Die grenzenlose Faszination des Fliegens

Reportage, Teil 1 In Ellwangen-Erpfental startet die Fliegergruppe Ellwangen/Jagst in die Weiten des Himmels. Hendrik Wagner ist Mitglied der Gruppe und verwirklicht dort seinen Traum.
  • Foto: Benedikt Walther
  • Um in die Weiten des Himmels starten zu können bedarf es zunächst einiges an Teamwork. Foto: Benedikt Walther
  • Herrliche Oldtimer können die Besucher beim Jazz am Flugplatz am 10. Mai 2018 wieder bestaunen. Foto: Sabine Freimuth

Ein strahlend blauer Himmel und keine Wolken. Ein weißer Streifen zieht am Horizont vorbei. Hendrik Wagner schaut ihm hinterher. Er sitzt auf einer Bank vor dem Flugplatz, rund 600 Meter entfernt vom Ellwanger Ortsteil Erpfental. Neben ihm schälen zwei Mitglieder Kartoffeln. Über ihm thront der Funkturm. Licht reflektiert in der Scheibe. Sonnenschirme spenden Schatten. Es ist ein warmer Vormittag am Wochenende. „Frühes Aufstehen ist nicht mein Ding, aber beim Segelfliegen muss man früh raus, denn abends musst du wieder rechtzeitig zurück sein“, sagt der 43-Jährige.

Anfänge der Faszination

Er ist erst rund fünf Jahre dabei. „Für das Fliegen interessiere ich mich aber schon lange“, sagt Wagner. Er erinnert sich: „In den 1980er-Jahren habe ich mit meinem Vater viel Modellsegelflug gemacht. Es ist total faszinierend, wie Objekte, die schwerer als Luft sind, fliegen können.“ Doch das war vorerst die einzige Berührung mit dem Thema. Schule, studieren, promovieren und 2005 im Ländle beruflich anheuern, so sah der Weg des Westfalen aus. Über seinen Geschäftskollegen Ulrich Beck lernt er den Flugplatz im Erpfental kennen und erinnert sich an seine Faszination für das Fliegen zurück. „Ich träume nicht lange rum, ich mache es dann einfach“, lächelt Wagner, der auch schon drei Langdistanz- Triathlons gemeistert hat.

Start mit Schnupperkurs

Ich träume nicht lange rum, ich mache es dann einfach.

Hendrik Wagner
Mitglied der Fliegergruppe

Also macht er den Flug-Schnupperkurs für 150 Euro. „Bei dem kann man zehn Starts mit Fluglehrer hinlegen und kann sich diese für eine eventuell danach folgende Flugausbildung voll anrechnen lassen“, weiß er. Und fügt hinzu: „Im schlimmsten Fall hast du 150 Euro zum Fenster rausgeworfen und im besten Fall bist du voll dabei.“ Letzteres war bei ihm der Fall.

Teamwork und Solo-Einsatz

Hendrik Wagner schnappt sich eine Flasche Wasser und nippt daran. Ein Kleinbus flitzt auf die Landebahn. Er fährt in Richtung der Startwinde. Ein 1.000 Meter langes Drahtseil wird am Segelflieger befestigt. Mit zehn Zylindern und 340 Pferdestärken katapultiert die Startwinde den Flugkörper über die knapp ein Kilometer lange Grasbahn in 350 bis 400 Meter Höhe. Die Vereinsmitglieder wechseln sich mit der Startwinde ab, damit jeder einmal auf seine Kosten kommt.

Beim Segelfliegen muss man früh raus.

Hendrik Wagner
Mitglied der Fliegergruppe

Mit einem kaum hörbaren Rauschen steigt ein Flugzeug nach oben in den Himmel. Hendrik Wagner folgt ihm wieder, schaut, wie das Drahtseil ausklinkt und das Fluggerät langsam höher steigt. „Oben bist du alleine, da kann dir niemand helfen, es sei denn, du fliegst im Doppelsitzer. Aber unten ist man auf die anderen angewiesen, das ist die perfekte Mischung“, betont der Hobbypilot, der den Flugplatz allgemein als sehr familienfreundlich beschreibt. „Hier kommen manche Besucher auch nur zum Kuchen essen und es ist immer jemand da, der etwas zubereitet“, sagt er, während auf dem Tisch hinter ihm die letzte Kartoffel gepellt wird. 40 Arbeitsstunden absolviert jedes Vereinsmitglied im Jahr, entweder kümmert man sich um die Halle, den Funk, sitzt auf der Seilwinde oder kümmert sich eben um das leibliche Wohl.

Mehr Spannendes über den Segelflugplatz in Ellwangen-Erpfental und über das Fliegergruppenmitglied Hendrik Wagner erfahren Sie in der nächsten Ausgabe von inSchwaben am kommenden Samstag ...

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Schöne Oldies, tolle Flieger und viel Jazz am Vatertag

Die Fliegergruppe Ellwangen-Jagst veranstaltet an Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 10. Mai, zusammen mit dem Oldtimer-Verein Ellwangen wieder den Jazz am Flugplatz. Das traditionelle Jazz-Event am Flugplatz Ellwangen-Erpfental findet von 11 bis 15 Uhr statt.

Herzlich willkommen sind alle großen und kleinen Besucher, die den Traum vom grenzenlosen und gelebten Fliegen einmal aus nächster Nähe erleben möchten. Und auch Rundflüge mit den Mitgliedern der Fliegergruppe sind an diesem Tag möglich. Nutzen Sie einfach den Tag und steigen Sie einmal in die Weiten des Himmels über der schönen Ostalb auf.

Aber auch auf dem Boden gibt es viel zu entdecken, denn der Oldtimerverein Ellwangen stellt an diesem Tag auf dem Flugplatzgelände allerlei sehenswerte Exponate aus.

Alle Interessierten können außerdem von den Mitgliedern auch viel zur Geschichte der Gruppe erfahren, die bis ins Jahr 1928 zurückgeht. Damals fand sich eine Hand voll junger Männer zusammen, die im Raum Ellwangen ihren großen Traum verwirklichten.

Für das leibliche Wohl wird ebenfalls gesorgt sein. Es gibt ein Mittagessen, Kaffee und Kuchen. Und eine musikalische Unterhaltung auf dem Flugplatz ist ebenfalls organisiert. nad/bw

© Gmünder Tagespost 27.04.2018 18:23
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