Schau mal in die Sterne!

Volkssternwarte Seit 1969 steht ein Teleskop auf der Schillerhöhe. Freitags, sonntags, zu besonderen Anlässen und auf Anfrage kann jeder bei klarem Himmel einen Blick in entfernte Galaxien werfen.
  • Foto: Antje Freudenthal
  • Blick auf die Aalener Volkssternwarte auf der Schillerhöhe vom Turm des Mahnmals aus. Foto: Astronomische Arbeitsgemeinschaft

Ganz schön kalt ist es in der Kuppel. Zwar schützt sie vorm frischen Dezemberwind. Doch ohne Heizung muss man sich warm einpacken, wenn man in ferne Galaxien entschweben will. Zumindest optisch und für einen kurzen Moment. Einen winzig kurzen Moment, nicht mal ein Augenzwinkern – verglichen zu den Millionen Jahre alten und hunderttausende Lichtjahre entfernten Objekten, die man durch das beeindruckende Teleskop von 1941 bewundert.

Ehemalige Schüler des Schubart-Gymnasiums entdeckten das gute Stück bei der Firma Carl Zeiss in Oberkochen. Aus der damaligen Begeisterung für das Apollo-Programm zur Mondlandung wurde ein Deal ausgehandelt: Carl Zeiss restaurierte das Teleskop und schenkte es der Stadt mit der Auflage, dass diese eine Sternwarte bauen sollte. Am 21. Mai 1969 fand die feierliche Eröffnung statt. Bis 2001 betreuten Hermann Zeuner und Joachim Wohlfart die Schulsternwarte des Schubart-Gymnasiums.

Verein für Astronomiefans

In den 80er-Jahren bildete sich eine aktive Gruppe aus Kursen an der Volkshochschule Aalen. Aus dieser Gruppe entstand schließlich 2001 die Astronomische Arbeitsgemeinschaft Aalen. Hobbyastronomen aus der Region zusammen mit Vertretern der Schulen und der Volkshochschule gründeten im Juli des Jahres den heute über 50 Mitglieder zählenden Verein. Die nun vereinigten Freunde der Astronomie übernahmen die Organisation und Betreuung der Sternwarte. Die Stadt blieb weiterhin Eigentümerin. Seitdem stieg die jährliche Besucherzahl auf circa 2.000. Von generell am Thema Interessierten über Astronomiefotografen bis hin zu Firmenausflügen und Schul- oder Kindergartenklassen lassen sich bei kostenlosen Führungen von den Freiwilligen die Welt der Sterne, Planeten und Galaxien erklären. Die Führungen sind unter einem festen Mitgliederstamm aufgeteilt, sieben Gruppen à zwei Personen. Eine halbe Stunde vor dem jeweiligen Termin entscheiden die beiden Führer, ob die Veranstaltung stattfinden kann oder nicht.

„Wir sind kein Planetarium, das Sterne zur Beobachtung an eine Wand projiziert. Wir arbeiten mit optischen Teleskopen. Deshalb ist die Sicht auch vom Wetter anhängig“, betont Ulrich Görze. „Hier auf der Schillerhöhe unterliegen wir zwar einer gewissen Lichtverschmutzung. Dennoch ist die Anhöhe ein guter Platz. Es gibt durchaus Nächte im August, an denen man die Sommermilchstraße sehen kann. Zudem sind wir eine echte Volkssternwarte - in Stadtnähe und somit nahe am Volk“, fügt er hinzu. Ulrich Görze ist seit seiner Schulzeit der Astronomie verfallen. Als Gründungsmitglied der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft war er jahrelang Vorsitzender des Vereins. Vor circa zehn Jahren übergab er den Staffelstab an Dr. Ralf Wichard, blieb aber als Beisitzer für die Volkshochschule im Vorstandsteam. Nun ist Ulrich Görze in Altersteilzeit und genießt es sehr, sich wieder stärker seinem Hobby widmen zu können.

Astronomie für alle

„Unser Hauptanliegen ist es, Amateurastronomen, Schülern und Interessierten die Astronomie näher zu bringen. Dies machen wir mit Hilfe von öffentlichen Vorträgen, Beobachtungsangeboten, Führungen, Familienveranstaltungen, Exkursionen und unserer Jugendgruppe“, erklärt Ulrich Görze. Zudem können sich Mitglieder die vorhandenen Geräte ausleihen oder unter Zuhilfenahme eines Adapters ihre Digitalkamera an das Teleskop anschließen, um sich an der aktuell beliebten astronomischen Fotografie zu versuchen. Auf Exkursionen geht es zu anderen Vereinen und Sternwarten. Oder für Beobachtungen an dunklere Orte: Im Umkreis von einer Stunde Autofahrt finden sich recht gute Bedingungen, teilweise auch schon auf dem Härtsfeld. Ein Spiegelschleifkurs kam ebenfalls gut an. „Die Mitglieder sind mit Begeisterung dabei, nur die Jugendgruppe könnte etwas besser laufen“, meint Ulrich Görze.

Das wiederentdeckte Teleskop von 1969, ursprünglich aus dem Jahr 1941 stammend, arbeitet heute noch zuverlässig unter der Kuppel. „Entgegen modernen Refraktoren müssen wir für dieses Gerät die Koordinaten am Laptop berechnen und dann manuell einstellen. Doch die Leistung bei 130 Millimeter Linsendurchmesser, 1,95 Meter Brennweite und bis zu 300-facher Vergrößerung ist immer noch top. Oft können wir die volle Vergrößerung gar nicht ausnutzen, weil auch die Luftunruhe vergrößert wird“, berichtet Ulrich Görze begeistert. Er dreht an einem metallenen Rad, zwei Kugeln setzen sich in einem Glaszylinder in Bewegung. Man kann beobachten, wie die Zahnräder ineinander greifen und das Teleskop sich ganz langsam gen Westen dreht. Mit dem moderneren 280 Millimeter Spiegelteleskop funktionieren die Einstellungen einfacher. Doch das antike Gerät ist das Herzstück der Sternwarte.

Was tut sich denn da?

Doch was sieht man eigentlich durch diese Wunderwerke der Technik? Aktuell präsentieren sich Uranus und Neptun, die äußeren Planeten. Uranus kann als kleines Scheibchen wahrgenommen werden. Noch ist der Wintersternenhimmel mit vielen hellen Sternen sichtbar. Auch noch unsere große Nachbargalaxie, der Andromedanebel M31. Er ist mit 2,5 Millionen Lichtjahren das am weitesten entfernte Objekt, welches man mit dem bloßen Auge noch erkennen kann. Im Frühjahr tauchen weitere Galaxien auf. Andere Objekte im Planetensystem sind der Mars oder Jupiter, der größte Planet, mit seinen Wolkenbändern und vier großen Monden. „Der Saturn mit seinem Ring begeistert die meisten Besucher. Sie wollen dann immer ein Handyfoto machen. Das funktioniert mehr schlecht als recht, ist aber eine schöne Erinnerung“, zuckt Ulrich Görze mit den Achseln. Anhand von stellaren Objekten wird die Sternentwicklung, also das Leben und die Endlichkeit von Sternen erklärt. So wird die Sonne vermutlich in vier Milliarden Jahren zu einem planetarischen Nebel werden. Der Stern wird seine Hülle in Explosionen auswerfen. Unterhalb des Gürtels des Sternbildes Orion kann man am Winterhimmel den Nebel M42 beobachten, das nächste Sternentstehungsgebiet zur Erde. „Nach einem Kollaps entstehen Sterne. Diese nur wenige Millionen Jahre alten Sterne sind für uns Astronomen Babys“, lacht Ulrich Görze. Im Sommer und Herbst spielt eher unsere heimische Milchstraße eine Rolle. Außerdem sind Kugelsternhaufen und offene Sternhaufen namens „Kleiderbügel“ oder „Perlenkette“ sichtbar. „Freitags werfen wir gerne noch einen Blick auf den Mond. Man kann dann auf der Mondoberfläche entlang wandern, sich fühlen wie in einem Raumschiff“, beschreibt Ulrich Görze den Anblick. Sonntags kommen Sonnenanbeter auf ihre Kosten. Die Sonne besteht zu 70 Prozent aus Wasserstoff, der in einem rötlichen Licht leuchtet. Ein Teleskop mit Spezialfilter pickt diese Farbe heraus und macht die Sonne klar sichtbar. Das ist etwas Besonderes. Zusätzlich wird das Sonnenlicht in Weißlicht auf eine Fläche projiziert.

© Gmünder Tagespost 12.01.2018 17:56
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