Lesermeinung

Zur Baustelle auf dem Zeiselberg:

„Stolz und erhaben steht er da und wacht seit Jahrhunderten über seine Stadt, der ehemaligen freien Reichsstadt Schwäbisch Gmünd. Er – der Königsturm – Wahrzeichen und steinernes Denkmal, geliebt, gehegt, gepflegt von Menschen, die ihn erhalten und sein Ansehen wahren. Er, der gute und schlechte Zeiten überdauerte, der über die Stadt wachte in Zeiten der Kriege und Hungersnöte, der Pestilenz, Hexenverfolgung und Brandschatzung, schaut wohlwollend hinab auf die Straßen und Gassen, in denen alte Bauzeugen zu neuem Le ben erweckt werden.

Weit reicht sein Blick über die Innenstadt hinaus. Doch wehe, er wendet den Blick hinüber zu den ehemals grünen Hängen des Zeiselberges mit den herrlichen Laubbäumen, den uralten Kastanien und Linden, dann verspürt er einen Stich und sein steinernes Herz fängt an, zu bluten. Ein kahl geschlagener Hügel starrt ihm entgegen, entbeint, entehrt, seiner Schönheit beraubt. Was für eine Generation von Menschen brachte es fertig, eine solch grausame Wunde in seine geliebte Stadt zu schlagen?

Mit welchen Waffen wurde die Natur besiegt, welche herzlosen Pläne sollen verwirklicht werden? Der uralte Turm versinkt in Schweigen, sein Innerstes fängt an zu beben und des nachts hören die Menschen, die ihn lieben, sein Seufzen und Weinen .... Vielleicht, ja vielleicht wird der Berg eines Tages unterirdische Kräfte freisetzen und sich gegen die Willkür der Menschen, die ihn geschändet haben, wehren. Für alle, die ihre Stadt lieben.“

© Gmünder Tagespost 01.05.2018 21:00
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Kommentare

Edgar Kuchelmeister

Ich könnte mir vorstellen, dass beim nächsten Starkregen der Hang einen Besuch in der Stadt macht. Hoffen wir, dass das nicht passiert.