Lesermeinung

Zum Bericht „Spahns erste Rezepte“ vom 1. März.

Zunächst war ich neugierig auf neue Rezepte in der Gesundheitspolitik. Leider wurde ich beim Lesen herb enttäuscht. Keine einzige neue Idee konnte ich entdecken. Die oft wiederholte Niederschrift der bekannten Themenfelder in der reformbedürftigen Gesundheitspolitik verbessern nichts, auch wenn ein designierter Minister sie aufzählt. Der Mangel an Pflegekräften ist so offensichtlich, dass er keinem informierten Leser entgangen sein dürfte. Dasselbe gilt für den Ärztemangel, der nicht nur den ländlichen Raum und die Hausärzte betrifft.

Hier sind dem Redakteur falsche Informationen vorzuwerfen. Er schrieb: Wenn ein Arzt eine Praxis eröffnen will, muss er sich an die Ärztekammer wenden. Die kann die Niederlassung verweigern. Dies mag bei ausschließlich privatärztlich tätigen Kollegen zutreffen. Fast alle in freier Praxis, Berufsausübungsgemeinschaften oder MVZ niedergelassen Ärztinnen und Ärzte sind jedoch Kassenärzte. Deren Zulassung wird völlig anders geregelt. Ein Landesausschuss Ärzte und Krankenkassen, der paritätisch mit Krankenkassenvertretern und Ärzten besetzt ist, entscheidet unter dem Vorsitz eines hohen Beamten des Landessozialministeriums, ob in einem Planungsbereich Über- oder Unterversorgung mit Ärzten besteht. Hier wird also festgelegt, ob ein Bereich für Niederlassungen geöffnet oder gesperrt ist. Bei problematischen Entscheidungen werden leider der Kassenärztlichen Vereinigung einseitig Schuldvorwürfe gemacht. Meine Empfehlung: Vor Veröffentlichungen bitte fachliche und sachdienliche Informationen einholen. Die Gesundheitspolitik ist ein für Leser und Bürger zu wichtiges Metier, über das möglichst fehlerfrei zu berichten ist.

Ich bin gespannt auf die kommenden Rezepte der Politik. Das Rezepte schreiben, auch wenn sie gelegentlich schwer lesbar sind, sollte man vielleicht besser denen überlassen, zu deren Beruf dies gehört. Eine Ärztin, ein Arzt, eine Krankenschwester, ein Krankenpfleger oder sonstiger Angehöriger eines Gesundheitsberufs wäre eventuell auch ministrabel gewesen. Justizminister oder Justizministerin war zumindest immer jemand, der Jura studiert hat.

© Gmünder Tagespost 04.03.2018 19:24
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