Echt scharf, die gesunde Knolle

Gewürze Ingwer ist die Heilpflanze des Jahres. Der knorrige Exot kann viele Beschwerden lindern. Er schmeckt köstlich und gedeiht auch auf der Fensterbank.
  • Völlegefühl nach dem Osterbrunch? Dann kann eine Tasse Tee mit ein paar Scheibchen frischem Ingwer helfen.
    Fotos: Helga Schneller (l.),
    Pixabay (r. o. und r. u.)

Von der Optik her ist die Ingwerknolle nicht gerade zum Anbeißen. Ein wenig eigenartig wirkt sie mit ihren fingerartigen Auswüchsen, der harten Konsistenz und der beigen Allerweltsfarbe. Der aromatische Ingwer ist nicht nur ein tolles Gewürz in der Küche, er kann auch vielerlei Beschwerden und Krankheiten lindern. Mit der Wahl zur Heilpflanze des Jahres 2018 rückt der Naturheilverein „NHV Theophrastus“ in München die tropische Pflanze in den Blickpunkt.

Eine fernöstliche Würze

„Der Ingwer verleiht zum einen Speisen eine interessante fernöstliche Würze, zum anderen hat er ein erwiesenermaßen breites Wirkspektrum auf medizinischem Gebiet“, erklärt der Vorsitzende des Vereins, Heilpraktiker Konrad Jungnickel. In Asien, der Heimat des Ingwers, zählt die Pflanze zu den wichtigsten Heil- und Gewürzpflanzen und wird seit Jahrhunderten hoch geschätzt. Aber auch hierzulande war Ingwer (Zingiber officinale) schon bei mittelalterlichen Heilkundlern bekannt.

Bekannt seit dem Mittelalter

So empfahl beispielsweise Hildegard von Bingen (1098-1179) einen Trank zur Behandlung der Gicht, welcher neben anderen Gewürzen auch Ingwer enthielt. Paracelsus (1493-1541) verwendete Ingwer innerlich wie äußerlich, unter anderem als Auflage bei Brüchen und stumpfen Verletzungen, und sah die Pflanze als Allheilmittel. Heilende Wirkung wird der Tropenpflanze auch bei Kopfschmerzen, Diabetes, rheumatischen Erkrankungen und Erkältung zugesprochen. Außerdem wirkt Ingwer blutverdünnend, weshalb Schwangere auf die Einnahme verzichten sollten. Besonders gut und wissenschaftlich gesichert bekämpft Ingwer Übelkeit und Brechreiz. Weiterhin regt Ingwer die Darmtätigkeit an und fördert die Speichel-, Magensaft- und Gallensekretion.

Wer zum Beispiel nach einem ausgedehnten Osterbrunch unter Völlegefühl leidet, kann sich mit einer Tasse Ingwertee etwas Gutes tun. Dafür werden zwei bis drei Scheibchen frischer Ingwer ungeschält kleingeschnitten und mit kochendem Wasser überbrüht. Zehn Minuten abgedeckt ziehen lassen und dann in kleinen Schlucken genießen.

Frisch-zitroniges Aroma

Zum absoluten Markenzeichen des Ingwers zählen sein frisch-zitroniges Aroma, der hohe Gehalt an ätherischen Ölen sowie vor allem auch die fruchtige Schärfe – beigesteuert von Scharfstoffen namens Gingerol und Shogaol.

Kulinarisch vielseitig

Seit dem Boom der Asia-Küche sind die exotischen Ingwerknollen längst in jedem Supermarkt zu finden. Beim Kauf sollte man auf eine pralle, matt glänzende Schale achten. An den Enden eingeschrumpelter Ingwer ist überlagert und enthält nur noch wenige der positiv wirkenden Scharfmacher. Kulinarisch ist Ingwer sehr vielseitig zu verwenden. Käufliches Ingwerpulver wird vor allem im Winter gerne für Plätzchen oder Gewürzkuchen verwendet. Frischer Ingwer passt nicht nur zu asiatischen Gemüse- und Fleischgerichten.

Wer Spaß an botanischen Experimenten hat, kann sich eine eigene Ingwerpflanze auf der Fensterbank ziehen. Dafür kauft man im Frühjahr ein frisches, pralles Rhizom Bio-Ingwer mit möglichst vielen Austriebsknospen („Augen“), den knubbeligen weißlichen Verdickungen an der Rinde. Die Wurzel wird in fünf Zentimeter lange Stücke mit jeweils mindestens einem Auge zerteilt. Die Stücke mit den Austriebsknospen nach oben locker in einen geräumigen Topf mit nährstoffreicher Blumenerde legen, so dass ein Stückchen oben herausragt. Die Erde anfeuchten und den Topf an einen hellen (nicht vollsonnigen) und warmen Platz stellen. Die Erde muss ständig leicht feucht gehalten werden.

Geduld ist gefragt, bis sich nach mehreren Wochen oder Monaten ein frischer Ingwer-Austrieb zeigt und in die Höhe schiebt. Wird das Laub nach weiteren sechs bis acht Monaten gelb, ist Erntezeit für die Ingwerknollen Marke Eigenbau.

© Gmünder Tagespost 29.03.2018 16:48
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