Power aus dem eigenen Beet

Gemüse Ein altmodisches Image hängt der Roten Bete an. Dabei gelingt der Anbau leicht. Zudem lassen sich die Knollen prima lagern und vielseitig verwenden.
  • Frisch geerntete Rote-Bete-Rüben nicht aneinanderschlagen, sonst werden sie verletzt und „bluten“. Die gesunde Knolle lässt sich ganz einfach einlagern und vielseitig nutzen. Fotos: Helga Schneller (oben rechts) und pixabay (unten).

Blutrot ist ihr Saft, beachtlich die Nährstoffbilanz und erdig-süß ihr Geschmack. Trotzdem rangiert die Rote Bete nicht auf den vorderen Plätzen der Gemüse-Hitparade. Das mag am angestaubten Image der robusten Knolle liegen. Vielleicht gehört Omas eingelegter „Randich“ nicht zu den tollen kulinarischen Kindheits-Erinnerungen. Hinzu kommt, dass die Hände ohne schützende Küchenhandschuhe nach der Begegnung mit der roten Rübe aussehen, als hätte man ein Huhn geschlachtet. Dennoch lohnt sich der Anbau im Garten.

Anspruchslose Knolle

Rote Bete gibt es in kugelrund, kegelförmig, zylindrisch oder plattrund, Dunkel- und Hellrot, Gelb, Weiß und sogar geringelt. Im Garten stellen die unkomplizierten Rüben keine großen Ansprüche. Ein humoser Boden in sonniger bis halbschattiger Lage ist der richtige Platz. Vor der Aussaat liefert Kompost genug Nährstoffe für den Start. Rote Bete kann man vorkultivieren oder von April bis Juli direkt ins Beet säen. Laufen die Sämlinge zu zahlreich auf, wird vereinzelt, denn bei dichtem Stand fehlt der Platz zur Knollenbildung.

Ganzheitliche Verwendung

Das junge Laub schmeckt sehr lecker in einem gemischten Blattsalat, gelegentlich darf ein Blättchen von den heranwachsenden Pflanzen stibitzt werden. In früheren Zeiten aßen die Menschen sogar nur das Rote-Bete-Laub. Während der Knollenbildung kann im Abstand von drei Wochen verdünnte Brennnessel-Jauche als Düngenachschub gegeben werden. Etwa zwei Wochen vor der Ernte wird die Düngung eingestellt. Rote Bete neigen dazu, Nitrat einzulagern. Deshalb sollten sie nicht stickstoffbetont gedüngt werden. Mulchen, Boden lockern und gleichmäßige Feuchtigkeit reichen als Pflegemaßnahmen aus. Probleme mit Krankheiten und Schädlingen gibt es kaum.

Bitte nicht schütteln

Die richtigen Mischkultur-Partner verhelfen zu gesundem Wachstum. Förderlich sind Feldsalat, Kohlrabi, Erbsen und Dill, schlechte Nachbarn Spinat, Mangold, Möhren und Lauch. Die Erntezeit von Roter Bete liegt zwischen August und Oktober. Runde Sorten brauchen durchschnittlich drei Monate zum Reifen, zylindrische ein paar Wochen länger. Plattrunde Sorten lassen sich am leichtesten ernten, denn sie sitzen oberflächlich auf der Erde. Ist der Boden leicht und locker, lassen sich Rote Bete mit der Hand herausziehen. Die tiefer sitzenden Knollen hebt man vorsichtig mit der Grabgabel an. Anhaftende Erdklumpen werden abgestreift. Die Rüben aneinanderzuschlagen oder zu schütteln, ist tabu, weil sie sonst leicht verletzt werden können und „bluten“.

Wintervorrat einlagern

Herbstsorten der Rote Bete eignen sich zum Einlagern. Sie sollten so lange wie möglich auf dem Beet bleiben, aber vor dem ersten Frost geerntet werden. Die Blätter der Lagerknollen werden abgedreht, so dass das Herz unversehrt bleibt. Dann wandern die Rote Bete ungewaschen in eine Holz- oder Kunststoffkiste mit feuchtem Sand. Sie sollen sich nicht gegenseitig berühren, das Herz darf oben herausschauen. In einem kühlen Keller oder einer frostfreien Garage halten sie sich bis zum Frühjahr frisch.

Als typisches Wintergemüse versorgen uns die tollen Knollen mit einer ganzen Reihe wichtiger Nährstoffe. Sie stärken das Immunsystem und liefern neben Vitamin B und Kalium viel Eisen und Folsäure. Rote Bete regen den Appetit an, fördern die Verdauung und sollen eine blutreinigende Wirkung haben. Der stark färbende Pflanzensaft wird auch als Naturfarbstoff bei Lebensmitteln eingesetzt. Rote Flecken auf dem T-Shirt lassen sich durch sofortiges Auswaschen mit heißem Wasser und Seife gut in den Griff bekommen.

Allrounder in der Küche

Verwendet werden Rote Rüben für deftige Eintöpfe, Suppe oder als Gemüsebeilage. In der Vegan-Küche wandert Omas Knolle in Smoothies, dient hauchdünn aufgeschnitten als Carpacchio oder verwandelt sich ausgebacken zu Gemüse-Chips.

© Gmünder Tagespost 15.09.2017 14:24
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