Lesermeinung

Zum Thema Stolpersteine:

Vor etwa 15 Jahren erfuhr ich von der Initiative, die in Stuttgart Stolpersteine verlegte. Man konnte für einen Geldbetrag die Patenschaft für einen Stolperstein übernehmen. So schenkte ich meiner Nichte, die sich als Grundschulkind schon sehr für das Schicksal der jüdischen Bevölkerung im 3. Reich interessierte, zum Geburtstag einen Stolperstein.

Beeindruckt nahmen wir an der Verlegung in der Stuttgarter Innenstadt teil. Die Stuttgarter Initiative bemühte sich, Kontakte zu Hinterbliebenen herzustellen. So konnte sie uns die Adresse einer Frau in Israel mitteilen. Als 17-Jähriger war ihr noch die Flucht nach Palästina gelungen war, während ihre Stuttgarter Angehörigen in Deutschland blieben und ermordet wurden.

Wir hielten Kontakt mit ihr und erfuhren, dass sie inzwischen in Beersheba in einem Altenheim lebte. Im letzten Jahr verbrachte meine Nichte ihr Auslandssemester an der Universität in Beersheba und lernte dort ihre nun 95-jährige Stolperstein – Bekannte persönlich kennen. Gern besuchte sie die alte Dame, die ihr geistig sehr rege und in gutem Deutsch ihre Lebensgeschichte erzählte: die Jugend in Deutschland, die gefährliche Flucht, Neubeginn im Kibuzz in Israel … Es waren für beide sehr schöne, sehr wichtige und wertvolle Begegnungen.

© Gmünder Tagespost 22.02.2018 19:56
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