Berührende Zeilen mit so viel Tiefgang

Literatur Ein Schulprojekt wurde für Toska Eiberger aus Aalen-Trübenreute zu einem vollen Erfolg: Aus der Jahresarbeit des 13-jährigen Mädchens entstand das Buch „Ein Unfall mit Folgen“.
  • Foto: Christian Frumolt
  • Spiel und Spaß: Toska Eiberger und ihr Bruder Julius liefern sich ein Match am Tischkicker. Foto: Christian Frumolt

Eigentlich hätte es „nur“ die Jahresarbeit der 8. Klasse der freien Waldorfschule in Aalen werden sollen. Aber es kam anders, ganz anders: Mit „Ein Unfall mit Folgen“ hat die 13-jährige Toska Eiberger aus Aalen-Trübenreute weit mehr geschrieben als das sonst Übliche für ein Schulprojekt. Entstanden ist nämlich ein ganzes Buch.

Gut gelaunt fangen die 13-jährige Schülerin und ihre Mama Katja an zu erzählen. Als kleines Mädchen sei ihr viel von ihrer Mama vorgelesen worden, sagt Toska. Und ihre Mama ergänzt: „Toska war so bei der Sache und interessiert für die kleinen Gute-Nacht-Geschichten, dass oft die Mutter vor der Tochter am Bettrand einschlief.“ Katja Eiberger kann sich gut daran erinnern, wie Toska Fragen über Fragen stellte, um die Geschichten besser zu verstehen.

Fantasievolle Werke

In der zweiten Klasse hat sich Toska mit ihrer Freundin dann schon selbst Geschichten ausgedacht. Die beiden Mädchen erzählten sich gegenseitig ihre fantasievollen Werke, schrieben diese aber leider nicht auf. „Auf diese Idee sind wir damals gar nicht gekommen“, erzählt Toska.

Als es dann in der 8. Klasse eine Jahresarbeit anzufertigen galt, erinnerte sich Toska an ihre frühere Leidenschaft – Geschichten zu erzählen – zurück und reichte das Thema „Schreiben eines Jugendbuchs“ bei ihrer Lehrerin ein. Die Schüler der Waldorfschule durften ihr Thema dabei frei wählen und es gab bei der Themenwahl nur wenige Vorgaben. Eine war zum Beispiel die Zeit: Die Schüler mussten ihr Projekt innerhalb von einem Schulhalbjahr ausarbeiten.

Pferde als große Leidenschaft

„Ich dachte, dass meine Tochter irgendwas mit Pferden macht, zum Beispiel eine Pferdedecke nähen,“ erinnert sich Katja Eiberger, die ihre Tochter Toska bei der Themafindung unterstützen wollte. Pferde sind nämlich die ganz große Leidenschaft von Toska. Raus in die Natur. Ausreiten durch den Wald. Ihr erster Berufswunsch war auch Pferdewirtin – in Kombination mit der Bewirtschaftung eines landwirtschaftlichen Betriebs. Weit weg von den üblichen Träumen der jungen Mädchen in ihrem Alter.

Die Idee, ein Buch zu schreiben, sah Katja Eiberger zunächst eher skeptisch. Auch deswegen, weil ein gesetzter Zeitrahmen eingehalten werden musste. „Das ist bei so einem kreativen Prozess nicht gerade leicht“, fand die Mama. Die Achtklässlerin setzte ihre Idee aber durch – zum Glück.

Der Austausch mit meiner Freundin war für mich wichtig.

Toska Eiberger
Jugendbuchautorin

Toska Eiberger widmete sich ihrem Werk ganz allein. Einzig die Freundin Marie, mit der sie sich das Reiterleben teilt, durfte teilhaben an der Arbeit an ihrem Buch. „Ganz alleine wäre das schon schwierig gewesen“, sagt die junge Autorin. „Der Austausch mit meiner Freundin war für mich extrem wichtig.“ Das Familienleben kam zwar während der Arbeit am Buch etwas zu kurz, aber die Zeiten, in denen alle am Tisch zusammen essen, wurden strikt eingehalten.

Eine begeisterte Leseratte

Toska hat bereits sehr viele Bücher verschiedener Genres gelesen. Ein Lieblingsbuch hat sie aber nicht. „Es gibt einfach zu viele gute Bücher“, findet die 13-Jährige. Im Moment sind die favorisierten Bücher „Save Me“ von Mona Kasten und die Buchserie „Mein Dilemma bist du“ von Cristina Chiperi.

Toska Eiberger hat sich für ihr eigenes Jugendbuch ein Thema ausgesucht, das sehr tiefgründig und für eine Jugendliche auch nicht einfach zu schreiben ist. Das Buch handelt von Liz Summer, einem ganz normalen Teenie in den USA. Bei einem Autounfall wird Liz schwer verletzt und ihre Mutter stirbt. Schwer verletzt liegt Liz im Krankenhaus, ist herausgerissen aus ihrem liebevollen Umfeld. Nach ihrer Entlassung ist nichts mehr wie es einmal war. Traumatisiert ist es ein harter und schwerer Weg zurück ins Leben. In einfacher, klarer Sprache schildert Toska die seelischen Verletzungen, die ihrer Protagonistin nach dem Unfall zugefügt werden. Um ihrer tiefen seelischen Not Erleichterung zu verschaffen, fängt Liz an, sich selbst zu verletzen. Die Protagonistin versucht sogar sich das Leben zu nehmen. Heilung und Trost findet sie bei den Pferden und in der Natur. Schritt für Schritt findet sie so langsam zurück ins Leben. Es steckt auch viel Persönlichkeit von Toska Eiberger in der Buchprotagonistin Liz.

Ganz viel Fantasie

Aber wie kommt ein fröhliches und wohlbehütetes Mädchen wie Toska Eiberger eigentlich darauf, ein Buch über so ein schwieriges Thema zu schreiben? „Ich wollte mich abgrenzen von der Literatur, die im Moment für Jugendliche geschrieben wird. Es gibt zwar einige Parallelen zu meinem Umfeld, aber das meiste ist meiner Fantasie entsprungen“, erzählt das 13-jährige Mädchen.

Ganz professionell ging die Schülerin an die Erarbeitung der Charaktere. Eine kleine Biografie wurde für Liz erstellt, um dem Mädchen Leben einzuhauchen. Aber ganz reibungslos ging es nicht. Zwischendurch gab es auch einige Zweifel, ob das überhaupt das Richtige ist. Die Geschichte, die Protagonisten, das Umfeld, das Buch an sich.

Ich hatte schon Angst, meine Gedanken so offen zu präsentieren.

Toska Eiberger
Jugendbuchautorin

Aufregende Zeiten

In dieser aufregenden Zeit war Marie für ihre Freundin da. Mit ihr konnte sich Toska gut austauschen. Zuhören und Input geben – das war eine wichtige Aufgabe von Marie. Seiten wurden auch gelöscht und neu geschrieben. Immer den zeitlichen Abgabetermin im Rücken. Das Glück war aber auf der Seite von Toska: Der Abgabetermin für die Präsentation der Jahresarbeit wurde um drei Wochen nach hinten verlegt.

Dann kam der große Schritt. Das Buch war fertig. Nun hieß es, das Werk zuerst in der Familie zu präsentieren. Das kostete Toska ein gutes Stück Überwindung, denn es sei doch eine kleine Seelenschau, die man als Tochter seinen Eltern präsentiere. „Ich hatte schon Angst, meinen Eltern das Buch zum Lesen zu geben. Meine Gedanken hier so offen zu präsentieren.“ Diese Angst war im Nachhinein völlig unbegründet. Vom ersten Satz an waren alle begeistert. Es war ihre Mutter, die vorschlug, das Buch veröffentlichen zu lassen.

Für die Verlegung des Buchs war dann noch etwas Arbeit angesagt. So galt es ein Coverbild zu fotografieren. Hierfür ging Toska mit ihrem Bruder Julius durch den Wald. Julius Eiberger fotografiert mit einem guten Auge für die Situation. Das Ergebnis ist ein ausdrucksstarkes Cover, das zum Hineinblättern anregt.

Anfragen für Lesungen

Mittlerweile ist das Buch überall im Buchhandel erhältlich. Auch Anfragen für Lesungen flattern ins Haus. Ob es eine Fortsetzung gibt, lässt sich die junge Autorin Toska offen. Genauso wie den weiteren Berufswunsch, der nicht unbedingt in Richtung Autorin gehen muss.

© Gmünder Tagespost 06.04.2018 17:52
810 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.