Ein neues Lebensgefühl mit Durchblick

Gesundheit Aufgrund seiner starken Kurzsichtigkeit musste Mark Naser von Kindesbeinen an eine Brille tragen. Dank einer neuartigen Linse konnte seine Sehkraft wieder hergestellt werden.
  • Foto: Christian Frumolt
  • Mark Naser genießt sein neues Lebensgefühl. Die Operation war für ihn rückblickend genau der richtige Schritt. Foto: Christian Frumolt

Mark Naser wohnt zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter und einer Katze in Herbrechtingen. Der 44-Jährige arbeitet als Bauleiter bei Bosch und ist ein sehr sportlicher Typ. So ist eine seiner großen Leidenschaften das Bogenschießen. Diesem Hobby geht er seit einem Jahr bei der SG Herbrechtingen nach. „Ein Bekannter hat mich da mal mitgenommen und das Schießen mit dem Langbogen ist einfach nur genial“, schwärmt Naser und betont: „Das ist ein super Ausgleich zum Beruf.“ Mit nahezu der gleichen Begeisterung widmet sich Naser auch dem Radfahren. So ist er auch gerne nach der Arbeit noch ein bis zwei Stunden mit seinem Drahtesel in der Region um Herbrechtingen unterwegs.

Starke Beeinträchtigung

Eine Sache hat ihn bei seinen sportlichen Aktivitäten bislang aber immer stark beeinträchtigt, seine Augen. Mark Naser litt bisher nämlich an starker Kurzsichtigkeit, und das bereits von Kindesbeinen an. Links hatte er -10, rechts -8 Dioptrien. Dazu kam noch ein gewaltig hoher Zylinder. „Entsprechend dick waren auch die Gläser meiner Brille“, erzählt er. „Ständig mit so einem schweren Ding auf der Nase herumzulaufen war schon belastend.“ Und die Fehlsichtigkeit verschlimmerte sich im Laufe seines Lebens immer mehr. „Vor ein paar Jahren bin ich auf Kontaktlinsen umgestiegen“, sagt Naser. Aber auch die seien für den Sport nicht optimal gewesen. „Durch den Fahrtwind beim Radeln habe ich sie immer wieder mal verloren“, berichtet er.

Veränderung geplant

Eine Augenentzündung veranlasste ihn dann schließlich dazu, an dem Zustand seiner Augen etwas zu verändern. „Immer wenn ich eine Entzündung an den Augen hatte, musste ich wieder diese dicke, schwere Brille tragen.“ Ursprünglich wollt Mark Naser sich deshalb die Augen lasern lassen. Doch dafür war die Dioptrienzahl zu hoch, um anschließend ganz auf eine Brille oder Kontaktlinsen verzichten zu können. Durch Zufall erfuhr er dann von einer Operationsmethode mit einer neuartigen Linse – einer sogenannten IPCL-Linse.

Es handelt sich dabei um eine Linse, die die Tiefenschärfe steigert. Und zwar sowohl für die Ferne, als auch für die Nähe. Neben Fehlsichtigkeiten kann mit dieser Linse auch die Altersweitsichtigkeit korrigiert werden. Ein Arbeitskollege, der ihm von dieser neuartigen Linse erzählt hatte, empfahl Naser die Augenarztpraxis Accuratis in der Stadt Ulm.

Naser war neugierig, was es genau mit dieser Linse auf sich hat und welche Vorteile sie im bringen könnte. Schließlich ging es ihm darum, größtmögliche Lebensqualität zu erlangen. Immer mit der Brille auf das Rad zu sitzen – das wollte er einfach nicht mehr. Und auch der Wechsel von Kontaktlinsen zu Brille und umgekehrt war ihm lästig. Deshalb vereinbarte der 44-Jährige kurz entschlossen einen Termin in

Ulm bei Dr. Rüdiger Schmid. Bei dem Termin erfuhr Naser dann die weiteren Details: Zum Beispiel, dass bei der Operation am Rand der Hornhaut ein winziger Schnitt gemacht und eine dünne Acrylinse vor die eigene Linse geschoben wird.

Meine Augen und meine Gesundheit sind nicht verhandelbar.

Mark Naser
aus Herbrechtingen

Vertrauen in die Methode

„Diese Methode klingt zwar nicht gerade nach einer einfachen Sache“, gibt Mark Naser zu. Doch schon während der ersten Beratung war er sich sicher, dass er die OP wagen wird. Ein mulmiges Gefühl habe er eigentlich nicht gehabt, auch nicht am 3. März 2018, als die Operation anstand. „Ich wusste ja auch, dass ich eigentlich kein Risiko eingehe“, sagt er und erklärt: Die Operation könne vollständig rückgängig gemacht werden, denn die eigene Linse verbleibe ja im Auge. Und mit einem Augenzwinkern betont er: „Und man muss auch mal was Neues ausprobieren.“

Und Mark Naser bereut seine Entscheidung keine Sekunde: Insgesamt dauerte der Eingriff nur eine knappe halbe Stunde. „Operiert wurden beide Augen direkt nacheinander, da das Einsetzen dieser Linse so risikoarm ist,“ erzählt Naser. Die OP wurde dabei als Lehrvideo für den Ärztekongress in Nürnberg mit zwei Kameras aufgenommen. Die Aufnahmen hat Naser nicht gesehen. „Das möchte ich auch nicht, mir reicht das Ergebnis.“

Brille ist Geschichte

Und von dem ist Naser begeistert: „Meine Welt hat sich gleich nach dem Eingriff komplett verändert.“ Er hat eine Sehkraft von über 100 Prozent – und damit sind Brille und Kontaktlinsen für ihn Geschichte. „Es ist herrlich, morgens die Augen aufzuschlagen und alles klar und deutlich zu sehen“, schwärmt er.

Seit der OP muss er beim Sport auch auf nichts mehr achten. „Ich kann mir jetzt auch eine ganz normale Sonnenbrille für günstiges Geld kaufen“, freut sich Naser.

Eines ärgert den 44-Jährigen aber: Dass die Krankenkassen diese Operation nicht bezahlen. Und der Eingriff ist nicht billig. Pro Auge muss man mit rund 3000 Euro rechnen. Die Operation bei Grauem Star (Trübung der Linse) wird dagegen von den Kassen übernommen. „Dabei war der Eingriff bei mir auch nicht aufwendiger“, sagt Naser.

Aber umgerechnet müsste er mit etwa 12 500 Euro rechnen, wenn er bis ins Alter alle zwei Jahre mit seiner einstigen Fehlsichtigkeit eine neue Brille kaufen müsste. Und eine Sache war für Mark Naser von vornherein klar: „Meine Augen sind nicht verhandelbar. Meine Gesundheit ist mir den Preis wert.“

Operation mit neuartiger Linse

Das Einsetzen einer IPCL-Linse wurde im vergangenen Jahr erstmals in Deutschland durchgeführt – und zwar bei einem Patienten aus Aalen. Es handelt sich dabei um eine Linse, die die Tiefenschärfe steigert. Mit ihr lassen sich alle Arten von Fehlsichtigkeiten und auch die Altersweitsichtigkeit korrigieren. Gleichzeitig unterstützt die sogenannte „multifokale“ Intraokularlinse die Zwischendistanz.
Bei der Operation wird am Rand der Hornhaut ein kleiner Schnitt gemacht und eine dünne Acryllinse vor die eigene Linse geschoben wird.
Dr.Rüdiger Schmid von der Augenarztpraxis Accuratis in Ulm hat im vergangenen Jahr erstmals diese neue Linsentechnik bei einem Patienten angewandt. Die IPCL-Linse kommt aber bereits seit 2013 in Europa bei Operationen zur Anwendung. Der große Vorteil dieser Technik ist, dass sie im Fall des Falles auch wieder komplett rückgängig gemacht werden kann.

© Gmünder Tagespost 18.05.2018 16:24
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