Lesermeinung

Thema Islam bei Frauenschwimmen nicht ausblenden

Zum (interkulturellen) Frauenschwimmen:

„In den 80er-Jahren hatte ich als Lehrer an einer Gmünder Schule mehrere Schlüsselerlebnisse in Sachen Islam. Eines davon: Ich lud einen türkischen Vater zum Gespräch, der seine Tochter weder am Jahresausflug noch am Schwimmunterricht teilnehmen lassen wollte. Begründung: ‘Ich bin Moslem.’ Viele Jahre in Deutschland hatten es ihm offensichtlich nicht ermöglicht, unsere Sprache zu lernen. Ein Sohn dolmetschte. Ich erklärte, dass ich einen Eid auf die Verfassung abgelegt habe, dass darin die Gleichheit von Mann und Frau festgeschrieben sei und dass wir Trennung von Staat und Religion hätten und dass sich die Religion der Verfassung unterzuordnen habe. Und im Übrigen, wenn ihm das nicht gefiele, er jederzeit in die Türkei zurückkehren könne.

Wie das ausging? Die Tochter (wie einige, teilweise sehr begabte, türkische Schülerinnen) verschwand – in einer Frühehe. Ich musste zum Rektor, der mir ‘ganz grundsätzlich’ zustimmte. Aber ‘so kann man es nicht den Leuten sagen. Der Ausländerbeirat hat sich bei mir gemeldet.’

Monika Lidmila (Städtische Bäderbetriebe) und Elke Heer (Städtische Beauftragte für Chancengleichheit), plädieren für einen spezifisches Angebot zum Frauenschwimmen, das ‘verstärkt von muslimischen Frauen’ (80 Prozent wurden genannt) wahrgenommen werde. Ich möchte die beiden Damen daran erinnern, dass sie ihr Brot von der öffentlichen Hand beziehen und daher in besonderer Weise unserem Staat und unserer Verfassung verpflichtet sind. Der Unterschied zwischen Frauenturnen (von Deutschen) und Frauenfasching (von Deutschen- oder hat schon jemand Kopftuch-, Nikab- oder gar Burkaträgerinnen ‘Wir machen durch bis morgen früh und singen bumsfallera’ angesäuselt grölen hören?) zum Frauenschwimmen (s.o.) besteht schlicht darin, das Letzteres religionsideologisch sexuell aufgeladen ist. Eigentlich müsste eine der 192 Inhaberinnen der Lehrstühle für Genderforschung beim Frauenschwimmen sich entsetzt zu Wort melden. Denn nach der Gender (Geschlechter)-Theorie sind alle, wirklich alle, Unterschiede zwischen Mann und Frau nur soziale Konstrukte. Also wo kein Unterschied, da auch kein getrenntes Schwimmen.

Ich empfehle Frau Lidmila und Frau Heer eine interkulturelle Ferien-Feldstudie: In einer türkischen oder arabischen Provinzstadt besuchen sie ohne Kopftuch ein Schwimmbad, in dem sie im Bikini in die Fluten tauchen. In Saudi-Arabien riskieren sie öffentliche Stockschläge und die Türkei kann zwei weitere Deutsche in Geiselhaft nehmen, um die sich dann der neue alerte Außenminister kümmern kann.
Interessant ist, dass in den Beiträgen der Frauenschwimmen-Initiatorinnen nach dem Kommentar von GT-Chefredakteur Michael Länge vom 3. März, der sich dezidiert dagegen aussprach, ebenso vom zum Frauenschwimmen kritischen Gastkommentar der PH-Professorin Sandra Kostner (Interkulturalität) das Thema Islam vollständig ausgeblendet wurde. Genau das – und Michael Länge hat das getan – muss aber hier in Zusammenhang gesetzt werden. Der Islam befindet sich in der Vormoderne, bedient sich aber der Mittel der Moderne. Der liberale Rechtsstaat fußt auf dem Primat der Politik vor der Religion. Im Islam gibt es schlicht keine Trennung von Privatleben und gesellschaftlichem Leben. Und sein Verhaltenskodex fußt auf der Scharia. Und die ist völlig inkompatibel mit dem Grundgesetz.

Wir haben die Freiheit für oder gegen einen Glauben. Was passiert mit der ‘selbstbestimmten’ muslimischen Frau, die keine Lust mehr auf Kopftuch und Burkini hat und mit dem Bikini ins Gmünder Hallenbad geht und alleine beim Frauenfasching auftaucht?

Ich bin Michael Länge außerordentlich dankbar, dass er den Mut hatte, sich aus der Öde zu lösen, die Provinzzeitungen zuweilen nachgesagt wird – jeden Tag der Brei aus lokalpatriotischen Euphemismen, aus verharmlosenden Sozialschmonzetten, wenn es um kritische Themen, etwa Flüchtlinge geht. Vielleicht macht die Gmünder Tagespost da ab und zu weiter. Zum Beispiel mit der Ditib-Moschee in Gmünd, die von der türkischen Religionsbehörde gesteuert wird, die direkt Erdogan untersteht.

‘Erfolg spricht für sich’, schreibt Angelika Grimmbacher zum Thema Frauenschwimmen. Das behauptet die AfD auch. Von mir eine Buchempfehlung für alle Frauenschwimm-Befürworterinnen als ,Integrationshilfe’ am Schluss: ‘Die große Verschleierung’ (Alice Schwarzer) und ‘Kritik der reinen Toleranz’ (Henryk Broder). Viel Spaß bei der Nichtlektüre.“

© Gmünder Tagespost 27.03.2018 19:03
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