Ein fulminantes Blütenfeuerwerk

Farbenreichtum Die kleine, dichte Scheinquitte läuft im Frühling optisch zur Hochform auf. Im Spätsommer liefert sie dann aromatische, vitaminreiche Früchte.
  • Dicht besetzt mit großen Schalenblüten prunken die dornigen Äste der Scheinquitte. Aus den Früchten lässt sich leckere Marmelade herstellen.
    Fotos i. U.: Pixabay,
    Agnes Pahler, Pixabay

Große, schalenförmige, rötliche Blüten stehen dicht an dicht an den noch blattlosen Zweigen. Zur Blütezeit läuft die Scheinquitte im Garten zur Hochform auf, und die nektarreichen Blüten versorgen Insekten mit wertvoller Nahrung. Der so spektakulär blühende Busch mit seinen dornigen Zweigen spielt in vielen Gärten zunächst eine untergeordnete Rolle. Man pflanzt ihn zwischen neu gesetzte Sträucher, dort wo etwas wachsen soll, solange die Gehölze noch klein sind.

Die Scheinquitte allerdings erweist sich als robust und langlebig, so dass sie sich bestens entwickelt, obwohl sich über ihr breite Strauchkronen auftürmen und das Wurzelwerk der immer mächtigeren Gehölznachbarn ihr Wasser und Nährstoffe streitig machen. Und weil der einst als zeitweiliger Lückenfüller gepflanzte Strauch Jahr für Jahr in den ersten Frühlingswochen so prächtig blüht, belässt man ihn. Wenn sich ringsum erst zaghaftes Grün zeigt und die Zwiebelblumen blühen, dann prunkt die Scheinquitte mit ihren vier bis fünf Zentimeter großen Blütenschalen in gedämpften Rottönen oder in knalligem Rotorange. Im Verlauf des Sommers dagegen erregt der Strauch kaum Aufmerksamkeit.

Mit breiter Krone

Die zur Blütezeit exotisch aussehenden Scheinquitten stammen aus Fernost. Die Japanische Scheinquitte (Chaenomeles japonica) wird ausgepflanzt im Garten rund einen Meter hoch und hat eine ebenso breit ausladende Krone. Diese Scheinquitte kann auch in einem größeren Pflanzgefäß wachsen, wo sie wegen des beschränkten Wurzelraums deutlich kleiner bleibt und wegen des gestauchten Wuchses eine schön verzweigte Form entwickelt.

Die Chinesische Scheinquitte (Chaenomeles speciosa) wächst dagegen höher und schneller, sie erreicht eine Höhe und Breite von mehr als zwei Metern, die Äste sind weniger stark bedornt. Bei ihr sind die Blüten eher rotorange gefärbt, während sie bei der kleineren japanischen Art eine ziegelrote Färbung haben. Von beiden Arten kennt man aber zahlreiche Auslesen mit unterschiedlichen Blütenfarben.

Früchte kann man essen

Die deutsche Bezeichnung kommt nicht von ungefähr, denn die Scheinquitten sind mit den echten Quitten verwandt. Beide gehören zur Familie der Rosengewächse und entwickeln rundliche gelbe Früchte mit großem Kerngehäuse. Den Aufbau kennen wir vom Apfel, nur bleiben Scheinquitten deutlich kleiner. Ebenso wie die echten Quitten kann man die Früchte der Scheinquitte verzehren, nur sind sie im Vergleich dazu noch härter. Man muss sie daher weich kochen und kann dann herrliche Marmeladen, Kompott oder Chutneys bereiten. Das ist leider wenig bekannt, deshalb fallen die ab September reifenden Scheinquitten oft unbeachtet vom Strauch oder faulen bis in den Winter hinein am Ast. Schade um die köstliche, Vitamin-C-reiche Frucht.

Die Scheinquitte bietet sich tatsächlich als Obstgehölz an. In Mittelasien und in Osteuropa hatte man in der Vergangenheit Anbau und Auslesezüchtung betrieben. Es ist kein Wunder, dass viele gute Obstsorten aus der Ukraine stammen, denn in den dortigen warmen, sonnigen Sommermonaten entwickeln sich Scheinquitten bestens, sie vertragen die sommerliche Trockenheit gut und kommen mit der bisweilen bitterkalten Winterwitterung zurecht.

Kalifornische Fruchtsorten

Neuere Hybriden für die Obstkultur entstanden in Kalifornien, wo die Gehölze bei intensiver Sonneneinstrahlung trotz geringer Wasserversorgung und zeitweiliger Trockenheit fruchten sollen. Wer Wert auf hohen Fruchtertrag legt, muss mehrere Pflanzen unterschiedlicher Sorten setzen, denn wie bei anderem Kernobst auch verbessert sich der Fruchtansatz wesentlich, wenn eine andere Sorte als Pollenspender bereitsteht.

Immer ganzen Ast abschneiden

Krankheiten und Schädlinge treten nicht auf und Schnittmaßnahmen unterlässt man beim Zierstrauch am besten. Denn die schönen Blüten entwickeln sich an zweijährigen Trieben. Schneidet man zu viel vom Ast weg, entfernt man den Blütenansatz. Wird eine Scheinquitte zu hoch oder zu breit, entfernt man daher einen ganzen Ast, den man unten am Ansatz absägt. Die übrigen Zweige kann man höchstens ein wenig einkürzen. Damit der Strauch wüchsig bleibt und weiterhin schön blüht, nimmt man einzelne alte, vergreisende Äste komplett heraus.

Pflanzzeit ist übrigens jetzt noch bis Ende April. Im Topf herangezogene Gehölze mit fest durchwurzeltem Ballen kann man auch noch im Mai pflanzen, doch muss man dann zuverlässig in den folgenden sechs Wochen gießen und den ganzen ersten Sommer über darf die Erde nie bis in tiefere Schichten austrocknen, der noch nicht fest verwurzelte Strauch würde sonst eingehen. Man kann mit dem Pflanzen auch bis zum Herbst warten.

Die Sträucher wachsen in jedem gepflegten Boden

Pflanzung
Wer Scheinquitten pflanzen will, muss im Garten keine besonderen Vorbereitungen treffen.
Die Sträucher wachsen in jedem gepflegten Boden, die Erde sollte leicht sauer, lehmig und nährstoffreich sein.
Wichtig ist aber ein guter, sonniger Platz, gelegentliche Trockenheit, wie im Sommer, steckt die Scheinquitte leicht weg.
In den Folgejahren braucht die Scheinquitte keine Zusatzdüngung, sie entwickelt sich sogar unter Bäumen oder zwischen Großsträuchern

© Gmünder Tagespost 06.04.2018 10:58
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