Das besondere Flair in der guten Stube der Winzer genießen

Besenwirtschaften stehen für eine gemütliche Atmosphäre, besten Wein aus der Region und deftige Leckereien.
  • Hier kommt man schnell miteinander ins Gespräch: In den Besenwirtschaften geht’s lustig zu. Foto: Deutsches Weininstitut/akz-o

Es wird gesungen und geschunkelt. Es wird gelacht und manches Viertele „geschlotzt“. Und es ist oft das Ziel oder der gelungene Abschluss eines schönen Ausflugs durch unsere Region. Die Rede ist von Besenwirtschaften, die seit vielen Jahrhunderten im Herbst oder Winter für maximal vier Monate geöffnet sind.

Auf gut Schwäbisch: „Besa“

Was in anderen Weinbauregionen die Straußenwirtschaft oder der Buschenschank ist, das heißt im Schwäbischen Besenwirtschaft oder kurz „Besa“. Auch in diesen Tagen laden wieder die vielen Besenwirtschaften in der Region zum Besuch ein.

Auch wenn der Schwabe beim Stichwort „Besen“ vielleicht erst einmal an die lange Tradition der Kehrwoche denkt – damit hat dieser Ort nichts zu tun. Die Besenwirtschaft geht vielmehr zurück auf einen Erlass Karls des Großen aus dem Jahr 812 zurück, in dem angeblich den Winzern der Betrieb von „Kranzwirtschaften“ erlaubt wurde, die durch einen ausgehängten Kranz aus Reben oder Efeu kenntlich gemacht wurden. Denn Karl der Große war nicht nur ein Förderer des Weinbaus in seinem Reich, er sorgte sich auch um die Finanzen seiner Bürger. So verfügte er, dass die Bauern ihren Wein auch direkt verkaufen durften.

Die Tradition ist bis heute geblieben, aber aus dem Kranz wurde der Besen. Ohne Schankkonzession, aber mit gewissen Auflagen sind die Besenwirtschaften ein fester Bestandteil in vielen Weinbauregionen. Der Besen darf bis zu vier Monate im Jahr öffnen, die Anzahl der Sitzplätze ist auf 40 begrenzt und neben hauseigenen Weinen dürfen nur kalte oder einfache warme Speisen angeboten werden.

Gemütlich in der guten Stube

Es herrscht meist eine besondere, gemütliche Atmosphäre und auch die Tatsache, dass nicht das ganze Jahr geöffnet ist, erhöht immer wieder die Vorfreude. Früher war es meist die gute Stube, welche die Besenwirte für ihre Gäste räumten. Auch heute noch sitzt man oft unter alten Familienbildern, in einer umgebauten Scheune oder einem urigen Keller und genießt schwäbische Spezialitäten und ein paar Viertele.

Weine der Region entdecken

Der Weinbau ist in ganz Baden-Württemberg zu Hause, vom Taubertal im Norden bis zum Bodensee im Süden. In den Straußen- und Besenwirtschaften können die Weine der Region entdeckt werden. Hervorragend passen dazu die deftigen Leckereien, die eine gute Grundlage für das eine oder andere Gläschen bieten.

Im Besen findet jeder schnell Anschluss, denn dort ist die Welt einfach ein bisschen anders. Man rutscht zusammen, wenn noch mehr Gäste kommen und auch auf der schmalsten Bank findet sich ein weiteres Plätzchen. Schnell kommen die Besen-Besucher miteinander ins Gespräch und lustig und fröhlich geht es immer zu. Ob allein, zu zweit oder in geselliger Runde – die Besenwirtschaft bietet sich zu vielen Gelegenheiten an.

Und wer auf den Geschmack gekommen ist oder in diesen Wochen einen Besen-Besuch nicht im Terminkalender unterbringen konnte – im kommenden Herbst startet wieder eine neue Saison der gemütlichen Besenwirtschaften.

© Gmünder Tagespost 19.01.2018 20:15
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