Auf einem kulturellen Pfad wandeln

Sakralkunst „I ben a Wasseralfinger.“ – Dies war ein Leitspruch des Künstlerpfarrers Sieger Köder. Viele Besucher aus nah und fern bewundern die zahlreichen Werke des Künstlers.
  • Fotos: Peter Kruppa / Lothar Schell/ Chrstian Frumolt
  • Der Künstlerpfarrer Sieger Köder aus Wasseralfingen hat an vielen Stellen seine eindrucksvollen Werke hinterlassen.

Zu Ehren des im Jahr 2015 verstorbenen Menschenfreunds und überzeugten schwäbischen Patrioten Sieger Köder wurde der Sieger-Köder-Weg projektiert. „Geburtshelfer“ und „spiritus rector“ war und ist Joachim Wagenblast.

„Er war ein äußerst sympathischer, humorvoller und liebenswerter Mensch, der hier im Rathaus 1925 geboren wurde“, sagt Ortsvorsteherin Andrea Hatam. Ein Mensch, der sich nie in den Vordergrund stellte. Er war alles andere als ein Selbstdarsteller, vielmehr einer, dem die Kunst per se ein Anliegen war. So spiegeln sich auf dem Sieger-Köder-Weg auch Kunstwerke von Kollegen wieder. An der großen Eingangstür zum Rathaus präsentiert sein Messingrelief karikaturartig dargestellte Stationen aus der Ortsgeschichte.

Das dominierende Bauwerk am Stefansplatz ist die katholische Pfarrkirche Sankt Stephanus – eine künstlerische Entdeckungsreise, die vor der Westfassade und vor dem großen Eingangsportal beginnt.

In der Stephanuskirche

Nach dem Betreten der Kirche fasziniert eine Fülle von Kunstwerken. Entlang der Wände beider Seitenschiffe führen vierzehn vom Künstler gestaltete Kreuzweg-Stationen hin ins Zentrum des Chors zu dem sogenannten „Wasseralfinger Altar“. Auf den insgesamt neun Bildern sind zentrale Themen des christlichen Glaubens dargestellt. An der Stirnwand des nördlichen Seitenschiffs schuf der malende Monsignore den von ihm so bezeichneten „Frauenaltar“ mit der Darstellung prägender Frauenpersönlichkeiten aus der alttestamentarischen Zeit sowie aus den letzten achthundert Jahren der Kirchengeschichte.

Auch lohnt sich der Blick zurück durchs Kirchenschiff zur Orgelempore. Hier umschließen die Orgelpfeifen eine imposante Fensterrose des Wasseralfinger Malers Helmut Schuster, der Schüler von „SK“ und später dessen Künstlerkollege war. Nach dem Verlassen der Kirche fällt auf der rechten Seite des Vorplatzes die hellfarbige Marmor-Stele mit dem Bronze-Bild Sieger Köders ins Auge.

Gegenüber dem Bürgerhaus liegt in der Mitte der Parkanlage der Stephanus-Saulus-Brunnen. Hundert Meter leicht bergab zum Kocherlauf wird der Besucher auf der Ufermauer von den „Kochernixen“ von Hannes Münz empfangen – der bekannte Maler war ein Schüler des früher als Kunsterzieher am Aalener Schubart-Gymnasium tätigen Pädagogen Sieger Köder. Auf der Halbinsel am Kocher begrüßt die von „SK“ und seinen hiesigen „Krippelsfrauen“ gestaltete Figur des „Pilgers“ aus massivem Eisenkunstguss. Der Blick geht über den Kocher zur sogenannten „Hölderlinwand“. Unweit davon steht eine Naturplastik des Wasseralfinger Künstlers Heinrich Wolf.

Im reizvollen Gegensatz dazu stehen durch ihre rote Signalfarbe auffallende Eisenskulpturen von Werner Zeiß – der auch als virtuoser Grafiker tätige Aalener hat viele Radierungen von Sieger Köder gedruckt.

Künstlerische Kostbarkeiten

Er war ein äußerst sympathischer, humorvoller und liebenswerter Mensch.

Andrea Hatam,
Ortsvorsteherin Wasseralfingen

Deren gibt es viele. Vor dem Kapellengang des Wasseralfinger Schlosses, die Bleiglasfenster im Sakralraum oder aber die sehr reichhaltige Ausstattung des Kirchenaums. Hier wird die enge Einbindung von den Künstlerkollegen von Sieger Köder deutlich. Mächtig erscheint am „Alten Kirchle“ Köders „Auferstehungskreuz“. Die imposante Stahlwand, an der dieser Bronzeguss hängt, hat Rudolf Kurz konzipiert und künstlerisch akzentuiert. Der Kirchenbau birgt einen bedeutenden Kunstschatz, den spätgotischen Altar des Ulmer Malers Martin Schaffner aus dem Jahr 1530.

Auch die neugotische evangelische Magdalenenkirche schmücken Kunstwerke von Sieger Köder, unter anderem das große „Magdafenster“ und auch das von den Bibel-Illustrationen bekannte „Rosenmotiv“.

Das Sieger-Köder-Museum

Das Sieger-Köder-Museum in Ellwangen ist Synonym für Vielfalt und künstlerische Inspirationen. „Bei unseren Führungen verweisen wir immer auf die Kommunikation mit Sieger Köders Bildern“, sagt Willibald Bezler. Man sollte sich also Zeit nehmen beim Gang durchs Museum. Auf 700 Quadratmeter sind 170 Werke des Künstlers zu sehen: Gemälde, Skizzen, Skulpturen, Altartriptychen, Drucke.

Entdeckungsreise durch die Bibel

Den größten Anteil haben die Bilder, mit denen Sieger Köder die Bibel ins „Heute“ übersetzt und mit einem wahren Reichtum seiner Ausdrucksformen zu einer Entdeckungsreise einlädt.

Weit bekannt ist Köders „Brennender Dornbusch“. Immer wieder malte SK die Szene vom Berg Horeb, wo Gott dem Mose erschien. „Ich bin, der ich bin – Ich bin, der ich sein werde.“ Mit hebräischen Buchstaben, welche Flammenzeichen gleichen, schreibt der Künstler dieses Wort in den glühenden Dornbusch. Köders großes Vorbild war Diego Velasquez, den man auch als „Theologen der Maler“ bezeichnet. In die schwarzen Hände eines Menschen aus der Dritten Welt malte er die Wundmale des Gekreuzigten: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

In Raum sechs ist die „Tübinger Bibel“ zu sehen, die Sieger Köder 1968 zum Ende seines Theologie-Studiums geschaffen hat – bestehend aus 49 Blättern. Die drei Bilder behandeln Themen des Advents, des Suchens, der Erwartung, des Ankommens. Im Frühjahr 2018 wird die „Thüringer Bibel“ neu erscheinen.

© Gmünder Tagespost 19.01.2018 17:27
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