Lesermeinung

Zum Millionengehalt von VW-Chef Matthias Müller:

10 Millionen Euro Vergütung für 2017 hält VW-Chef Matthias Müller für angemessen angesichts von Verantwortung und Risiko, das er tragen muss. Sein Einkommen beträgt das 37-fache von dem der Bundeskanzlerin. Es gleicht damit in etwa den geschätzten Einkommen von Helene Fischer oder Günther Jauch. Jogi Löw ist mit dem knapp 20-fachen Kanzlergehalt eher unterbezahlt angesichts der Verantwortung und dem Risiko, das er zu tragen hat.

Als Angestellter ist ein Konzernchef in der Pflicht, den Ertrag des Unternehmens zu sichern und zu steigern. Ein Risiko trägt er nicht, denn er muss für seine Misserfolge nicht haften. Am Beispiel Martin Winterkorn, dem Vorgänger von Matthias Müller: der Abgasskandal hat ihn keinen Cent gekostet, das Unternehmen dagegen viele Milliarden.

Die Betrugssoftware in den Dieselfahrzeugen hat dem Unternehmen über Jahre die Erträge gesichert. Wenn Martin Winterkorn die Software in Auftrag gegeben hat, hat er im Sinne seines Vertrages gehandelt. „PS“ gegen „Schadstoffe“. PS merkt der einzelne Kunde sofort, Schadstoffe merkt die Menschheit – aber erst viel später. Kläger oder Richter sind bisher nicht in Sicht.

Ernst Abbe, der Begründer der Carl-Zeiss-Stiftung, hatte am Ende des 19. Jahrhunderts in seinem Stiftungsstatut die Vorstandsgehälter auf das 10-fache des Durchschnittsgehaltes gedeckelt. Er hatte vorausgesehen, dass sich die Gehälter ohne Deckelung ins Unermessliche schrauben würden. 2004 wurde seine wohlgemeinte Sperre vom Zeitgeist hinweggefegt.

Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier beziehen die höchsten Einkommen für Politiker in Deutschland. Sie betragen etwa das 7-fache eines deutschen Durchschnittsgehaltes. Daimler-Chef Dieter Zetsche erhält das 381-fache, Rennfahrer Sebastian Vettel das 1172-fache eines Durchschnittsgehalts. Verantwortung und Risiko? Die Welt bleibt ungerecht. Politiker werden bedroht, beschimpft, verunglimpft, dass sie Verantwortung und Risiko für 80 Millionen Deutsche tragen. Sind sie blauäugig naiv da hineingeschlittert … oder einfach Helden?

© Gmünder Tagespost 30.03.2018 18:54
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