Tradition und Handwerk gehören zusammen

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Die deutsche Handwerks-oder auch Volkskunst hat eine lange Tradition, die im Erzgebirge ihren Ursprung findet. Das Erzgebirge, gleich an der Grenze zur Tschechischen Republik zwischen Elbsandsteingebirge und dem Vogtland gelegen, gehört heute zum Bundesland Sachsen. Jahrhundertelang mussten die Bewohner der Region schwer für ihr Überleben arbeiten und kämpfen; die vielen Waldstücke und die harten Winter ließen kaum landwirtschaftliche Nutzung des Bodens zu, auch Verkehrswege wurden nur schwer erschlossen. Nach dem Fund von großen Mengen Metallerzen im 12. Jahrhundert folgte im Erzgebirge eine lange Zeit des Abbaus dieser Bodenschätze, hauptsächlich Silbererz, woher auch der Name "Erzgebirge" rührt. Natürlich unterlag auch diese Zeit konjunkturellen Schwankungen, und der Erzabbau erstarb im 19. Jahrhundert weitgehend. Daher mussten die Bewohner sich anderer Künste und Handwerke bedienen, um ihr Einkommen zu sichern.

Erzgebirgische Holzkunst - jahrhundertealte Tradition

Holzverarbeitung war im waldreichen Erzgebirge immer schon ein wichtiger Wirtschaftszweig, auch im Erzbergbau wurden Unmengen von Grubenholz gebraucht, und das bereits ab dem 12. Jahrhundert. Daneben war das Holz aber auch wichtigstes Material für die Herstellung von Gebrauchsgegenständen wie Geschirr, Arbeitsgerät oder Möbeln. So konzentrierte man sich zu den Zeiten des rückläufigen Bergbaus gegen Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts auf das Material Holz und besann sich auf seine handwerklichen Fähigkeiten. Holzschnitzer und -drechsler wurden zu neuen Berufen, mit denen man Geld verdienen konnte. Aus den Teller- und Spindeldrechslern, die Mitte des 17. Jahrhunderts mehr und mehr Arbeit fanden, entwickelte sich später die Produktion von Spielzeug und Figuren.

Besondere Figuren und Ausstellungen

Ein Besuch im Erzgebirge lohnt sich jederzeit, aber im Advent erstrahlt das Erzgebirge besonders festlich, und die Herzen von Liebhabern traditioneller Kunst schlagen dann höher. Neben Krippenfiguren und den typischen Räuchermännchen aus dem Erzgebirge sind Weihnachtspyramiden, Nussknacker, Engel und Bergmänner weit über die Region bekannt und beliebt. Ausstellungen der beliebten kleinen Kunstwerke finden sich in den meisten Manufakturen des Erzgebirges, wo man die Figuren auch käuflich erwerben kann. Viele Figurenreihen werden heute hoch gehandelt und eifrig gesammelt. Aber auch Holz-Spieldosen aus dem Erzgebirge sind ein exquisites Stück Handwerkskunst; sie sind nicht allein schön anzuschauen sondern sind auch eine Oase im stressigen Alltag.
Gerade im Erzgebirge gibt es natürlich neben den Herstellerfirmen zahlreiche Museen: die Region Seiffen, die auch "Spielzeugwinkel" genannt wird, ist das Zentrum Erzgebirgischer Volkskunst, und so findet man in Seiffen auch das international anerkannte Erzgebirgische Spielzeugmuseum, in dem das gesamte Spielzeuggebiet des Erzgebirges, einschließlich des böhmischen Teils, vorgestellt wird.

Das Erzgebirge - für Kunst- und Kulturliebhaber ein mehr als geeignetes Ausflugsziel und gleichzeitig Ausdruck dafür, dass Handwerk und Tradition bis heute zusammengehören.

© Gmünder Tagespost 29.05.2017 14:07
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