Sonnen, essen oder skifahren

Pistenspaß Die blauen und roten Pisten im Trentino sind ideal für Familien mit Kindern. Aber auch Champions können die Zeit auf den Hängen der Dolomiten genießen.
  • Foto: Markus Kirchgessner

Der Schnee ist wunderbar griffig. Die Pisten sind perfekt gewalzt, nirgendwo eine Eisplatte oder ein Buckel. Die Carver drehen auf dem weißen Teppich wie von selbst und der Blick schweift über ein Panorama, das Weltkulturerbe ist: die bizarren, steil in den blauen Himmel aufragenden Kalksteinwände der Dolomiten, die jetzt um diese Jahreszeit mit Puderzucker bestäubt sind. Ja, die Italiener können nicht nur leckeres Speiseeis machen, sondern dank vieler Wasserquellen und strenger Winter mit Temperaturen stets unter null Grad auch perfekten Kunstschnee. Skifahrer, die von Deutschland aus über den Brenner kommen, biegen meistens ab Richtung Kronplatz oder Gröden. Wer italienisches Flair liebt, für den lohnt es sich bis Bozen weiterzufahren und dann hinein ins Zentrum der Dolomiten – ins Trentino.

Größtes Wintersportgebiet

Das gesamte Val di Fassa umfasst sieben Gemeinden: von Moena über Pozza di Fassa bis Canazei. Das Tal zählt zur „Dolomiti Superski“-Region, die mit 1200 Pistenkilometern als weltweit größtes Wintersportgebiet gilt. Hänge in allen Schwierigkeitsgraden warten auf die Skifahrer und Snowboarder. Das einzige Problem ist, dass die verschiedenen Pisten nicht immer über Lifte miteinander verbunden sind. Ein Dutzend Skigebiete konkurrieren um die Feriengäste. Im Val di Fassa fährt immerhin ein kostenloser Skibus von Ort zu Ort. Rühmliche Ausnahme ist der Einstieg in die Sellaronda. 2015 wurde eine neue Seilbahn gebaut, die nun die Hänge bei Pozza di Fassa mit der berühmten Rundtour verbindet.

Riccardo Franceschetti, leidenschaftlicher Skilehrer und früher Bürgermeister von Moena, weiß, dass der Wintertourismus für die Einheimischen im Val di Fassa die wichtigste Einnahmequelle ist. „Deshalb investieren wir auch immer wieder in die kleineren Skigebiete, damit sie nicht abgehängt werden“, erzählt er. So wurde zum Beispiel am San Pellegrino, das oberhalb von Moena liegt, Geld in neue Lifte und Beschneiungsanlagen investiert. Die blauen und roten Pisten sind ideal für Familien. „Aber auch Champions kommen hier auf ihre Kosten“, sagt Riccardo. Er meint die neue schwarze „Volata“. Der technisch anspruchsvolle Steilhang startet in 2510 Meter Höhe am Col Margherita und führt bis hinunter auf knapp 1900 Meter.

Hunderte Kilometer Loipe

Wenige Kilometer weiter befindet sich das Skigebiet Val di Fiemme. Hier wurden mehrmals die nordischen Ski-Weltmeisterschaften ausgetragen. Die Gegend ist bekannt für ihre Hunderte von Loipenkilometern. Doch damit nicht genug. An den Hängen der beeindruckenden Latemar-Gruppe kann man auch über herrlich breite Pisten bis hinüber ins nächste Tal schaukeln: nach Obereggen in Südtirol. Ein Blickfang ist hier die moderne, schlichte Architektur des neuen Bergrestaurants mit Panoramaterrasse am Oberholzlift - ein Komplex aus drei Betonkuben mit Spitzdach, deren Front Richtung Süden verglast ist.

Sensationelle Knödel und Pasta

Im Uhrzeigersinn fährt man nur selten im Schatten.

Daniela Cignolla
Skilehrerin

Apropos: Ohne Einkehrschwung geht es nicht. Das Trentino ist für seine Küche berühmt, die man nicht nur in den Restaurants im Tal, sondern auch auf den Skihütten genießen kann. Statt fettiger Bratwurst oder Schnitzel mit Pommes gibt es überall sensationelle Knödel und Pasta. Für die mit Wildschwein gefüllten Ravioli in Preiselbeersoße auf der Feudo-Hütte am Fuße der Latemargruppe zum Beispiel würde man glatt auf die nächste Abfahrt verzichten. „In dieser Hinsicht kann man bei uns nichts falsch machen, es gibt überall leckeres Essen“, schwärmt Skilehrerin Daniela Cigolla aus Pozza.

Skifahren von Hütte zu Hütte

Da schlagen dann zwei Herzen in einer Brust. Während der Skifahrer so schnell wie möglich in großen Schwüngen die Pisten hinuntersausen will, würde der Genießer am liebsten den ganzen Tag auf der Hütte bleiben. Doch es gibt eine Lösung: die nächste Hütte. Die Dichte der Bergrestaurants und die Kochkunst der Wirte machen das Skifahren in den Dolomiten zum Genuss.

Sportlicher Höhepunkt im Val di Fassa ist die 26 Kilometer lange Sellaronda. Geübte Skifahrer und Snowboarder schaffen das Karussell um das Sellamassiv in vier Stunden. Man kann die Runde im – orangefarbene Beschilderung – oder gegen – grüne Schilder – den Uhrzeigersinn fahren.

Die schöneren Abfahrtsmöglichkeiten bietet die Tour in Orange. Ein weiterer Vorteil liegt im Sonnenverlauf: „Im Uhrzeigersinn fährt man nur selten im Schatten“, erklärt Daniela. Der schnellste Einstieg in die Sellaronda findet sich im Fassatal von Canazei aus.

© Gmünder Tagespost 16.02.2018 10:18
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