Lesermeinung

Zum Dieselurteil und möglichen Fahrverboten

Es ist schon erstaunlich, wie geduldig deutsche Besitzer von Dieselfahrzeugen sind. Sie wurden von den Herstellern belogen und betrogen. Der sogenannte Diesel-Gipfel war eine einzige Enttäuschung. Die Arroganz von Müller, Zetsche und Kollegen war nicht zu überbieten. Sie sehen sich überhaupt nicht in der Verantwortung. Trotzdem hört man verhältnismäßig wenig über den Ärger der Dieselfahrer.

Anscheinend kennt die Politik die Geduld der Autofahrer in Deutschland. Deshalb wartet sie ab in der Hoffnung, es wird sich alles von alleine regeln. Nur von der geschäftsführenden Umweltministerin Hendricks werden die Autokonzerne verbal in die Pflicht genommen. Da lobe ich mir doch Amerika. Dort erhalten betrogene Dieselbesitzer wenigstens eine finanzielle Entschädigung.

Hier bei uns erhalten sie als „Belohnung“, auf die Versprechungen und Kaufanreize von Autoherstellern und Politik hereingefallen zu sein, einen Wertverlust (kalte Enteignung) ihres Fahrzeugs und jetzt noch Fahrverbote in großen deutschen Städten. Die Einwohner haben natürlich Anspruch auf saubere Luft, keine Frage. Die könnte schnell erreicht werden, wenn Volkswagen und Konsorten endlich verpflichtet würden, auf ihre Kosten den Betrug am Kunden durch Verbesserung der Hardware vorzunehmen. Nicht nur der ADAC hat bewiesen, dass die Technik vorhanden ist.

Nachdem Herr Dobrindt überwiegend mit der Pkw-Maut und als Lobbyist für die Automobilindustrie beschäftigt war, könnte sich doch jetzt der geschäftsführende Verkehrsminister Schmidt darauf besinnen, für wen er tätig sein muss. Nämlich zuerst für die Bürger und dann für die Konzerne. Die haben übrigens genug Geld, um die notwendige Umrüstung zu bezahlen. VW hat immerhin einen Gewinn von 11,8 Milliarden erwirtschaftet und Daimler nicht viel weniger Gewinn erzielt.

© Gmünder Tagespost 04.03.2018 19:24
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