Wandern um den Jura zu studieren

Jurasteig Wo einst das urzeitliche Meer schwappte, können Wanderer heute auf 13 Etappen einen Rundkurs absolvieren. Und dabei viele Bekanntschaften schließen.
  • Foto: Claudia Diemer

Was ist das hier? Eine Kulissenstadt? Bildschön sind die bunten Häuser mit den Treppengiebeln am Marktplatz aneinander aufgereiht. Aber fast alle stehen leer. Und irgendwie kennt man das doch – woher nur? „Hier wurden viele Szenen des Filmes ‚Wer’s glaubt wird selig’ gedreht“, sagt Rosa Stauber. Sie kennt Hohenburg noch aus der Zeit, als die heute verlassene „Alte Post“ ein renommierter Gasthof war, als Geschäfte und Kneipen reichlich vorhanden waren.

Heute gibt es nicht einmal mehr einen Bäcker. „Die jungen Leute sind alle in die Neubausiedlungen gezogen, da müssen sie nicht mit dem Denkmalschutz kämpfen“, sagt Frau Stauber, die am Marktplatz ausharrt mit ihrer sonnengelb gestrichenen Pension.

Das „Fledermaushaus“

Von Frühjahr bis Herbst hat sie sogar jede Menge Nachbarn. 250 Große Hufeisennasen leben dann unter Kamerabeobachtung im „Fledermaushaus“ unter der wissenschaftlichen Obhut von Rudi Leitl. Jeden Freitagabend steht das Haus für Besucher offen, die ein faszinierender Vortrag über das Leben der Fledermäuse erwartet. Dann dürfen sie den Abflug der Tiere zur nächtlichen Jagd erleben.

Den Winter verbringen die Tiere ruhend in umliegenden Höhlen des Jurakarstes.

Rosa Stauber juckt es zuweilen in den Füßen. Dann begleitet die sportliche Wirtin ihre Gäste auf dem Jurasteig, etwa auf der Etappe von Schmidmühlen zurück nach Hohenburg. Knapp vier Stunden ist man hier auf der abwechslungsreichen Landschaftsbühne unterwegs. Nach einer Strecke durch tiefen Wald hinauf zum Blaugrund geht es über endlose Wacholderheiden weiter. „Im Frühling sind die Magerrasenwiesen mit Orchideen und Bartnelken bestückt“, sagt Stauber.

Wildromantisch zieht sich der Weg an schroffen Jurafelsen entlang, von denen sich Ausblicke auf die Wallfahrtkapelle Stettkirchen und auf die Burgruine von Hohenburg ergeben. Im Tal strömt in tiefgrünem Glanz die Lauterach dahin.

Entstanden aus dem Urmeer

Das Jura-Gebirge zieht sich durch Deutschland und die Schweiz bis nach Frankreich. Die geologische Formation besteht aus Sedimenten, die vor rund 150 Millionen Jahren im damals weite Teile Europas bedeckenden Tethysmeer abgelagert worden sind. Sie wurden im Laufe der Zeit verschliffen, ausgewaschen und abgetragen. Zurück blieb der harte Kalkstein mit seinen blendend hellen Felsformationen, zuweilen gespickt mit Versteinerungen der einstigen Bewohner des urzeitlichen Ozeans.

Besonders bizarr präsentieren sich die Felsen in Kallmünz am Zusammenfluss von Vils und Naab. Auch hier wacht eine Burgruine über dem malerischen Städtchen, dessen Häuser sich direkt an den Fels zu lehnen scheinen. Es gibt sogar ein Haus ohne Dach, das ins Gestein hineingebaut ist.

Im Frühling sind die Magerrasenwiesen mit Orchideen und Bartnelken bestückt.

Rosa Stauber
Pensionswirtin

Hier startet die Etappe 5 des Jurasteigs. Die 18 Kilometer durch Buchenmischwald sind mit mehr als 400 Meter Auf- und Abstieg gespickt. Der Jurasteig besteht seit zehn Jahren und ist als Qualitätsweg „Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet.

Der Rundkurs führt in 13 Etappen über Höhenzüge und durch die Täler von Donau, Altmühl, Weißer und Schwarzer Laber, Lauterach, Vils und Naab. Für Weitwanderer bietet sich damit ein abwechslungsreiches und stellenweise anspruchsvolles Terrain. Von der Hauptroute des Jurasteigs zweigen weitere 18 „Schlaufen“ als kleinere Rundwege ab. Überlaufen ist der Jurasteig vor allem im nördlichen Teil nirgends. Hohenburg liegt in der tiefsten oberpfälzischen Provinz.

Genusswanderung zum Ende

Zum Abschluss des Jura-Studiums bietet sich eine Genusswanderung an. Von Kelheim an der Donau geht es zum Kloster Weltenburg.

Der Weg führt zunächst am Fluss entlang bis zu der Stelle, wo der „Bienenkorb“-Felsen ins Wasser ragt. Hier geht es rechts bergan durch den Buchenwald. Dann wieder hinunter zur Donau, wo man sich von Bootsführer Rainer Polster mit dessen „Zille“, einem flachen Holzkahn, übersetzen lässt.

Älteste Klosterbrauerei

Berühmt ist Weltenburg für seine prächtige Barockkirche sowie für das mit Preisen versehene Bier, das in der hiesigen ältesten Klosterbrauerei der Welt gebraut wird.

Nach deftiger Stärkung könnte man durch den Mischwald zurück nach Kelheim oder auf dem Keltenwall bis nach Essing ins Altmühltal weiterwandern.

Doch die Schiffstour durch die „Weltenburger Enge“ ist zu verlockend. Die auch als Donaudurchbruch bekannte Strecke führt an spektakulären Felsformationen entlang dann zurück nach Kelheim.

© Gmünder Tagespost 04.05.2018 14:42
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