Lesermeinung

Zum Leserbrief von Herbert Gail in der SchwäPo vom 14. Mai:

Lieber Herr Gail, Sie haben mir ohne jede Konkretisierung oder Nachweise öffentlich vorgeworfen, ich hätte in meinem Leserbrief vom 8. Mai „mit den üblichen Halbwahrheiten“ argumentiert, mit denen Israel an den Pranger gestellt wird. Ich weise Ihren Vorwurf und Ihre Unterstellung als nicht gerechtfertigt zurück. Halbwahrheiten und die insinuierte Israelfeindlichkeit lassen sich auch bei bösestem Willen nicht aus meiner Analyse der Unabhängigkeitserklärung David Ben Gurions vom 14. Mai 1948 herauslesen. Damit sich die Leser ein eigenes Urteil bilden können, fasse ich das Wesentliche meiner Argumentation kurz zusammen und füge zur Abrundung die eine oder andere gekennzeichnete Ergänzung hinzu.

Ich hatte auf der Basis der torá, des 1. Teils des jüdischen tenach, verdeutlicht, was David Ben Gurion meint, wenn er von der Wiederherstellung des jüdischen Staats in Eretz Israel spricht. Es handelt sich um das biblische gelobte Land, das Jahwe seinem auserwählten Volk Israel zur Eroberung, Vertreibung der Bewohner (Ergänzung: unter anderen der Philister, der die Septuaginta als palaistinoi bezeichnet, wovon sich der Name Palästinenser ableitet) und zur allmählichen Besiedelung anbefohlen hat (2. Mose 23, 20-33), wobei eine Missachtung des göttlichen Auftrags zur Auslöschung des auserwählten Volkes durch Jahwe führen kann (5. Mose 9, 23 ff). In Ergänzung dazu zitiere ich David Ben Gurion: „In Eretz Israel entstand das jüdische Volk . . . Hier lebte es frei und unabhängig. Hier schuf es eine nationale und universelle Kultur. (Beginn der Proklamation). Zu Eretz Israel gehört auch das heutige Westjordanland. Es ist bereits zum größten Teil von orthodoxen jüdischen Siedlern und den israelischen Verteidigungskräften in Beschlag genommen. Die Siedler verwenden für das Palästinenserland ausschließlich die biblischen Namen Samaria und Judäa.

Ergänzend teile ich mit, dass sich Israel nach den Kampfhandlungen 1948/49, dem sogenannten Unabhängigkeitskrieg, im Besitz eines Gebietes sah, das erheblich größer war als es der von Israel vollinhaltlich und unwiderruflich (David Ben Gurion) anerkannte UN-Teilungsplan von 1947 vorsah. Konsequenterweise hat Israel als einziger Staat (noch) keine völkerrechtlich fixierten Staatsgrenzen.

© Gmünder Tagespost 24.05.2018 16:15
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