Lesermeinung

Zum Leserbrief „Keine Beweise für eine Hetzjagd“ vom 8. September:

Sehr geehrter Herr Sauter, Ihr Leserbrief ist tendenziös, unausgewogen und bedient sich Argumenten der AfD und damit auch der Propaganda aus der Nazidiktatur. Die Presse dabei als instrumentalisiert von der Politik darzustellen, ist abwegig.

Die Pressefreiheit ist unbestritten zentrales Element unserer freiheitlichen Demokratie. Sie spielen außerdem dabei das Spiel der rechtsextremen AfD, die auch in Chemnitz mit der Pegida-Bewegung paktierte und den Journalismus als „Lügenpresse“ bezeichnet. Dies ist reinster Nazijargon. Leute wie den sächsischen Verfassungsschutzmitarbeiter, der in Dresden die Presseberichterstattung behinderte, als Opfer darzustellen, stellt die Realitäten auf den Kopf. Dieser wurde nämlich aus der Behörde entfernt.

Realität ist auch, dass die Rechtspopulisten von der AfD, die seit Kurzem wie in Thüringen vom Verfassungsschutz beobachtet werden, in Sachsen bei der letzten Bundestagswahl die stärkste Partei stellten.

Es ist schon bemerkenswert, dass der Präsident des Zentralrates der Katholiken, Thomas Sternberg, dazu aufruft, bei den Landtagswahlen in Hessen und Bayern nicht die von ihm als „rechtsradikal“ bezeichnete AfD zu wählen.

In Dresden geschahen in der Tat Hetzjagden auf Ausländer. Dies wird mit ermöglicht durch ein rassistisches Klima in Teilen der Bevölkerung, Politik und Behörden. Der von Ihnen angesprochene Oberstaatsanwalt von Dresden, Wolfgang Klein, betont ausdrücklich, dass es an dem Video, das dies belegt, keinen Echtheitszweifel gibt.

Dass ein Mensch gestorben ist, bedaure ich zutiefst. Wenn Sie hierbei jedoch von „bestialischem Messemord“ sprechen, spalten Sie und tragen weiter zur Eskalation bei. Außerdem laufen gegen den Tatverdächtigen bisher Ermittlungen wegen Totschlags.

Migranten am Ende zu unterstellen, nur von Sozialkassen zu leben, außer dem Koran kein Buch zu kennen und Messer als Waffe und nicht als Essbesteck zu benutzen, ist klischeehafte, billigste Polemik untersten Niveaus, die niemandem weiterhilft.

© Gmünder Tagespost 11.09.2018 18:44
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