mehr Schwung verhelfen. Denn zu den Scottish Open, einem hochdotierten Turnier der European Tour, kamen dieses Jahr nur 51.000 Besucher. 2010 pilgerten noch 85.000 Fans zu diesem Wettbewerb. Das Fachblatt „Golf Magazin“ ist in Sorge: „Geht wieder in großer Zahl hin!“, fordert es seine Leser auf, „sonst wird das Turnier 2020 nicht mehr bei uns stattfinden.“ Da nämlich läuft der Vertrag mit dem Sponsor, eine britischen Vermögensverwaltung und der schottischen Regierung aus.

© Gmünder Tagespost 12.01.2018 17:54
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